Neuer Bremer Seenotretter: Warum Hamburg über den Namen bestimmt

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger sitzt in Bremen. Heute wurde das neueste Schiff der DGzRS-Flotte getauft – nach einer hanseatischen Charme-Offensive.

Video vom 28. Juli 2020
Ein Schiff der Seenotretter auf dem Meer.
Bild: Radio Bremen

Letztes Jahr sind die Seenotrettungskreuzer und -boote der DGzRS auf Nord- und Ostsee 2.140 Mal im Einsatz gewesen und haben dabei fast 3.400 Menschen Hilfe geleistet. Allein die Station auf Borkum hat jährlich etwa 60 bis 70 Einsätze. Dort ist seit April der neueste Kreuzer des Vereins stationiert. Warum er heute vor der Bremer Zentrale des Vereins an der Weser auf den Namen "Hamburg" getauft worden ist?

Man sei auf Spenden angewiesen, sagt Antke Reemts von der DGzRS ganz offen. Und hat eine maßgeschneiderte Werbekampagne an der Elbe initiiert: Um mit der Namensgebung an die Spendenfreudigkeit patriotischer und wasserliebender Hamburger zu appellieren, wurde dieses Mal mit dem Klingelbeutel ganz gezielt und besonders laut in Hamburg geklappert. Über den Namen des Tochterboots wurde im Internet abgestimmt.

Über ein Onlinevoting konnten die Hamburger sogar über den Namen des Tochterboots abstimmen.

Die Sprecherin der DGzRS, Antke Reemts
Antke Reemts, DGzRS Bremen

Borkums Rettungs-Duo: Die Hamburg und Tochterboot St. Pauli

"Zur Wahl standen die Namen aller 104 Hamburger Stadtteile", so Antke Reemts weiter, von denen nun St. Pauli das Rennen gemacht hat. Eigentlich war für die Taufe von SK 40 und TB 44, wie Kreuzer und Tochterboot bislang offiziell ganz nüchtern hießen, ganz großes Besteck vorgesehen: Sie sollte konsequenterweise nicht in Bremen auf der Weser sondern in Hamburg auf der Elbe stattfinden – vor der imposanten Kulisse der Elbphilharmonie. Doch die für den 19. April geplante Namensgebung konnte wegen der Coronapandemie nicht stattfinden, wurde verschoben und nach Bremen verlegt.

Der Kreuzer wird's verwinden, wäre doch ohnehin auch schon die Taufe in Hamburg eine deutlich verspätete gewesen. Traditionell findet die nämlich zum Stapellauf eines Schiffes statt, wenn das schwimmfähige Schiff an das nasse Element übergeben wird. Und das erste Mal hatte der Kreuzer schon am 19. Februar Wasser unter dem Kiel. Weserwasser, denn gebaut wurde er von der Fassmer-Werft in Berne.

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Der 28-Meter-Seenotretter Hamburg ist seit April als Ersatz seines betagten Vorgängerschiffs vor Borkum im Dienst: Schon kurz nach der Stationierung im April musste sich der Kreuzer und seine Crew beweisen, als ein Schiff eine Offshore-Windkraftanlage 45 Kilometer vor der Insel rammte und havarierte.

Schiffstaufen mit Sekt und Whiskey

Für die Taufe der Hamburg kam laut Reemts kein Champagner sondern Sekt zum Einsatz. Den Brauch, eine Flasche zur Schiffstaufe am Bug eines Schiffes zu zerschlagen, gibt es nach Angaben des Deutschen Schifffahrtsmuseums Bremerhaven hierzulande seit spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Sitte, die man sich in Großbritannien abgeschaut hat, wobei die Schotten für ihre Taufen auch gerne Whiskey nutzen.

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Mit preußischer Liebe zur Präzision und Gründlichkeit hat man seinerzeit die Tradition noch verfeinert: Weil es bei Schiffstaufe immer wieder das technische Problem gab, dass beim Taufakt das Zerschlagen der Flasche nicht funktioniert hat, bat das Reichsmarineamt um die Jahrhundertwende darum, stets eine Ersatzflasche parat zu haben. Und es war durchaus üblich, eine Stunde vor dem Festakt eine mit Wasser gefüllte Probeflasche am Bug des Schiffes zu zerschellen, um eine Panne auszuschließen.

Autorin

  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. Juli 2020, 19:30 Uhr