Fragen & Antworten

Warum tauchen immer wieder Wale in der Weser auf?

Darum schwimmen jetzt wieder Schweinswale in der Weser

Bild: DPA | Imagebroker/W. Rolfes

Immer wieder zieht es Schweinswale in die Flüsse von Bremen und der Unterweser. Das wirft bei vielen Bremern Fragen auf. Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Sichtungen von Schweinswalen kommen in Bremen immer mal wieder vor. Mal nahe der Überseestadt, mal in Höhe der City oder am Weserwehr. Aber auch in Bremerhaven oder in Orten entlang der Weser, wie in Elsfleth, tauchen die kleinen Wale auf. Doch warum eigentlich und was ist bei Sichtungen zu tun?

Warum schwimmen Schweinswale überhaupt in der Weser?

Was auf den ersten Blick ungewöhnlich scheint, ist ganz normal und ein natürlicher Ablauf, erklärt Denise Wenger, Biologin beim Schweinswale e.V.

Der Schweinswal sei unser einziger heimischer Wal und ein sehr neugieriges Tier, so die Biologin. "Vor allem junge Wale folgen größeren Fischwanderungen ihrer Beutefische oft bis ins Binnenland. Das ist im Frühjahr der Stint und im April und Mai die Finte", sagt Wenger.

Von daher verirren sich die Wale nicht in die Weser, sondern schwimmen gezielt in sie hinein.

Denise Wenger, Biologin beim Schweinswale e.V.

Trotz ihres natürlichen Vorkommens in der Weser sind Sichtungen eher selten. Viele der Wale bleiben nicht lange und werden durch das Weserwehr an einer weiteren Reise ins Land gehindert, erklärt Sönke Hofmann vom Naturschutzbund (NABU). Außerdem seien die Tiere farblich kaum vom Wasser zu unterscheiden und deshalb nur schwer auszumachen.

Schweinswal schaut aus dem Wasser
Schweinswale gelten als sehr neugierig. Bild: Schweinswale e.V. | S. Koschinski

Wann und wo können Schweinswale in der Weser gesichtet werden?

Vor allem in den Monaten März bis Mai kann man Schweinswale bei den Laichgründen von Stint und Finte sehen, wie es sie unter anderem am Elsflether Sand gibt. Natürlich auch auf dem Weg dorthin. Gute Sichtungsmöglichkeiten gibt es bei Brake oder Harriersand, wobei Schweinswale auch häufig in der Nacht unterwegs sind.

Was tue ich, wenn ich Schweinswale sichte?

Der Verein Schweinswale hat für Sichtungen eine eigene Seite eingerichtet. Für Menschen, die viel am und auf dem Wasser unterwegs sind, gibt es zudem sogar eine eigene Melde-App. Für die Ehrenamtlichen des Vereins sind die Sichtungs-Meldungen essenziell.

Nur so können sie das Verhalten der Wale im Verlauf der Jahre untersuchen und Rückschlüsse auf deren Populationen ziehen. Der Verein leitet die Sichtungen weiter an Naturschutzbehörden, Schweinswalexperten, Wissenschaftler und zusätzlich an das Kleinwalschutzabkommen ASCOBANS und stellt Daten bei Umweltgutachten zur Verfügung.

Wie viele Schweinswale in der Weser vorkommen, schwankt nach Angaben des Vereins deutlich. Mal werden übers Jahr verteilt nur wenig bis gar keine Sichtungen erfasst, dann wiederum sehr viele, wie in den Jahren 2013 und 2016. Ob und wie stark Schweinswale die Weser besuchen, hängt dabei vor allem davon ab, wie viele Beutefische in den Fluss wandern.

Ist das Schwimmen für die Wale in der Weser gefährlich?

