Meinungsmelder

Meinungsmelder kritisieren Umgang der Kirche mit sexualisierter Gewalt

Opferkerzen in einem Seitenschiff des St. Petri Dom in Bremen
68 Prozent der Radio Bremen Meinungsmelder glauben, dass sich die Evangelische Kirche zu spät mit dem Thema sexuelle Gewalt beschäftigt. (Symbolbild) Bild: DPA | Klaus Nowottnick

"Totgeschwiegen", "verleumdet", "vertuscht": Die Mehrheit der Radio Bremen Meinungsmelder fordert eine transparente Aufklärung. Auch in anderen Bereichen sehen die Meinungsmelder Handlungsbedarf.

Die Evangelische Kirche Deutschland ist zu ihrer Synode zusammengekommen – und sprach dort auch über das Thema sexualisierte Gewalt und ihren Umgang damit. Die Mehrheit der Radio Bremen Meinungsmelder bewertet den bisherigen Umgang der Kirche mit diesem Thema als schlecht. Insgesamt nahmen 1.316 Meinungsmelder an dieser Befragung teil.

Es wird viel unter den Teppich gekehrt, Täter nur versetzt aber nicht bestraft und die Opfer werden zum Schweigen gebracht mit Geld. Das ist keine Aufarbeitung, das ist Verdrängung.

Meinungsmelderin aus Bremen, 42 Jahre alt

Die Gespräche über sexualisierte Gewalt anlässlich der Synode kommen für 68 Prozent der Meinungsmelder zu spät. Wichtig sei es jetzt aber den meisten Meinungsmeldern zufolge vor allem, dass überhaupt darüber gesprochen werde.

Auf der Synode gab es Gespräche über sexualisierte Gewalt in der Kirche – was sagen Sie zum Zeitpunkt?

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Das, was bis dato hinter sogenannten verschlossenen Türen passierte, passiert weltweit. [...] Ob Kirche, Kindergarten, Schule, Elternhaus, Familie, Freunde: Sexualisierte Gewalt findet überall statt – und das sollte mit ein Thema sein.

69-jährige Meinungsmelderin aus Bremerhaven

Die Sicht auf die Kirche hat sich durch die Missbrauchsfälle und -vorwürfe jedoch nur bei einem Teil der Meinungsmelder verändert. "Der Glaube und die Kirche gehören zusammen, aber glauben kann man auch ohne Kirche", betont eine 65-jährige Meinungsmelderin aus Bremen.

So hat sich die Sicht der Meinungsmelder auf die evangelische Kirche gewandelt

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Einige Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder haben für sich Konsequenzen gezogen und sind aus der Kirche ausgetreten: "Ich bin ausgetreten, auch weil in vielerlei Hinsicht nur geredet und nicht gehandelt wird", sagt eine 42-jährige Bremerin.

Evangelische Kirche muss sichtbarer im Stadtbild werden

Doch der Umgang mit sexualisierter Gewalt ist nicht die einzige Baustelle der evangelischen Kirche, die die Meinungsmelder sehen. Veränderungen müsse es im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit geben, ein Vorschlag waren neue Gottesdienstformen zu anderen Zeiten, da 10 Uhr für viele nicht machbar sei.

In welchen Bereichen muss sie die Kirche wandeln?

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Außerdem betont ein Teil der Meinungsmelder, dass die Kirche sichtbarer nach außen werden müsse. "Kirchen beziehungsweise Gemeinden müssen zum Treffpunkt und Forum der Stadt und der Stadtteile werden. Außerdem müssen sie jung und digitaler werden, neue und diverse Angebote bieten", sagt ein 28-jähriger Bremer. Oft fielen die Wörter überflüssig, unauffällig und unsichtbar, als die Meinungsmelder die Kirche vor Ort beschreiben sollten.

Aktuelle Situation als Chance für die Kirche

Trotz der Herausforderungen, die die Meinungsmelder benannt haben, sehen sie die aktuelle Situation der Kirche auch als Chance. Wenn jetzt alles auf den Tisch kommen, der sexuelle Missbrauch aufgearbeitet werden würde und die Kirche sich erneuere, könne sie in der Zukunft bestehen.

Ich glaube, in einer Zeit, in der die Vereinzelung zunimmt, ist Kirche und Gemeinde ein guter Ort für Gemeinschaft.

58-jährige Bremerin

Evangelische Kirche diskutiert in Bremen über sexualisierte Gewalt

Video vom 8. November 2021
Betroffene sexualisierter Gewalt reden auf der Bühne über ihr Erlebnis in der EKD Synode 2021.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Lina Brunnée Redakteurin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. November 2021, 19:30 Uhr