Politisch brisanter Fund: Skelett auf Bremer "Russenfriedhof" entdeckt

Bild: Radio Bremen
  • Überreste stammen offenbar von sowjetischem Zwangsarbeiter
  • Damit könnte das Areal als Kriegsgräberstätte gelten
  • Das könnte das Aus für die geplante Bahnwerkstatt bedeuten

Auf dem sogenannten "Russenfriedhof" in Bremen-Gröpelingen, im Ortsteil Oslebshausen, wurde nach Informationen von buten un binnen offenbar ein Skelett eines sowjetischen Zwangsarbeiters gefunden. Der Fund ist politisch brisant. Denn damit könnte das Areal als Kriegsgräberstätte gelten und völkerrechtlich geschützt sein. Dies war durch die bisherigen Funde nicht gegeben. Die russische und die ukrainische Botschaft sind informiert.

Die Pläne Bremens, auf der ehemaligen Friedhofsanlage für Zwangsarbeiter eine Bahnwerkstatt zu bauen, könnten sich damit zerschlagen. Den Zuschlag für den Bau und den Betrieb der Werkstatt hatte das französische Unternehmen Alstom bekommen. Rund 100 Arbeitsplätze sollten entstehen. Ob dies nun noch möglich ist, muss geklärt werden.

Grabungen laufen seit einem halben Jahr

Seit einem halben Jahr finden auf dem "Russenfriedhof" archäologische Grabungen statt. Bisher wurden über 60 Erkennungsmarken ehemaliger Zwangsarbeiter gefunden, auch Hunderte Knochensplitter und ein Schädel.

Für Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) ist der Fund ein Beleg für die Akribie der Archäologen. "Damit wird sichergestellt, dass alles, was auf dem Gelände an der Reitbrake gefunden werden kann, auch gefunden wird." Mit Vertretern aus Russland und Ukraine sei in bisherigen Gesprächen vereinbart worden, dass vollständig erhaltene Skelette würdevoll auf dem Ehrenfeld des Osterholzer Friedhofs beigesetzt werden. "Eine abschließende Beurteilung des Sachverhalts ist erst nach Abschluss der Grabungen möglich", sagte Bovenschulte.

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Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Uwe Wichert

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Januar 2022, 19:30 Uhr