Gestrandet in Bremerhaven: Diese Seemänner kommen nicht nach Hause

Bild: Radio Bremen

Wegen der Corona-Pandemie sitzen Seeleute aus Kiribati in Bremerhaven fest. Zwei Rückreisetermine wurden bereits gecancelt, jetzt steht der dritte an.

Eigentlich wollten Abemwa Abetenoko und seine vier Kollegen schon längst zurück bei ihren Familien sein. Doch die Seeleute aus Kiribati, einer Inselrepublik im zentralen Pazifik, sitzen stattdessen in Bremerhaven fest. Bereits im Oktober war die Rückreise in die Heimat geplant gewesen, doch wegen der harten Corona-Einreise-Auflagen ihres Landes mussten schon zwei geplante Termine in letzter Minute abgesagt werden. Seitdem sitzen sie im Seemannshotel im kalten Deutschland fest und hoffen auf eine baldige Rückreise.

14.400 Kilometer entfernt von zu Hause

Zu Hause – das ist einmal um den Globus, mitten im Pazifik. Das Land Kiribati in Ozeanien ist das, was man sich unter dem Begriff Paradies vorstellen kann. Viele Teile der Inselgruppe sind unbewohnt und verfügen über Lagunen und weiße Sandstrände. Die ideale Umgebung zum Fischen und Tauchen mitten in der Natur. Doch statt Sonne, Strand und Palmen heißt es in Bremerhaven Wolken, Kälte und graues Nieselwetter.

Ein Mann spielt Billard
Die Seeleute vertreiben sich die Zeit mit Billard. Bild: Radio Bremen

Die Zeit vertreiben sich die Männer mit unzähligen Billardpartien, gemeinsamem Musizieren oder vereinzelt Tagesausflügen wie einem Besuch im Klimahaus – organisiert von den Ehrenamtlichen der Seemannsmission Bremerhaven. Auch für sie ist der lange Aufenthalt der Seeleute ungewohnt, da die Gäste des Hotels sonst nur kurz zu Besuch sind und schnell weiterreisen.

Großes Heimweh trotz Video-Telefonie

Die Sehnsucht nach der Heimat und der Familie bei den Seemännern ist groß, vor allem nach den Enttäuschungen der letzten Zeit. Schon zwei Mal hatten sie bereits ihre Koffer gepackt und bekamen dann in letzter Minute doch wieder die Nachricht, in Bremerhaven bleiben zu müssen – sogar über Weihnachten.

Wir vermissen unsere Familien total. So lange waren wir einfach noch nie von zu Hause weg.

Abemwa Abetenoko, hat seine Familie seit über einem Jahr nicht gesehen
Videotelefonie mit einem Handy
Videoanrufe mindern die Sehnsucht ein wenig. Bild: Radio Bremen

Video-Telefonate mit der Familie helfen dabei nur wenig gegen das Heimweh und auch die kleinen Aufmerksamkeiten der Seemannsmission wie Getränke aus der Heimat können die Sehnsucht nur leicht lindern. Umso größer ist die Hoffnung auf eine Rückreise, deren nächster möglicher Termin am 10. Januar ist. Bis dahin bleibt den Seeleuten nur Daumen Drücken und die ein oder andere Billard-Partie gegen die Langeweile.

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Autor

  • Frederick Dumke Studentischer Redakteur

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Januar 2022, 19:30 Uhr