Reaktionen auf das Bremer Urteil im Überblick

Bei den Bundesliga-Vereinen schrillen die Alarmglocken. BVB-Boss Watzke zeigt wenig Verständnis für das Bremer Urteil. Andere Bundesländer scheinen ihre Haltung zu ändern.

Bild: Imago | Nordphoto

Reaktionen aus der Politik:

Ich denke, dass jetzt auch andere Mut fassen werden. Ich werde auf der nächsten Innenministerkonferenz dafür werben. Dann sehen wir mal, ob die DFL weiterhin bereit ist, zu sagen, wir machen nicht mit.

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD)

Die Polizei ist für Sicherheit und Ordnung im gesamten öffentlichen Raum zuständig – und damit auch im Umfeld von Fußballstadien. Ob sich aus dem Bremer Urteil auch für andere Bundesländer eine neue Bewertung ergibt, muss man sehen.

Herbert Reul (CDU), Innenminister Nordrhein-Westfalen

Die zunehmende Wirtschaftskraft der Profivereine und der Deutschen Fußball Liga gibt es durchaus her, dass Klubs und DFL an den Kosten für Hochrisikospiele beteiligt werden.

Roger Lewentz (SPD), Innenminister Rheinland-Pfalz

Die bisherige Haltung Hamburgs ist ja bekannt, wonach eine Beteiligung der Sportvereine oder der DFL an den Sicherheitskosten bei Polizeieinsätzen derzeit nicht geplant ist.

Aus der Hamburger Behörde für Inneres und Sport

Die Deutsche Fußball-Liga hat bereits angekündigt, Revision einzulegen. Damit besteht für alle Beteiligten immer noch keine Rechtssicherheit. Unabhängig davon gilt für uns ganz grundsätzlich: Ein Kostenersatz erhöht die Sicherheit bei Fußballspielen nicht und entlastet auch nicht die Polizei. Uns geht es um Sicherheit, nicht ums Abkassieren.

Thomas Strobl (CDU), Innenminister Baden-Württemberg

Schleswig-Holstein wird das Ende dieses Rechtsstreits abwarten, da der Ausgang richtungsweisenden Charakter haben wird. Schleswig-Holstein strebt insgesamt eine bundeseinheitliche Lösung an.

Ein Sprecher des Innenministeriums von Schleswig-Holstein

Die gegenwärtige Entscheidung zum Rechtsstreit im Bundesland Bremen entfaltet keinerlei Wirkung auf Mecklenburg-Vorpommern.

Lorenz Caffier (CDU), Innenminister Mecklenburg-Vorpommern

In Sachsen gibt es bislang keine Bestrebungen zur Erhebung von Einsatzkosten bei Fußballspielen. Der Freistaat setzt weiterhin insbesondere auf den Dialog mit Verbänden und Vereinen um gemeinsame Sicherheitslösungen zu erarbeiten.

Ein Sprecher des sächsischen Innenministeriums

In Berlin ist es derzeit nicht geplant, eine entsprechende Kostenbeteiligungspflicht gemäß des Modells in Bremen einzuführen. Die Möglichkeit der Kostenerstattung macht in unseren Augen nur Sinn, wenn eine bundeseinheitliche Regelung erreicht werden kann.

Eine Sprecherin der Berliner Sportverwaltung

Wir werden in Ruhe abwarten, bis das Urteil rechtskräftig ist. Bis dahin bleibt unsere Position unverändert, wonach die Herstellung von Sicherheit bei Fußballspielen Aufgabe des Staates ist.

Ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums

Bliebe es auch in der Revision bei der Gebührenpflicht, wäre es aus der Sicht des Ministeriums wünschenswert, wenn eine bundesweit einheitliche Haltung der Länder erreicht werden könnte. Aktuell gibt es daher keine Überlegungen, auch im Saarland Vereine an den Kosten zu beteiligen.

Eine Sprecherin des saarländischen Innenministeriums

Sollte am Ende des Verfahrens rechtssicher feststehen, dass Kosten bei Risikospielen umgelegt werden können, gilt es, die weitere Verfahrensweise mit den Ländern abzustimmen.

Holger Stahlknecht (CDU), Innenminister Sachsen-Anhalt

Gegenwärtig werden den hiesigen Vereinen keine Kosten für Polizeieinsätze in Rechnung gestellt, Änderungen sind momentan nicht geplant. Vor einer erneuten Befassung mit dem Thema wird zuvor die endgültige Entscheidung in der Sache abgewartet.

Ein Sprecher des Brandenburger Innenministeriums

Polizeieinsätze bei Fußballspielen werden aus dem Sachhaushalt der bayerischen Polizei gezahlt. Der gesamte Polizeieinsatz dient nicht dem Veranstalter, sondern der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Für Polizeieinsätze im Zusammenhang mit Fußballspielen werden daher keine Kosten erhoben.

Ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums

Reaktion der Polizei:

Dies ist eine überfällige Entscheidung, die die Argumentation der Deutschen Polizeigewerkschaft stützt. Dass das Gericht anerkennt, dass der wirtschaftliche Erfolg der Liga auch auf den Sicherheitsleistungen der Polizei resultiert, freut uns besonders.

Jürn Schulze, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft

Reaktionen aus der Bundesliga:

Die DFL hat ja angekündigt, dass sie im Falle des Unterliegens den Rechtsweg weiter bestreiten wird. Insofern ist es noch ein bisschen zu früh für große Siegesgesänge. Aber heute hat das Gericht die Position des Bremer Senats eindeutig bestätigt, da darf man nicht drumherum reden.

Hubertus Hess-Grunewald, Präsident SV Werder Bremen

Ich habe, ehrlich gesagt, relativ wenig Verständnis dafür. Ich hoffe, dass das nicht nur auf den Fußball bezogen wird, sondern dass auch alle anderen, Volksfeste und andere Aktivitäten, anteilig mit Kosten belastet werden.

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer Borussia Dortmund
Der Geschäftsführer von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke
BVB-Boss Watzke hofft, dass dann auch Volksfeste und andere Veranstaltungen anteilig für Polizeikosten zahlen müssen. Bild: DPA | augenklick/firo

Ich halte es für nicht nachvollziehbar, dass der Fußball für die öffentliche Sicherheit verantwortlich sein soll. Das ist Kernaufgabe des Staates.

Alexander Wehrle, Geschäftsführer 1. FC Köln

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 21. Februar 2018, 13 Uhr

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