Fragen & Antworten

Liegt die "Schulschiff Deutschland" in Bremerhaven unerlaubt?

Ein Schiff liegt am Kai vor einer Häuserreihe.
Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner

Um den neuen Liegeplatz der "Schulschiff Deutschland" in Bremerhaven ist ein Konflikt entbrannt. Nun kam heraus: Dem Schiff fehlt eine Baugenehmigung. Das steckt dahinter.

Es ist noch nicht lange her da wurde die Ankunft des Museumsschiffs "Schulschiff Deutschland" in Bremerhaven bejubelt. Das prestigeträchtige Schiff war im August von Bremen-Vegesack in den Neuen Hafen verlegt worden, weil sich der Verein hier mehr Besuchende erhofft. Jetzt gibt es allerdings einen Rechtsstreit mit Anwohnern über den Liegeplatz – und die Stadt hat einen Rückschlag erlitten.

Wie ist der aktuelle Stand in der Causa "Schulschiff Deutschland"?
Die zuständige Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen muss für den Liegeplatz des Schiffes jetzt doch eine Baugenehmigung beantragen. Was bei einem beweglichen Schiff kurios klingt, liegt daran, dass die "Schulschiff Deutschland" dauerhaft an Ort und Stelle liegen soll. Also müssen nachträglich Stellungnahmen eingeholt werden, auch von Anwohnern. Das ist bisher nicht geschehen. Deren Argumentation: Sie haben nichts gegen Schiffe im Hafen. Aber von einem dauerhaften Blick auf die Schiffswand sei hier nie die Rede gewesen. Sie wollen, dass die Stadt ihre Bedenken ernst nimmt. Deshalb wurden Anwälte eingeschaltet. Zumal für den Sommer an Bord auch Veranstaltungen geplant sind – auch deren Umfang soll im Verfahren geklärt werden.
Warum hält die Stadt trotz der Proteste an dem Liegeplatz fest?
Die Stadt findet den Ort ideal. Denn schon aus Richtung Autobahn sind die Masten des Schiffes hier deutlich zu sehen. Damit ist die "Schulschiff Deutschland" ein maritimes Aushängeschild für Bremerhaven, mit dem Zeug zum Wahrzeichen, nach dem Untergang der "Seute Deern". Außerdem ist das Verlegen – zum Beispiel auf die andere Hafenseite vor den Zoo – aus mehreren Gründen schwierig, sagt die Stadt. Hier sind schon mehrere Plätze vergeben, auch für größere Schiffe. Und dann soll der Zoo auch erweitert werden. Deshalb könnte es doch darauf hinauslaufen, dass die Stadt das Schiff in Richtung Norden verlegt. Im Gespräch ist eine Distanz von 30 Metern. Dann läge das Schiff in einem Bereich, wo sich eher Büros und Tagungsräume befinden.
Wie stellt sich die Situation vor Ort konkret dar?
Macht man sich vor Ort ein Bild, ergeben sich verschiedene Eindrücke. Höher gelegene Wohnungen haben weniger Probleme – von dort ist ein Blick aufs Wasser weiterhin möglich. Von weiter unten geht die Sicht nun allerdings gegen die Schiffswand. Außerdem können die Leute von Bord direkt auf den Frühstückstisch gucken. Ohne vorherige Abstimmung eine schwierige Situation. Der Vorstand des Betreibervereins der "Schulschiff Deutschland" betont, dass alle nötigen Abstände eingehalten werden. Er geht davon aus, dass die Baugenehmigung positiv ausfällt. Die Positionen bleiben also gegensätzlich.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 15. Dezember 2021, 14:15 Uhr