Warum Bremen gegen Schottergärten vorgeht

Mit einem Gesetz gegen Schottergärten sorgt Bremen für Kritik. Doch das Umweltressort nennt drei Gründe, die für ein Verbot sprechen.

Schotter und ein paar Pflanzen in einem Garten
Viel Kies, wenig Grün: In vielen Schottergärten stehen exotische Pflanzen. Bild: Imago | Manfred Ruckszio

Förderprogramme zur Bepflanzung von Dächern, Fassaden und Hinterhöfen gibt es in vielen Städten. Bremen geht aber noch einen Schritt weiter: In der zweiten Maiwoche soll in der Bremischen Bürgerschaft das "Ortsgesetz über die Begrünung von Freiflächen und Flachdachflächen" verabschiedet werden, nach dem Außenflächen auf Baugrundstücken innerhalb der Stadt Bremen "zu begrünen oder zu bepflanzen sind", sollte dies nicht einer anderen zulässigen Verwendung entgegenstehen. Kurz gesagt: Terrassen oder gepflasterte Fahrrad-Stellplätze bleiben erlaubt, große Steinbeete und Kieswüsten hingegen nicht. Bremen sagt Schottergärten den Kampf an – und erntet dafür vor allem im Netz Kritik.

Manche Steingärten sind wirklich nicht schön – aber es kann nicht sein, dass der Staat in die Gestaltung von Privateigentum eingreift!

David Jacob Huber - 8. April 2019, 12:28 Uhr.

Danke für den Hinweis! Dann werden wir jetzt noch schnell unseren Vorgarten schottern, bevor ich es nicht mehr darf. Im Sommer soll ich nicht zu viel wässern und mir verbrennt alles in der prallen Sonne und schottern ist auch nicht gewünscht...haben es in Erwägung gezogen zu schottern. Jetzt machen wir es definitiv, bevor es mir verboten wird.

Birgit Wolter - 8. April 2019, 12:33 Uhr.

Doch hinter dem rot-grünen Gesetzentwurf stehen ernsthafte Überlegungen, denn die Schottergärten und Kieswüsten nehmen auch in Bremen zu. "Exakte Flächenzahlen gibt es zwar nicht", sagt Jens Tittmann, Pressesprecher des Umweltsenators. "Es ist aber ein schleichend wachsendes Problem, was unsere Stadtplaner, die Kollegen vom Amt für Straßen und Verkehr und vom Umweltbetrieb zunehmend berichten und dokumentieren." Und Tittmann nennt Gründe, warum dem Senat dieser Trend Sorgen bereitet.

1 Die Tiere

Ganz oben steht das Artensterben, das auch der Naturschutzbund NABU beklagt. In vielen Steingärten würden oft nur Pflanzen vorkommen, die heimischen Tieren kaum Nahrung böten. Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) stellt dagegen die Vorteile eines grünen Gartens heraus: "Die Insektenwelt kann sich hier entfalten, auch Bodenorganismen bis hin zu Singvögeln."

Eine Liste mit empfohlenen Pflanzenarten sei in Arbeit, sagt Tittmann. Sie solle Gartenbesitzern an die Hand gegeben werden, verpflichtend sei sie aber nicht. Bestehende Gärten sollen vom Gesetz nicht betroffen sein.

Insektensterben hört sich immer so abstrakt an. Aber in China müssen bereits Apfelbäume von Hand bestäubt werden.

Jens Tittmann, Pressesprecher im Umweltressort

Dabei sieht es in Bremen noch ganz gut aus. Auf einer Fachtagung des Forschungsclusters "Region im Wandel" der Hochschule Bremen sagte Professor Dietmar Zacharias, dass vor allem die Bremer Neustadt eine sehr gute Nahrungsgrundlage für Honig- und Wildbienen bietet. Speziell Kleingärten, naturnahe Bereiche – vor allem entlang der Gewässer und auch Brachflächen – hätten dabei einen hohen Anteil an der Qualität für die Artenvielfalt, sagte der Biologe.

2 Das Wasser

Starkregen vor dem Hauptbahnhof in Bremen
Starkregen soll auch in Bremen zunehmen. Bild: Radio Bremen

Wichtiges Argument in der Gesetzesvorlage des Senats sind die Folgen des Klimawandels. Eine davon ist zunehmender Starkregen. Wasser kann durch Kies und Schotter zwar versickern, aber nur, wenn keine Folie unter den Steinen liegt. "Viele machen das, damit bloß keine Pflanzen durchwachsen", sagt Tittmann. "Manche verwenden nicht einmal perforierte Folie, sondern Teichfolie." Die Folge: Das Wasser hat immer weniger Möglichkeiten abzulaufen.

Dem Umweltbundesamt zufolge hat die Versiegelung von Flächen deutschlandweit zugenommen. Demnach sind etwas mehr als 45 Prozent aller Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt. Auf der anderen Seite werden dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge in Zukunft die Extremwetterlagen zunehmen – und zu denen gehört eben auch Starkregen. Durch Begrünung von Freiflächen und Dächern würde "das Risiko von Überschwemmungen durch ausgelastete Kanalisationen und Gewässer reduziert", heißt es in dem Bremer Gesetzentwurf.

3 Die Hitze

Wer im Sommer schon einmal auf einer Rasenfläche und auf Pflastersteinen gelegen habe, kenne den Effekt, sagt Tittmann. "Es gibt einen deutlichen Temperaturunterschied." Gerade im vergangenen Sommer sei deutlich geworden, wie sehr sich eine Stadt wie Bremen aufheizen könne. "Es wurde nachts kaum noch kühler", sagt Tittmann. Und je mehr Steine in der Stadt seien, umso heißer werde es.

"Durch die erhöhte Verdunstung und die vergleichsweise geringe Aufheizung von begrünten Dach- und Freiflächen", heißt es im Gesetzesentwurf, "wird einer sommerlichen Hitzeentwicklung entgegengewirkt und eine gewünschte nächtliche Abkühlung begünstigt." Zudem filterten Pflanzen Staub und Schadstoffe aus der Luft.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 7. April 2019, 13 Uhr