Was die Menschen in der Ukraine wirklich von Bremern brauchen

Bremerinnen und Bremer sammeln Spenden für die Ukraine

Bild: DPA | NurPhoto | Dominika Zarzycka

Viele Bremer wollen den Menschen vor Ort helfen. Doch was hilft den Menschen in der Ukraine wirklich? Kleidung, Medikamente, Nahrung sind es nicht, meint eine Bremer Hilfsorganisation.

Der Wunsch vieler Bremer ist groß, den Menschen in der Ukraine und denen auf der Flucht vor dem Krieg, zu helfen und zu spenden. Auch viele Verbände und Privatpersonen rufen dazu auf, Sachspenden wie Kleidung oder Medikamente zu sammeln. Davon rät das Bremer Rote Kreuz (DRK) aber ab.

"Unsere Partnerorganisationen vom polnischen und ukrainischen roten Kreuz schicken ständig Warnungen raus, bitte, bitte keine Sachspenden zu sammeln und irgendwo hinzuschicken", berichtet Lübbo Roewer, Sprecher des Bremer Kreisverbands des DRK.

"Die Grenzen sind total verstopft, das macht die Hilfslieferungen der offiziellen Hilfsorganisationen fast unmöglich", beschreibt er und das beeinflusse die regionalen Organisationen. Vor allem Privatleute sollten nicht einfach Spenden an die Grenze bringen.

Geldspenden helfen überall

"Wir sagen jedem, der sich bei uns meldet: Bitte spendet Geld, das können wir schnell in Hilfe umsetzen und effektiv helfen", erklärt Roewer. Kleidung zu sammeln ist zwar gut gemeint, aber helfe nicht, da niemand garantieren könne, wo die Kleidung ankommt und dass sie überhaupt ausgegeben wird.

Das gilt auch für Nahrungsmittel, Medikamente und Hygieneartikel. Es macht keinen Sinn, in eine Bremer Apotheke zu gehen und dort viele Packungen mit Schmerzmitteln zu kaufen, um diese dann zu spenden, so der Sprecher.

"Man kann davon ausgehen, dass diese Medikamente in irgendwelchen Zwischenlagern landen und oft nicht ausgegeben werden können – das ist unsere jahrzehntelange Erfahrung von weltweiten Hilfsaktionen." Es ist wirklich sinnvoll, nur Geld zu spenden, so Roewer.

Kleidung wird nicht mehr gesammelt

Aktiv helfen zu wollen, ist aber völlig menschlich und verständlich, so Roewer. Da könnten Bremer konkret in Bremen oder Bremerhaven helfen. Beispielsweise mit Wohnraum oder Sachspenden, die hier gebraucht werden könnten wie Einrichtungsgegenstände, Kleidung für Kinder oder Spielzeug.

Helfer sortieren Hilfsgüter vor der ukrainisch-katholischen Kirche St. Wolodymyr in Hannover. Ein Schild mit "Keine Kleidung" weist auf die Spendenwünsche hin
Kleidung wird oft zu viel gespendet und wenig gebraucht. Bild: DPA | Julian Stratenschulte

Dem stimmt auch Eva Erkenberg von der Flüchtlingshilfe Bremerhaven zu. Sie sagt: "Gerade müssen Bremer etwas Geduld haben. Die gepackten Lkw fahren gerade Richtung polnischer Grenze, da kommen sie nicht sofort weiter", erklärt sie. Die Spenden dort müssten erst mal abgearbeitet werden, das ist ein riesiger logistischer Aufwand.

Dann gehe es damit weiter, die örtlichen Spendenstellen hier wieder aufzufüllen, das brauche aber noch ein paar Tage bis man klar sagen könne, was gebraucht wird. Kleidung werde zum Beispiel gar nicht mehr gesammelt. Ob dann Medikamente oder Verbandsmaterial gebraucht werden, könne man momentan noch nicht sagen.

Auf neue Spendenaufrufe warten

Wer kein Geld spenden wolle, dem rät Erkenberg erstmal abzuwarten – auf die Menschen, die das Land Bremen erreichen. Da könne man beispielsweise kleine Willkommenstüten mit einem kleinen Wörterbuch, Duschgel, Stifte und Hefte und vielleicht Schokolade packen. Das helfe den Menschen, die hier schon angekommen sind, so Erkenberg. Aber auch da rät Erkenberg, sich erst bei Verbänden zu informieren, was gebraucht werde und nicht sofort selbst aktiv zu werden.

Mehr zum Thema:

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. März 2022, 19:30 Uhr