Darum steht an einer Bremerhavener Schule nun Trommeln im Stundenplan

Kinder sitzen in einem Klassenzimmer an Trommeln.
Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

Gegenseitigen Respekt lernen – durch gemeinsames Musizieren. Dafür engagieren sich nun die Bremer Philharmoniker und das Philharmonische Orchester Bremerhaven.

"Schule im Takt" heißt ein neues Projekt des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven und der Bremer Philharmoniker. In Bremerhaven-Lehe ist es nun gestartet. Die Schülerinnen und Schüler sollen dabei durch Musik als Gemeinschaft zusammenwachsen.

Die Klasse 5c der Neuen Oberschule Lehe darf Musikunterricht machen – statt Mathe. Dafür ist Musikpädagoge Matthias Entrup von der Musikwerkstatt der Bremer Philharmoniker angereist. Mitgebracht hat er verschiedene afrikanische Trommeln, sogenannte Djemben, und Balafone. Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern möchte er westafrikanische Musik machen.

Ein gemeinsamer Rhythmus ist schnell gefunden

Erste Versuche klingen noch sehr durcheinander. Doch schon nach kurzer Zeit finden die Schüler einen gemeinsamen Rhythmus. "Schule im Takt" ist im Rahmen der Initiative "Schule ohne Rassismus –Schule mit Courage" verortet. Für Musiker Entrup macht das Sinn – denn Musik verbindet, sagt er. Das Projekt sei im besten Sinne gruppenbildend und stärke auch Sozialkompetenzen.

Ich muss gucken: Was machen die Leute um mich herum. Ich kann nicht in einer Gruppe nur für mich sein, sondern muss schauen, wie verhält sich die Gruppe dazu und wie schaffen wir es gemeinsam, etwas hinzukriegen.

Matthias Entrup, Musikwerkstatt Bremer Philharmoniker

Auf andere Art kommunizieren

Am Ende der Schulstunde hat Entrup es geschafft, dass die ganze Klasse gemeinsam im Takt spielt. Das Stadttheater Bremerhaven arbeitet in diesem Projekt zusammen mit der Bremer Philharmonikern. Geplant ist in weiteren Terminen zum Beispiel auch ein Blick Hinter die Kulissen des Theaters. Der Projektleiter von den Bremer Philharmonikern, Marko Gartelmann, sieht in dem Projekt großes Potential, gerade jetzt nach langer Pandemiezeit.

Ich glaub, es ist ganz wichtig, dass man über die normalen Verbindungen, die die Kinder über die Telefone oder auch soziale Medien haben, zeigt, dass man auch auf eine andere Art und Weise kommunizieren kann – nämlich mit Musik.

Marko Gartelmann, Projektleiter "Schule im Takt"

Musizieren wirkt positiv aufs Klassenklima

Erfahrungen im gemeinsamen Musizieren sei ein wichtiger Punkt bei den Philharmonikern und werde in ihren Kinderprojekten immer wieder gefördert und gefordert. "Das wirkt sich positiv aus auf den Zusammenhalt und auf das Klima in der Klasse, haben wir festgestellt", so Gartelmann. Zugeschaut hat bei der ersten Einheit auch Projektpatin Beate Dünnwald. Die Leiterin der Verwaltung der Bremer Philharmoniker ist überrascht, wie gut die unterschiedlichen Charaktere und Nationalitäten zusammenarbeiten. Das sei nicht immer selbstverständlich.

Rassismus und Diskriminierung ist leider weit verbreitet. Da muss man in ganz frühen Jahren schon beginnen, entgegen zu wirken. Um dann auch Selbstbewusstsein zu fördern, Umgehen, Wertschätzung, Respekt – egal von wo ich komme, wer ich bin oder was ich mache.

Beate Dünnwald, Projektpatin "Schule im Takt"

Wenn man sich die zahlreichen Nationalitäten an der Leher Oberschule anschaue, sei dies doppelt wichtig. "Ich finde das wunderbar, dass alle so problemlos und rücksichtsvoll miteinander umgehen können", so Dünnwald. Und nach der Schulstunde der etwas anderen Art zeigen sich dann auch die Schülerinnen und Schüler begeistert von dem Ergebnis.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 16. Juni 2022, 13:40 Uhr