Diese 3 Bremer Weltraum-Startups wollen hoch hinaus

Die Grafik zeigt die neue Rakete Ariane 6.
Neben Konzernen wie der ArianeGroup oder OHB streben in Bremen auch mehrere Raumfahrtstartups hoch hinaus. (Symbolbild) Bild: DPA | Airbus Defence and Space

An diesem Dienstag startet die Space Tech Expo in Bremen. Neben Schwergewichten wie Airbus und OHB sind auch junge Unternehmen dabei. Mit bestechend praktischen Ideen.

Europas Raumfahrtbranche trifft sich in Bremen. Auf der Space Tech Expo Europe werden die neuesten Entwicklungen vorgestellt. Mehr als 3.000 Teilnehmende und rund 400 Aussteller haben sich angekündigt. Darunter auch die großen Vertreter der Bremer Raumfahrt – Airbus, der Raketenbauer Ariane und der Satellitenbauer OHB. Im Windschatten dieser Konzerne sind jedoch auch Bremer Unternehmen unterwegs, die als Startups mit ihren Ideen erst noch durchstarten wollen.

1 Valispace: Satellitenbau leicht gemacht

"Zur Space Tech Expo kommt die Raumfahrt-Community aus der ganzen Welt", sagt Marco Witzmann, Geschäftsführer des Bremer Startups Valispace. Sein 2016 gegründetes Unternehmen ist bereits zum dritten Mal dabei. Denn die Wahrscheinlichkeit, hier neue Kunden zu finden, ist groß. Das weiß der 34-Jährige, der früher Satelliteningenieur bei OHB war, nur zu gut. Denn schon damals hätten sich alle darüber geärgert, dass beim Entwickeln dieser komplexen Produkte mit Tausenden Word- und Excel-Dateien gearbeitet wurde, die dann mit Copy und Paste und per Mail rumgeschickt wurden.

Galileo Satellit OHB vor der Erde
Beim Satellitenbau gibt es viel Raum für Innovationen. Die Startups Valispace und Levity wollen das nutzen. Bild: dpa / OHB System | Ohb System Ag / Handout

So entstand auch der Firmenname. Denn Vali ist ein nordischer Rachegott. "Und wir sind alles ehemalige Raumfahrtingenieure, die Rache nehmen am Excel-Engineering." Und das gelingt so: Die Software-Plattform von Valispace funktioniert über den Browser und liegt in der Cloud. Und statt mit Word- oder Excel-Dokumenten zu arbeiten, werden die Daten direkt ins System eingegeben und dort verarbeitet. So können Ingenieurinnen und Ingenieure gemeinsam und parallel mit den gleichen Daten arbeiten. Wenn beispielsweise die Batterie eines Satelliten vergrößert werde, könne dieser zwar länger Strom verbrauchen, es mache ihn aber auch schwerer, sagt Witzmann. "So etwas wird dann von Valispace automatisch berechnet und aktualisiert."

Mehr als 80 Kunden hat Valispace bereits. Dazu zählt Airbus ebenso wie Firmen, die nicht aus der Weltraumtechnik kommen – wie der Autohersteller BMW oder der Elektro-Lkw-Bauer Volta.

Wir haben auch Kunden aus dem Energiesektor.

Marco Witzmann, Geschäftsführer von Valispace

35 Mitarbeiter arbeiten inzwischen für das Startup – aufgeteilt auf die Standorte Bremen und Lissabon, wo Valispace-Mitgründerin Louise Lindblad lebt und arbeitet. "Auch das passt ja zu unserem Produkt", sagt Witzmann.

2 Levity: Satellitenbau günstig gemacht

Zu den potenziellen Kunden von Valispace könnten künftig auch die Gründer des Satelliten-Startups Levity zählen. Eigentlich sollten die Aachener Gründer längst in den Räumen der Bremer Raumfahrt-Gründerwerkstatt "ESA BIC Northern Germany" eingezogen sein. Coronabedingt hat sich der Umzug des im Juli 2021 gegründeten Unternehmens in die neuen Bremer Büros allerdings noch verzögert.

