So hilft die Schmerzmedizin in Bremen seit 40 Jahren ihren Patienten

Video vom 17. Oktober 2021
Hände mit weißen Einweghandschuhen setzen spritze an den Körper eines Patienten
Bild: Radio Bremen
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Das Schmerzzentrum im Bremer Rotes-Kreuz-Krankenhaus wurde vor 40 Jahren eröffnet. Es war 1981erst die zweite Einrichtung dieser Art in der gesamten Bundesrepublik.

Joachim Ulma ist der dritte Leiter in der Geschichte der Bremer Schmerzmedizin. Die Therapiemethoden haben sich stark gewandelt. Ging es früher darum, erste Methoden zu entwickeln und mit Opiaten zu behandeln, dreht sich heute neben der Schmerzlinderung alles um die Frage: Woher kommen Schmerzen?

Chefarzt Ulma gibt eine Spritze gegen Migräne. Sie würde schnell helfen und könnte auch langfristig wirken, insbesondere als sogenannte Infiltration, sagt der Betäubungsarzt und Schmerztherapeut. "Da wird Lokalanästhetikum gespritzt, was Sie vielleicht auch kennen vom Zahnarzt. Wir nehmen hier immer gern ein Medikament, was länger wirkt, was die Gefäße verengt und die Nerven auch länger betäubt." Das sei nicht gefährlich und mache auch nicht abhängig.

Die Ursache der Migräne ist die Freisetzung eines Entzündungsstoffes im Gehirn. Den haben wir jetzt mit einem Antikörper blockiert, sodass er an seiner Wirkung verliert

Joachim Ulma, Leiter der Bremer Schmerzmedizin

Therapie zeigt Wirkung

Patientin Britta Schröder im Porträt
Britta Schröder hilft die Therapie im Schmerzzentrum im Rotes-Kreuz-Krankenhaus Bremen Bild: Radio Bremen

Zwei bis drei mal in der Woche bekommt Britta Schröder quälende Migräneanfälle. Seit Jahren ist sie auf der Suche nach einem Medikament, das ihr hilft. Sie habe schon viele verschiedene Medikamente ausprobiert, auch alternative Heilmethoden getestet. "Aber mir konnte nichts so wirklich helfen." Seit einiger Zeit setzt die 55-Jährige ihre Hoffnung auf den Chefarzt der Bremer Schmerzambulanz im Rotes-Kreuz-Krankenhaus. Ihr Leidensdruck war groß.

Britta Schröder erzählt, dass die Schmerzen auch das Familienleben stark belasten würden. Der komplette Alltag sei dadurch geprägt und stark eingeschränkt gewesen, sagt Schröder: "Es sind extrem starke, einseitige Kopfschmerzen und jedes Geräusch, jeder Lichteinfall, der so auf mich trifft, ist teilweise unerträglich." Bei ihr habe die Therapie schon Wirkung gezeigt, sagt Britta Schröder. "Die Anfälle sind deutlich weniger geworden und auch die damit vorhandenen Begleiterscheinungen konnten deutlich reduziert werden. Ich muss sagen, ich war ganz begeistert."

Jährlich 1.200 Patientinnen und Patienten

Arzt Joachim Ulm steht mit Maske vor der Kamera
Joachim Ulma ist der dritte Leiter in der Geschichte der Bremer Schmerzmedizin. Bild: Importer

Auch Eduard Otto leidet seit 20 Jahren an Kopfschmerzen, inzwischen sind seine Schmerzen chronisch. Otto hat schon vieles ausprobiert, wie er sagt: "Zehn Jahre lang, zwölf Ärzte, 60 Akkupunkturen, zig Kurse, Progressive Muskelentspannung, Medikamente, CT vom Kopf. Zum Schluss gab es dann noch Schuheinlagen." All das habe nicht geholfen – im Vergleich dazu macht er nun mit der Biofeedback-Technik im Schmerzzentrum große Fortschritte.

Die Sensoren am Kopf erfassen den Grad seiner Anspannung Und wenn er es schafft, sich zu entspannen, bekommt er eine Rückmeldung über den Monitor und ein akustisches Signal. So soll Eduard Otto lernen, unbewusste Abläufe zu kontrollieren und zu beeinflussen. Otto ist von den Fortschritten, die er gemacht hat, begeistert: "Das ist das Nonplusultra für mich und selbst Medikamente nehme ich fast gar nicht mehr."

Schröder und Otto sind zwei von jährlich 1.200 Patientinnen und Patienten des Bremer Schmerzzentrums. Die meisten kommen wegen Rücken- oder Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen oder Schmerzerkrankungen nach Operationen.

Bremer Chefarzt: "Spritze gegen Migräne bringt Migränetherapie voran"

Video vom 17. Oktober 2021
Der Chefarzt der Bremer Schmerzambulanz im Rotes-Kreuz-Krankenhaus, Joachim Ulma, im Studio bei buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
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Autorinnen und Autoren

  • Marianne Strauch Redakteurin und Autorin
  • Mario Neumann Autor
  • Niklas Hons Volontär

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Oktober 2021, 19:30 Uhr