Hamburgs Schlick wird zur Gefahr vor Cuxhavens Küste

Wattwagen fahren bei einer Protestfahrt nach Neuwerk

Hamburgs Schlick wird zur Gefahr vor Cuxhavens Küste

Bild: Radio Bremen | Patrick Florenkowsky

Das Watt vor Cuxhaven hat sich stark verändert, es wird mehr und mehr zur Gefahr für Wattwanderer und Wattwagen. Ein offenes Geheimnis: Hamburg trägt eine Mitschuld.

Zu viel Schlick vor der Küste – das beschäftigt Urlauber und Cuxhavener schon seit Jahren. Nur geht es dabei nicht immer um sauberen Schlick, dem sogar Heilwirkung nachgesagt wird. Im Gegenteil: Es geht um belasteten Hafenschlick aus Hamburg im Zusammenhang mit der Elbvertiefung. Touristen versinken in Schlicklöchern, für Wattwagen wird die Überfahrt zur Insel Neuwerk gefährlich.

Die Neuwerker sehen die Erreichbarkeit ihrer Insel bedroht, sagt Inselobmann Christian Griebel. "Der Wattweg ist die Hauptversorgungsroute der Insel", erklärt er. Fast alle Güter und die meisten der rund 120.000 jährlichen Touristen kämen über diese Route. Zudem sei der Zugang der einzige Rettungsweg neben Hubschraubern und Schiffen. Allein in der letzten Sommersaison sei der Weg jedoch an 30 Tagen nicht befahrbar gewesen.

Untersuchungen lassen auf sich warten

In einer Auswirkungsprognose über die Elbvertiefung der Bundesanstalt für Gewässerkunde von 2017 heißt es: "Abhängig von der zukünftig zu erwartenden Schadstoffbelastung des Baggerguts sind weitere Verschlechterungen der Sedimentqualität nicht auszuschließen." Nun soll es weitere Untersuchungen geben. Die lassen jedoch auf sich warten.

Ebenfalls 2017 machte der damalige Oberbürgermeister Cuxhavens, Ulrich Getsch, auf die Probleme für die Fischer aufmerksam: "Unsere Krabbenfischer leiden jetzt schon unter den Verklappungen aus der Unterhaltungsbaggerei heraus, weil eben bestimmte Befahrensgebiete, wo sie ihre Krabben holen, einfach nicht mehr befahrbar sind. Das ist aber etwas, was das Wasser- und Schifffahrtsamt einfach genehmigt, als Bundesbehörde."

Bürger kämpfen gegen Behörden

Für Tanja Schlampp, die jahrelang in einer Bürgerinitiative gegen den Schlick gekämpft und sich jetzt aus dem Vorstand zurückgezogen hat, ist es unbegreiflich, warum die Behörden das Abladen des belasteten Materials zulassen können. Sie ist frustriert, dass die Kritik der Bürger ihrer Meinung nach nicht erst genommen wird.

Das ist eine Katastrophe. Das ist wie so ein Leichentuch, das sich über das Sandwatt legt.

Tanja Schlampp, ehemaliges Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative "Rettet das Cux-Watt!"

Die Initiative "Rettet das Cux-Watt!" hält die Schlick-Ablagerungen vor der Küste für illegal. Die Behörden weisen das zurück. Die Verklappung vor dem sogenannten Neuen Lüchtergrund vor Cuxhaven sei zulässig. Hier dürfe der Bund pro Jahr bis zu acht Millionen Kubikmeter Baggergut abkippen. Die Haupt-Ablagerfläche vor Helgoland an der Tonne E3 ist fast komplett gefüllt. Dafür hat Hamburg an Schleswig-Holstein schon mehr als 34 Millionen Euro gezahlt.

Auch Naturschutzverbände wollen Ausbaggerungen stoppen

Für die Naturschutzverbände ist das Verklappen des Schlicks ein unhaltbarer Zustand. In einer Erklärung von BUND, Nabu und WWF heißt es: "Es geht leider nicht um den Naturraum der Tideelbe, sondern ausschließlich darum, die Zugänglichkeit des Hamburger Hafens zu sichern und eine Lösung für den Schlick zu finden."  

Nun haben die Hamburger für das Schlick-Problem zuletzt ein Gebiet nahe der Vogelschutzinsel Scharhörn ins Visier genommen, es gehört zu Hamburg. Dagegen protestiert auch Niedersachsen. Die Verklappung werde schädliche Auswirkungen auf den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer haben, so das Niedersächsische Umweltministerium. Hamburg verhandelt zurzeit noch mit den Behörden und Ländern über die Möglichkeiten.

Im Hamburger Hafen sammelt sich immer mehr Schlick

Auch eine Kooperation der Häfen von Hamburg und Bremen und dem Niedersächsischen Tiefwasserhafen rückt immer mehr in den Fokus, wie die Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik HHLA, Angela Titzrath, bestätigt:

Aus Hamburger Sicht haben wir über 18 Jahre gebraucht, um die Elbvertiefung und die -verbreitung zu realisieren. Das lehrt natürlich auch den einen oder anderen Kunden, dass es Alternativen gibt zu deutschen Seehäfen. Umso mehr glaube ich, dass wir mit dieser Perspektive uns darauf verständigen müssen: Wie kann man eine Kooperation realisieren, um uns zu stärken?

Angela Titzrath spricht ins Mikrofon
Angela Titzrath, Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik HHLA

Der Druck für eine Lösung wächst, denn im Hafen sammelt sich durch Gezeiten und Strömungen immer mehr Schlick an. Das Schlick-Problem dürfte also an der Küste weiter für Diskussionsstoff sorgen.

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Bild: Radio Bremen

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Autorinnen und Autoren

  • Dirk Bliedtner
  • Sonja Harbers Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 3. Januar 2022, 17:10 Uhr