Infografik

11 Jahre Rot-Grün: 5 Fakten zur Wirtschaft

Obwohl große Unternehmen Bremen verlassen, wächst die Wirtschaft. Zuletzt sogar stärker als im Bund. Sind das die Früchte der rot-grünen Regierungskoalition in Bremen?

Hafenarbeiter blickt auf eine Containerbrücke
Bremens Wirtschaft ist zuletzt stärker gewachsen als der Bundesdurchschnitt. Bild: Imago | Garcia

 

 

1 Wirtschaftswachstum 

Die Wirtschaft in Bremen brummt. Die Statistik zeigt das am Wirtschaftswachstum, denn das war in Bremen zuletzt sogar überdurchschnittlich*. 2017 lag es mit 3,3 Prozent deutlich höher als der Bundesschnitt von 2,2 Prozent. Unternehmen und Betriebe in Bremen produzieren schon das dritte Jahr in Folge deutlich mehr Waren und Dienstleistungen als im Jahr davor. Bremens Wirtschaft wächst nicht nur. Sie wächst stark!

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2 Arbeitsmarkt 

Je besser es der Wirtschaft geht, desto weniger Menschen sind arbeitslos – das ist zwar etwas verkürzt, aber so ist der Zusammenhang. Tatsächlich gibt es immer mehr Arbeit, und niemals waren mehr Menschen im Bundesland Bremen in Lohn und Brot (2017: 325.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte). Und tatsächlich fällt auch die Arbeitslosenquote. Sie lag mit 9,3 Prozent im Gesamtjahr 2017 auf dem niedrigsten Niveau seit Jahren.

Die schlechte Nachricht: Bundesweit liegt die Arbeitslosenquote viel niedriger, bei gerade mal 5,7 Prozent im vergangenen Jahr. In Teilen Deutschlands herrscht Vollbeschäftigung. In Bremen kann man davon nicht mal träumen. Bremen ist – immer noch – eine der Kommunen mit der höchsten Arbeitslosenquote. Dazu kommt noch die dramatischste Langzeitarbeitslosigkeit im Land: 40 Prozent aller Arbeitslosen sind – Stand Januar– ein Jahr oder länger ohne Arbeit.

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3 Ansiedlung und Abwanderung

Unternehmen kommen und gehen – in Bremen bleiben aber vor allem die jüngsten Abwanderungen im Gedächtnis. Coca Cola, Kellogg, der Wursthersteller Könecke, und zuletzt das Bremer Schokoladenhaus Hachez, das nach 130 Jahren seine Produktion nach Polen verlagert. Der Schaden: nicht nur verlorene Arbeitsplätze. In Bremen brechen Säulen einer traditionsreichen Branche weg, die der Lebensmittelindustrie.

Wer dagegen kommt? Borgward bis heute nicht. Amazon auch nicht. Amazon baut sein nächstes Logistikzentrum in Achim, nicht in Bremen. Noch schmerzhafter war die Entscheidung von Siemens, ein Turbinen-Werk mit 1.000 neuen Arbeitsplätzen in Cuxhaven zu bauen. Ein Tiefschlag für Bremerhaven, das mal als Hochburg der Offshore-Windkraft galt. 3.000 Menschen arbeiteten dort in der Branche. Heute sind es gerade einmal die Hälfte

4 Gewerbeflächen 

Auf neue Wege begibt sich die Landesregierung bei den Gewerbeflächen. Das kleine Bremen wächst. Der Bauboom bei den Wohnimmobilien lässt aber immer weniger Platz für die Unternehmen. Deswegen hat sich die Landesregierung etwas einfallen: Sie schielt ins Umland. Bremen will zusammen mit der Stadt Achim ein riesiges Gewerbegebiet am Bremer Kreuz entwickeln – auf niedersächsischem Grund und Boden. Mit wie viel Geld man beim Projekt "Achim-West" als Gesellschafter einsteigt, ist noch offen. Die Planer hoffen auf bis zu 5.000 neue Arbeitsplätze, auch für Bremer: Etwa Tausend der Beschäftigten könnten in Bremen wohnen.

5 Innenstadtentwicklung 

Wegweisendes kann die Regierung auch bei der Entwicklung der Innenstadt vermelden. Der Senat hat im vergangenen Jahr den Verkauf des Parkhauses Mitte beschlossen, einer Schlüsselimmobilie für Pläne, die Innenstadt in einem größeren Anlauf umzugestalten. Ein echter Durchbruch. Denn der geplante Abriss des Parkhauses öffnet ein ganzes Areal rund um Karstadt und Kaufhof für den Bauunternehmer Kurt Zech. Jahrelang wurde viel gestritten – aber nichts ging in der Innenstadt. Jetzt kommen die Kräne.

Damit werden die großen Bauprojekte in der City bis zur Bürgerschaftswahl zum sichtbarsten Ausdruck wirtschaftlicher Dynamik: Es bewegt sich was in Bremen, das ist die rot-grüne Botschaft. Stillstand in der Innenstadt? Das war gestern. Und solange die Geschäfte in den "bremischen" Vorzeigeindustrien rund um die Häfen, im Autobau und in der Luft- und Raumfahrt gut laufen, solange brummt die Wirtschaft weiter. Allerdings nicht wegen, und nicht trotz rot-grüner Politik. Sondern weil diese Branchen von der allgemein guten Wirtschaftslage profitieren.

Rot-Grüne Wirtschaftsbilanz

Unfallfrei durch einen historischen Boom zu navigieren, ist unter dem Strich etwas wenig für die rot-grüne Wirtschaftsbilanz. Was macht Bremen bei der nächsten Wirtschaftskrise, wenn die Arbeit in den Häfen weniger wird? Was, wenn der erfolgreiche Raumfahrtkonzern OHB seinen Hauptsitz von Bremen nach München verlegt? Wenn Airbus sich in Bremen verkleinert und Zulieferer schließen müssen? All das ist denkbar. Dafür muss die Wirtschaftspolitik in guten Zeiten vorsorgen. Heute.

Abwandernde Unternehmen kann die Landesregierung nicht aufhalten. Die Einflussmöglichkeiten sind begrenzt. Aber Politik muss mit schlauen Investitionen den Rahmen setzen für zukünftiges Wachstum, aktiv steuern, um die Wirtschaft im Land Bremen breiter aufzustellen. Im prominentesten Fall – der Offshore-Windenergie – ist das nicht nachhaltig geglückt, was vor allem mit strukturellen Problemen dieser Branche zu tun hat. Allerdings werfen genau diese Strukturprobleme auch ein schlechtes Licht auf Bremens größtes Investitionsprojekt: den Offshore Terminal Bremerhaven. Der gilt bei vielen Kritikern schon lange als Totgeburt.

Die politische Bilanz der vergangenen Jahre zeigt Licht und Schatten. Auch, weil jeder Erfolg gegenüber dem immer gleichen ungelösten Problem verblasst: Zwar ist die Arbeitslosigkeit leicht gesunken, bleibt aber hartnäckig auf hohem Niveau. Hier scheitern fast alle Programme und Bemühungen der Politik – auch solche der Landesregierung. Angesichts dieses Problems sind auch die Kräne in der Innenstadt nur ein schwaches Argument dafür, von einer echten "Erfolgsbilanz" zu sprechen.

 

 

 * Zuvor hatten wir geschrieben: "Die Statistik zeigt das am Wirtschaftswachstum, und das ist in Bremen seit einigen Jahren überdurchschnittlich." Das ist nicht korrekt und wurde entsprechend geändert. (31. Mai, 11:38 Uhr)

Autor

  • Christian Schwalb

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Mai 2018, 19:30 Uhr

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