Böhmermann: "Ich habe vor Rührung geweint"

Das Video einer computersimulierten Busfahrt durch Bremen-Nord ist mit 15.000 Klicks ein kleiner YouTube-Hit. Auch Jan Böhmermann hat sich als Fan geoutet.

Screenshot des Bussimulators Omsi 2 mit dem AddOn "Bremen Nord Linie 99".
Wer will, kann als Busfahrer in der Simulation Platz nehmen und mit den Linien 96, 97, 98 oder 99 durch Bremen-Nord fahren. Bild: MR Software

"Ich habe 28 Minuten und 19 Sekunden lang vor Rührung geweint. Irgendjemand hat Bremen-Nord nachgebaut, damit man im Bus drin rumfahren kann" – mit diesem Tweet ließ der gebürtige Bremer TV-Moderator Jan Böhmermann seine Follower am kurzweiligen Heimweh teilhaben. Im Internetportal YouTube war er über das Video eines Computerspiels gestolpert. Anhand von Satellitenaufnahmen, Fotos von Straßenzügen und eigene Fahrten durch Blumenthal, Vegesack, Lesum und andere Ortsteilen hat tatsächlich "irgendjemand" Bremen-Nord im Computer modelliert – als Zusatzprogramm für ein Computerspiel, in dem Fans in die Rolle eines Busfahrers schlüpfen können.

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Dieser Jemand ist Dennis Kurzawe, ein 21-jähriger Industriekaufmann. Die Erklärung, warum er Bremen Nord in Bits und Bytes wandelte, ist relativ einfach: Er wohnt in Bardenfleth – direkt gegenüber auf der anderen Weserseite von Blumenthal. "Ich kaufe in Bremen-Nord ein und alle Freunde sind dort. Deshalb habe ich mich damals entschlossen, die Buslinien aus dem Bremer Norden nachzubauen, weil die meinen Alltag begleitet haben."

Erste Versuche schon vor fünf Jahren

Damals heißt in diesem Fall vor fünf Jahren. Denn so lange arbeitet der heute 21-Jährige schon an der Simulation. "Das war damals aber ziemlich unprofessionell und der Download stand kostenfrei zur Verfügung", erinnert sich Kurzawe. Nach und nach hätten sich immer mehr Kumpels an der Programmierung beteiligt. "Mittlerweile sind wir mehr als 20 Leute und man erkennt ziemlich vieles wieder, wenn man sich die Bilder anschaut."

Es ist ein Hobby. Wenn ich das von morgens bis abends machen würde, dann würde mir die Abwechslung fehlen.

Dennis Kurzawe, Macher des Busvideos

Ohne die BSAG wäre das ganze Projekt, so wie es heute vorliegt, nicht denkbar gewesen, betont Kurzawe immer wieder. Viele Busfahrer und Werkstattmitarbeiter hatten Tipps gegeben. "Würde man die noch dazuzählen, wären wir mehr als 40 oder 50 Leute."

Mehr als 5.000 Arbeitsstunden

"Wir sind mit den Bussen und einer Kamera darin die Linien abgefahren, haben die Geräusche aufgenommen, Fahrzeuge und Häuser fotografiert. Wir haben versucht, alles eins-zu-eins umzusetzen." Mehr als 5.000 Arbeitsstunden hätten sie alle zusammen investiert, schätzt Kurzawe.

Inzwischen wird die Simulation über einen Computerspieleverlag vertrieben und für Kurzawe ist das Hobby zu einem Nebenberuf geworden. Und trotzdem kann sich der gelernte Industriekaufmann nicht vorstellen, komplett in die Programmiererei umzusteigen. "Es ist ein Hobby. Wenn ich das von morgens bis abends machen würde, dann würde mir die Abwechslung fehlen."

  • Alexander Drechsel

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 6. Dezember 2017, 23:20 Uhr