Diese Wünsche haben Bremer Studierende an die neue Rektorin

Bild: DPA | Sina Schuldt

Jutta Günther ist die erste Rektorin der Uni Bremen. Herausforderungen wie die Corona-Pandemie und die Klima-Krise gibt es viele für sie. Was wünschen sich Studierende von ihr?

Jutta Günther hat sich in der Rektorinnen-Wahl gegen die Vizepräsidentin der FU Berlin, Verena Blechinger-Talcott, durchgesetzt. Für die kommenden fünf Jahre wird Günther die Weichen für die Entwicklung der Universität stellen. Doch was wünschen sich Bremen Studenten und Studentinnen eigentlich?

Normalität ist ein Stichwort, was viele Studenten und Studentinnen sofort auf diese Frage nennen. Die Corona-Pandemie hat auch das Leben an der Uni auf den Kopf gestellt – denn sie ist quasi zu einer Fern-Universität geworden. So zumindest bezeichnet Sinan Buega sein Studium der Wirtschaftswissenschaften. Aktuell ist er im dritten Semester und hat die Motivation ein wenig verloren. Er wünsche sich, dass es jetzt wieder in Präsenz weitergehe.

Mich beschleicht die Angst, am Ende einen Abschluss zu haben, ohne das Uni- und Studenten-Leben erlebt zu haben.

Sinan Buega, Student der Wirtschaftswissenschaften

Grundsätzlich wünscht er sich von der neuen Rektorin, dass die Studenten wieder mehr gehört werden – räumt aber auch ein, dass das nicht so einfach ist, da viele sich nicht zu den Belangen der Uni äußern. Sie würden sich laut Buega nicht mit der Uni verbunden fühlen, da sie zum Teil noch nie richtig auf dem Campus waren und auch nach mehreren Semestern nicht einmal die Mensa besucht hätten.

"Universität muss klimaneutral werden"

Die Studierenden wollen an eine Uni, die sich ihrer Verantwortung für die Welt bewusst ist.

Dominik Lange, Mitglied des Asta der Uni Bremen und des Akademischen Senats.

Neben der belastenden Corona-Pandemie bewegt viele Studierende auch das Klima und die Frage, wie die Universität Bremen Klimaneutralität erreichen kann. Dominik Lange ist Mitglied des Asta der Uni Bremen und des Akademischen Senats. Zusammen mit der Bewegung Students for Future Bremen fordert er, dass die Uni technisch klimaneutral wird, aber auch, dass sie mit einer Professur einen Schwerpunkt auf den Nachhaltigkeitsaspekt legt.

Diese Haltung teilt auch Hanna Knahl von Students for Future Bremen. In den Mittelpunkt müsse die neue Rektorin die Themen globale sozial-ökologische Transformation und generationenübergreifenden Gerechtigkeit stellen. "Dafür darf auch der Konflikt nicht gescheut werden", sagt Knahl.

Insbesondere in Anbetracht der Klimakrise, dem Biodiversitätsverlust und weiterer existenzbedrohender Krisen ist es notwendig, dass die Universität sich klar positioniert und dies nach innen wie außen als gesamte Institution vertritt.

Hanna Knahl, Mitglied der Students For Future Bremen

Studenten fordern bessere Arbeitsbedingungen

Tim Spieker ist wichtig, dass die neue Rektoratsspitze sich für eine Verbesserung der Lehre in der Breite einsetzen. Er ist Lehramtsstudent für Mathe und Englisch und im 2. Master-Semester. "Ich denke, dass die Uni zwar prinzipiell auf einem guten Stand ist, aber ich sehe schon einen Kontrast zwischen Leuchtturm-Projekten wie dem Marum oder der Luft- und Raumfahrt und beispielsweise den Geisteswissenschaften", sagt Spieker.

Für gute Lehre braucht es bessere Arbeitsbedingungen – die auch explizit für Studentische Hilfskräfte gelten müssten, so der Asta. Deshalb kämpfe Lange für einen Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte. Aktuell gebe es Fachbereiche wie die Informatik, wo Tutoren kein Geld für ihre Leistung erhalten würden, sondern mit Credit Points entlohnt werden würden. Diese Praxis schildert auch Spieker aus seinem Anglistik-Studium. In ihrem Konzeptpapier hat Jutta Günther sich bereits dafür ausgesprochen, bessere Arbeitsbedingungen an der Universität zu schaffen und gegenüber den Studierenden auch bereits signalisiert, dass sie ihre Forderung nach einem Tarifvertrag unterstütze.

"Psychotherapie-Master muss an den Start gehen"

Ein weiteres Thema, welches Studierende als sehr dringend ansehen, ist die Einführung des Psychotherapie-Masters. Eigentlich sollte dieser laut Lange im Wintersemester 2022/2023 starten, doch jetzt wird er für 2023/2024 erwartet. Das sei zu spät, sagt auch Julia Broderius. Sie ist im fünften Bachelorsemester in der Psychologie. "Ich denke, ich spreche für alle, dass es genügend Ressourcen geben muss, damit dieser Studiengang bald an den Start gehen kann", sagt Broderius. Je länger es dauere, desto größer werde auch der Druck, denn immer mehr Bachelor-Absolventen würden sich dann auf diesen Studiengang bewerben.

Die Rektorin muss sich dieser Relevanz bewusst sein – die Notwendigkeit sollte spätestens nach Corona klar sein.

Julia Broderius, Psychologiestudentin aus Bremen

Besseren Dialog und niedrige Hierarchien an der Uni leben

Der Dialog zwischen dem Rektorat und der Uni-Leitung und den Studierenden sowie den politischen Gremien müsse sich verbessern. Da sind sich Spieker, Lange und auch die Vorsitzende des Asta Bremens, Mona Linge, einige.

Bei der Bewältigung dieser Aufgaben braucht es einen Austausch auf Augenhöhe zwischen Rektorat und Studierenden.

Mona Linge, Vorsitzende des AStA der Uni Bremen

Niedrigere Hierarchien fordert auch Nieki Samar. Sie studiert Kulturwissenschaften im Master. "Bei der Gründung der Uni war der Abbau der Hierarchien ein großer Punkt. Aktuell erlebe ich es so, dass es gar nicht so locker ist zwischen Studierenden und Dozenten. Ich würde mir wünschen, dass sich diesem Vorsatz wieder mehr genähert wird." Ein weiteres wichtiges Thema für sie sei Diversity: Nicht, weil es gerade im Mode sei, sondern weil es viel zu tun gebe.

Rassismuskritik ist in allen Ebenen der Universität wichtig, denn die Uni ist nun einmal geprägt von institutionellen Strukturen, in denen Rassismus verankert ist – und diesen Themen muss man sich aktiv widmen, damit sie abgebaut werden können.

Nieki Samar, Studentin des Masters Transkulturelle Studien

Rückblick: Angestellte der Uni Bremen beklagen Arbeitsverhältnisse

Bild: Radio Bremen

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. März 2022, 19:30 Uhr