Gefährlich wird es für die Wale in der Weser nur bei Kollisionen mit Schiffen. Bei großen Containerschiffen, die viel Wasser verdrängen, kann es passieren, dass der Schwall einen kleinen Schweinswal ans trockene Ufer schwappt. In den Flüssen ist es außerdem laut. Die Wale orientieren sich unter Wasser durch akustische Signale. Denise Wenger vermutet, dass der Lärm die Wale in manchen Situationen zum Auftauchen bewege, um sich mit den Augen zu orientieren. Damit steige die Gefahr, angefahren zu werden. So zeigten Totfunde Spuren von Kollisionen oder Schiffsschraubenverletzungen.

Wie stehen die Chancen für einen sicheren Weg aus der Weser?

Grundsätzlich sind Schweinswale sehr intelligent und weichen Fähren und Containerschiffen aus, wenn sie ihnen begegnen. Die Wale sind in der Regel gesunde, neugierige Tiere und laufen keine Gefahr an den Strand angeschwemmt zu werden.

Sie erkunden die Welt und 70 Kilometer Weser sind für sie keine große Strecke. Meist ist ihr Ausflug nach wenigen Tagen vorbei und sie ziehen selbstständig wieder ab.

Sönke Hofmann, Naturschutzbund

Könnten die Wale auch längerfristig in der Weser leben?

Dauerhaft in der Weser leben können Schweinswale nicht. "Allenfalls ist es ein temporäres Beutegebiet, das Meer ist ihr natürlicher Lebensraum", sagt Denise Wenger, zudem gebe es in der Weser viel zu wenig Fisch und die Wasserqualität sei auch zu schlecht, so Wenger weiter.

Ein Schweinswal schwimmt in der Weser.
Ein Schweinswal schwimmt in der Weser. Bild: Radio Bremen

Die Biologin sieht einen Grund dafür in der Belastung der Weser durch die Landwirtschaft. Bei Regen gelangen sowohl Gülle, und damit Bakterien und Viren, als auch Pestizide aus der Umgebung in die Weser. Die schlechte Qualität des Wassers begünstige Hautkrankheiten bei den Schweinswalen. Die gebe es zwar auch im Meer, aber in Flüssen blühten sie stark auf und auch neuartige Infektionen kämen dazu.

Ein geeigneter Lebensraum für die Schweinswale ist die Weser also nicht, dennoch ist sie als Fischlaichgrund von Bedeutung. Die Flüsse an der Nordseeküste sind wichtige Gebiete für etliche Fischarten, die Nahrungsquelle für viele Vogelarten, aber auch für die kleinen Wale.

Deswegen plädiere ich dazu, dass viel mehr Flächen unter Naturschutz gestellt werden, die Fischlaichgründe noch mehr und ganz besonders geschützt werden, die Wasserqualität geprüft und ständig verbessert wird und nicht noch mehr Ausbaumaßnahmen und Weservertiefungen stattfinden.

Denise Wenger, Biologin beim Schweinswale e.V.

Kommen auch andere Walarten in der Weser vor?

Laut dem Verein "Schweinswale" handelte es sich bei aktuellen Sichtungen immer ausschließlich um Schweinswale. Der Schweinswal ist die einzige in deutschen Gewässern heimische Art, die hier auch ihre Jungen zur Welt bringt. Ein solches Gebiet ist beispielsweise vor Sylt und Amrum. Früher allerdings kamen auch andere Walarten in der Weser vor. Große Tümmler und sogar ein Norwegischer Zwergwal sollen gesichtet worden sein. Von diesem hängt bis heute ein lebensgroßes Bild im Bremer Rathaus.

Die Rücken zweier Schweinswale im Wasser
Die Rücken zweier Schweinswale im Wasser. Bild: Schweinswale e.V. | Karsten Bartel

Wie geht es weiter mit den Schweinswalen?

Damit es auch weiterhin freudige Begegnungen geben kann, muss der Schweinswal in der Nord- und Ostsee jedoch besser geschützt werden. Bedrohungsfaktoren sind die Stellnetzfischerei, Überfischung der Beutearten, ungesicherte Altmunitionssprengungen und die Schwächung des Immunsystems der Tiere durch Verschmutzung der Küstengewässer, so die Experten.

Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. Januar 2022, 19:30 Uhr