Bremer Russlandexpertin: Kapitulation der Ukraine wäre ihr Untergang

Ukrainische Militärs auf einer Straße im Osten der Ukraine.
Knapp zwei Monate dauert der russische Angriff auf die Ukraine mittlerweile (Archivbild). Bild: DPA/Associated Press | Vadim Ghirda
  • Schattenberg nennt Hoffnungen auf friedliches Kriegsende "weltfremd"
  • Ukrainisches Volk müsse sich mit aller Kraft militärisch verteidigen
  • Historikerin befürwortet deutsche Waffenlieferungen

Die Bremer Russland-Expertin Susanne Schattenberg hält Rufe nach einer friedlichen Beendigung des Ukraine-Kriegs für weltfremd. "Wenn das ukrainische Volk nicht untergehen will, muss es sich mit aller Kraft militärisch verteidigen", sagte die Direktorin der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Den Einwand, dass Waffenlieferungen das Blutvergießen unnötig verlängerten, bezeichnete Schattenberg als naiv und zynisch.

Russland wolle Vernichtung der Ukraine

Porträt von Susanne Schattenberg
Die Historikerin Susanne Schattenberg ist Direktorin der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen. Bild: Universität Bremen | Harald Rehling

Sich zu ergeben sei für die Ukraine keine Option, weil Russland die Vernichtung des Landes wolle. "Die Kapitulation würde den Untergang des ukrainischen Staates, aber auch seiner Nation mit ihrer Sprache und Kultur bedeuten", warnte die Historikerin. "Der russische Präsident Wladimir Putin hat sehr deutlich erklärt, dass er alles Ukrainische für eine Abart des Russischen hält."

Außerdem sei nicht zu erwarten, dass die Menschen in einer russisch besetzten Ukraine ruhig leben könnten. Schon in den sogenannten Volksrepubliken in der Ostukraine habe Russland ein Terrorregime installiert, unter dem Menschen willkürlich verhaftet, gefoltert und ermordet würden. "Es gibt nichts, auch kein Völkerrecht, dass Putin daran hindern könnte, in der gesamten Ukraine ebenso zu verfahren."

"Frieden schaffen ohne Waffen" keine Option mehr

In den 1980er Jahren beteiligte sich Schattenberg an den Friedensmärschen, wie die Professorin betonte. "In der Ukraine kommt 'Frieden schaffen ohne Waffen' aber leider nicht mehr in Frage." Die Vorstellung, die Ukrainer könnten Putin beschämen, indem sie ihm mit gestreckten Waffen gegenübertreten, sei abwegig. Deshalb befürwortet die Historikerin deutsche Waffenlieferungen in das angegriffene Land.

"Frieden schaffen ohne Waffen": Nicht mehr als ein frommer Wunsch?

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 21. April 2022, 23:30 Uhr