Interview

Bremer ADAC sieht kein Ende bei Spritpreisen – und hat Tipps

Steigende Spritpreise: Was kommt noch auf Bremerinnen und Bremer zu?

Bild: DPA | Tobias Hase

Die Spritpreise sind in Bremen drastisch gestiegen und ein Ende ist wegen des Ukraine-Kriegs nicht in Sicht. Der ADAC fordert Entlastungen für Pendler – und hat Tipps für Autofahrer.

Wer sein Auto nicht zwingend braucht, sollte es dieser Tage stehen lassen, sagt sogar der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC), die Lobby der Autofahrerinnen und Autofahrer. Allerdings kann natürlich nicht jeder ohne weiteres auf sein Auto verzichten, so Nils Linge, Sprecher des ADAC Weser-Ems. Wir sprachen mit ihm über die hohen Spritpreise und darüber, wie sich Autofahrerinnen und Autofahrer nun verhalten sollten.

Herr Linge, was glauben Sie: Wie hoch werden die Preise für Diesel und Benzin noch steigen?
Rohöl wird auch an der Börse gehandelt. Es ist ein Gut, mit dem die Leute spekulieren. Und dann der Krieg in der Ukraine. 34 Prozent unseres Öls importieren wir aus der Russischen Föderation. Aus diesen Gründen kann ich Ihnen nicht sagen, wie teuer Diesel und Benzin noch werden könnten. Niemand kann das vorhersagen.
Porträt von Nils Linge, Pressesprecher des ADAC Weser-Ems
Fordert mit dem gesamten ADAC eine Mehrwertsteuersenkung für Kraftstoffe und Heizöl: Nils Linge, Sprecher des ADAC Weser-Ems. Bild: ADAC Weser-Ems
Wer in Bremen und Bremerhaven ist besonders stark von den hohen Benzin- und Dieselpreisen betroffen?
Vor allem Pendler aus Niedersachsen, für die es kaum Alternativen zum Auto gibt. Das sind in der Regel die, die aus dem Süden kommen. Wer aus dem Westen oder aus dem Norden kommt, aus Städten wie Delmenhorst oder auch Osterholz-Scharmbeck, kann in der Regel auch ganz gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie dem Zug nach Bremen kommen. Auch die Zugverbindung zwischen Bremen und Bremerhaven ist mehr als in Ordnung, ebenso die von Bremen-Nord nach Bremen.

Aber alles, was südlich von Bremen kommt, ist ziemlich abgehängt. (...) Doch auch innerhalb Bremens kann es schwierig werden. Die Mutter einer Kollegin arbeitet in drei verschiedenen Schichten in Sebaldsbrück und wohnt in Huchting. Mit der Straßenbahn ist sie dafür mitunter über eine Stunde unterwegs, mit dem Auto braucht sie 20 Minuten.

Wer von 9 bis 17 Uhr arbeiten muss, hat gut reden. Wer aber auch manchmal nachts arbeiten muss, für den gibt es zum Auto unter Umständen keine vernünftige Alternative.
Wo sollte ich als Pendler in den nächsten Tagen tanken, wenn ich keine Alternative zum Auto habe: in Bremen oder in Niedersachsen?
Wir hatten schon beides: dass es in Bremen günstiger war und in Niedersachsen teurer – und umgekehrt. Auch die Preise der Tankstellen innerhalb Bremens sind mitunter unterschiedlich.

Ich kann als Verbraucher heute über diverse Websites vor meiner Fahrt die aktuellen Preise der Tankstellen in meiner Umgebung und auf meinem Arbeitsweg vergleichen, beispielsweise auf der Seite "clever-tanken.de". Auch der ADAC hat eine gute Seite dafür (https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/kraftstoffpreise/, die Redaktion) sowie die ADAC-Spritpreise-App. Daher sollte ich vor dem Tanken im Internet nachschauen und die billigste Tankstelle ansteuern, auch um etwas auf dem Markt zu bewegen.
Was fordert der ADAC aufgrund der hohen Spritpreise von der Politik?
Die Bundesregierung sollte kurzfristig eine befristete Mehrwertsteuersenkung auf Kraftstoffe und Heizöl prüfen. Eine vorübergehende Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent würde Benzin und Diesel aktuell um rund 21 Cent pro Liter verbilligen. Die geplante Entlastung der Verbraucher im Rahmen der Entfernungspauschale reicht nicht aus.
Was rät der ADAC Autofahrerinnen und Autofahrern in der gegenwärtigen Situation?
Wenn es geht, sollte man vom Auto auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Wer das nicht kann, der sollte besonders spritsparend fahren. Dazu sollte ich immer schnell beschleunigen und dann im möglichst höchsten Gang fahren, auch in der Stadt.

Kurze Strecken sollte ich meiden, weil das Auto dabei am meisten verbraucht. Ich sollte vorausschauend fahren und frühzeitig den Fuß vom Gas nehmen, den Wagen ausrollen lassen statt abrupt zu bremsen. Wegen der aktuellen Entwicklung haben wir gerade einen Artikel mit zehn Tipps zum spritfahrenden Fahren veröffentlicht.

Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. März 2022, 19:30 Uhr