Bremerhaven: 30 Millionen für Sanierung von "Seute Deern"?

Sie ist ein Wahrzeichen von Bremerhaven, doch um die "Seute Deern" steht es schlecht: Das Schiff ist so marode, dass es wohl für viel Geld saniert werden muss.

Bild: Radio Bremen

Der ehrenamtliche Arbeitskreis zur Rettung des Bremerhavener Museumsschiffes "Seute Deern" hat ein Sanierungskonzept für den maroden Großsegler vorgelegt. Es sieht vor, das Schiff in einem Trockendock am Schiffahrtsmuseum zu restaurieren. Die Kosten dafür würden rund 30 Millionen Euro betragen. Das Schiff wird derzeit nur mit Hilfe dauernd laufender Pumpen über Wasser gehalten.

Zwischen den Schiffsplanken wachsen Pflanzen

Täglich werden 150 Tonnen Wasser aus dem Schiffsbauch gepumpt. Zwischen den Planken der "Seute Deern" wachsen Pflanzen. Die Schäden sind Gutachtern zufolge größer als bisher angenommen. Rund  60 Prozent der Substanz müssen ausgetauscht werden. Die Sanierung könnte ähnlich komplex werden wie die der historischen Kogge und bis zu acht Jahre dauern.

Eine Pflanze wächst an einer Schiffswand.
Die Bark "Seute Deern" ist stark sanierungsbedürftig. Zwischen den Planken wachsen bereits Pflanzen. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Der ehemalige Stadtverordnete Artur Beneken, Mitglied des Arbeitskreises, sagte bei der Pressekonferenz, dass man den wahren Aufwand von außen nicht sehen könne, denn die Schäden seien im Inneren entstanden. "Wenn ein Teil befallen ist mit Schädlingen, dann muss man das ganze Teil austauschen, sonst fangen die wieder an. So hat der Fachmann das gesagt", sagte Beneken.

Neues Trockendock soll entstehen

Das neue Dock soll nach Vorstellungen des Arbeitskreises eine umlaufende Galerie bekommen, so dass Besucher die Reparaturarbeiten verfolgen könnten. Die Kosten für seinen Bau würden sich auf gut neun Millionen Euro belaufen. Die Holzarbeiten an der "Seute Deern" kosten voraussichtlich etwa 20 Millionen Euro. Das Geld dafür müsste das Schiffahrtsmuseum beim Bund, dem Land Bremen, der Stadt Bremerhaven, Sponsoren und privaten Spendern einwerben. Denn der Arbeitskreis selbst hat keinerlei Entscheidungsbefugnisse, er kann lediglich Vorschläge unterbreiten.

Das Schiffahrtsmuseum teilte mit, man prüfe die Möglichkeiten, das Schiff zu erhalten. Museumsdirektorin Sunhild Kleingärtner erklärte in einer Pressemitteilung: "Das DSM begrüßt den Einsatz und die Initiative des Arbeitskreises zum Erhalt der 'Seute Deern'. Zu den Möglichkeiten der Sanierung des Dreimasters kann von unserer Seite derzeit keine abschließende Aussage getroffen werden. Wir sind dazu im Austausch mit unseren Zuwendungsgebern und dem Aufsichtsgremium." Mit der Zukunft der "Seute Deern" und der übrigen Museumsflotte befasst sich am 22. November der Stiftungsrat des Schiffahrtsmuseums.

Geschichte des Schiffs begann in den USA

Das Segelschiff Seute Deern
Quelle: Deutsches Schiffahrtsmuseum Bild: Radio Bremen

Erbaut wurde die "Seute Deern" vor fast 100 Jahren: 1919 lief das Schiff als "Elizabeth Bandi" in Gulfport, unweit der Mississippimündung in den USA, vom Stapel. Es wurde aus Holz gebaut, und auch der Ursprungszweck war die Beförderung von Holz. 1931 wurde das Schiff nach Finnland verkauft, ein paar Jahre später nach Hamburg. Dort baute man den Gaffelschoner mit vier Masten in eine Bark mit drei Masten um. Und einen neuen Namen gab es auch: "Seute Deern", das süße Mädchen. Schon die Galionsfigur deutet seitdem auf den Namen hin.

Es dauerte aber noch mehrere Jahrzehnte, bis die "Seute Deern" schließlich in Bremerhaven ansässig wurde. Das war im Jahr 1966. Danach baute man sie erneut um, dieses Mal zu einem Restaurantschiff. Sechs Jahre später kaufte die Stadt Bremerhaven die Bark und stiftete sie dem Deutschen Schiffahrtsmuseum.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Oktober 2017, 19:30 Uhr

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