Das ist allerdings verkraftbar. Denn bislang existiert ihr Produkt, eine Plug-and-Play Satellitenplattform namens ESCI, nur auf dem Rechner. "Die Kosten für einen Satelliten liegen derzeit so zwischen 200.000 und vier Millionen Euro pro Kilogramm", sagt Levity-Geschäftsführer Andres Lüdeke.

Wir streben an, rund 50 Prozent günstiger zu sein.

Andres Lüdeke, Geschäftsführer von Levity

Wie dies gelingen soll, erklärt Lüdeke an einem Beispiel. Wer in einen Laden gehe und einen Fernseher kaufen wolle, suche sich das Gerät aus, das die Anforderungen erfülle und nehme es einfach mit. In der Raumfahrt sei das anders: "Da wäre es so, als würde ich in den Laden gehen, dem Verkäufer exakt sagen, was ich für einen Fernseher brauche und dann wieder gehen – der Fernseher würde danach präzise nach meinen Wünschen konzipiert und gebaut."

Für eine ESA-Mission zum Mars sei das okay. "Für einen kommerziellen Einsatz, bei dem nur ein neuer Satellitenantrieb getestet werden soll, wäre das aber zu teuer", sagt der Gründer. Levity baue Satelliten daher aus zugekauften Komponenten, ohne diese Teile selbst zu produzieren. Das spare Zeit und Geld.

Die Komponenten für den ersten Prototypen zu kaufen und zu bauen, ist der nächste Schritt der Gründer. Danach käme die Demonstration im All. Dafür fehlt allerdings noch die Finanzierung. "Das können wir zum Beispiel mit einem Partner zusammen machen, etwa einer Universität oder einem Unternehmen aus der Branche", sagt Lüdeke. Das Ziel steht für die Gründer jedenfalls fest: "Ende 2026 wollen wir mit unseren Satelliten zum Mond."

3 Navato Aerospace: Gekühlte Rückreise zur Erde

Groß denkt auch das Startup Navato Aerospace – wenn auch im ganz Kleinen. Das Team um den 53-jährigen Unternehmensberater Jörg Praetorius und die 23-jährige Miriam Janke will Reibungen vermeiden, mit Nanotechnik. Navato setzt dabei auf den berühmten Lotus-Effekt wie bei Pflanzen, bei dem die Oberflächenstruktur Ablagerungen wie zum Beispiel Staub verhindert.

Im Unterschied zu anderen nutzt das Startup keine Beschichtungen, sondern bearbeitet das ursprüngliche Material direkt mit Lasern und Plasmen. "Wir können komplett die anorganischen Materialien verarbeiten, also auch Metalle und Verbundstoffe", sagt Geschäftsführer Jörg Praetorius.

Die Einsatzbereiche sind dabei vielfältig. Ob Windschutzscheiben von Autos, Armaturen in Krankenhäusern oder die Außenhaut von Raketen. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verhindert ihre Technik allzu große Hitzeentwicklung, die durch die aufprallende Luft entsteht.

Mit den Nanostrukturen, die bei uns entstehen, schaffen wir eine Art Luftpolster um Teile der Rakete.

Jörg Praetorius, Geschäftsführer von Navato Aerospace

Statt die Oberfläche der Rakete zu erhitzen, ströme die Luft stattdessen an der Rakete vorbei.

Noch wendet Navato die Technologie erst auf kleinen Flächen an. Um Oberflächen von mehreren Quadratmetern zu bearbeiten, bedürfe es größerer Investitionen im siebenstelligen Bereich, sagt Praetorius. Wie weit die Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern sind, sagt er nicht. Nur eins verrät er schon jetzt: "Wir planen langfristig in Bremen."

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Video vom 30. Oktober 2021
Eine Grafik eines Astronauten, der in der ISS schwebt.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. November 2021, 19:30 Uhr