So bekam diese Bremer Quereinsteigerin ihr eigenes Theaterstück

Wie die Bremerin Natalie Shtefunyk ihr eigenes Theaterstück bekam

Bild: Maria Sandig

Innerhalb von zwei Jahren hat Bremerin Natalie Shtefunyk das erste Mal in einem Theaterstück mitgespielt und nun auch ihr ein eigenes Stück entwickelt. Ein Stück über Mut, Selbstfindung und Migration.

Natalie Shtefunyk bewegt sich federleicht durch den Proberaum im Theater am Goetheplatz, während sie einen ihrer selbst komponierten Songs übt. "Gib mir die Kraft, daran zu glauben" ist eine der Zeilen, die sie immer wieder singt. Sie ist aufgeregt und strahlt. Denn im Frühjahr 2022 soll ihr eigenes Theaterstück am Theater Bremen gespielt werden.

Das Stück "Heimatherz & Herzheimat. Wanderung durch zwei Kulturen" hat Natalie Shtefunyk in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Evgeny Cherepanov selbst geschrieben und komponiert. Sie singt, tanzt und erzählt darin ihre persönliche Geschichte und auch das Bühnenbild hat sie selbst kreiert.

Das ist natürlich eine große Herausforderung, auf die ich mich sehr freue.

Natalie Shtefunyk

Das Stück ist vom Senator für Kultur und von der Theaterbundesstiftung 360 Grad gefördert. "Über die Unterstützung bin ich sehr glücklich", sagt die Bremerin. "Wenn ich daran denke, ist das für mich sehr emotional. Ich denke über den Weg nach, den ich gegangen bin, über die Höhen und Tiefen. Dann stelle ich fest, dass es der richtige Weg war." Das motiviere sie, andere Menschen zu inspirieren, nie aufzugeben, immer zu träumen und zu glauben – "besonders an sich selbst."

Aus der Ukraine auf die Bremer Theaterbühne

Die Bremerin kommt ursprünglich aus der Ukraine. Dort hat sie Wirtschaftswissenschaften studiert. "Die Neugier zu leben, war immer präsent. Ich wollte immer mehr und mehr erreichen, die Welt sehen, mich weiterentwickeln", sagt sie. Deshalb wagte sie einen großen Schritt und hat vor etwa 20 Jahren beschlossen, in Europa weiter zu studieren. "So bin ich nach Bremen gekommen." An der Universität Bremen hat sie ihr Informatikstudium abgeschlossen.

Natalie Shtefunyk fühlt sich hier heimisch. Aber auch die Ukraine lässt sie nicht los.

Für mich fühlt es sich so an, als ob ich eine Patchwork-Identität habe. Ich habe zwei Heimaten, die ich sehr liebe!

Natalie Shtefunyk

Die Künstlerin betont ihre Dankbarkeit dafür, dass sie in beiden Heimaten ihr Leben verbringen darf und kann. "Wenn ich zuhause in der Ukraine bin, vermisse ich meine Freunde von hier, die Umgebung, ich vermisse mein alltägliches Leben, spazieren gehen an der Weser, die Luft", erklärt sie eindringlich. "Wenn ich hier bin, vermisse ich mein Zuhause in der Ukraine, den Duft am Wochenende, meine Oma, unseren Garten, unsere Nachbarn, ich vermisse es, Kind zu sein. Zuhause, solange ich bei Oma bin, bin ich ihre kleine Natalusja, so wie sie mich immer nennt", sagt Natalie mit einem breiten Grinsen.

Eine Tochter als Muse

Als die Quereinsteigerin Mutter wird, verändert sich ihr Leben. "Meine Tochter ist meine Muse. Dank ihr habe ich sehr viel komponiert und geschrieben. Seitdem ich Mutter bin, ist sehr viel positives in meinem Leben passiert", erzählt sie. Durch ihre Geburt sei sie mutiger geworden. So kam es auch dazu, dass sie sich vor zwei Jahren für ein Theaterstück am Theater Bremen vorstellte. "Mein Mann hatte mir einen Flyer mitgebracht. Frauen und Mütter aus aller Welt wurden gesucht."

Frau streckt Arme auf einer Probebühne aus
Natalie Shtefunyk steht nicht zum ersten Mal auf der Bühne im Proberaum. Bild: Radio Bremen

Ihr Mut zahlt sich aus: Im Stück "Mütter", das seit 2019 am Theater Bremen aufgeführt wird, war Natalie Shtefunyk bereits zu sehen. Dort sang, tanzte und kochte sie mit 13 weiteren Frauen aus Bremen, die eine Geschichte zu erzählen haben. Viele von ihnen haben, wie Natalie, eine internationale Geschichte. "Die Erfahrungen im Theater haben meinen Mut noch stärker beflügelt", weiß sie heute.

Diese Anerkennung als Künstlerin, Performerin und Schauspielerin zu bekommen, bedeutet mir viel. Ich fühle mich dabei wohl, glücklich und angekommen.

Natalie Shtefunyk

Daraus sei auch die Idee für ihr eigenes Stück entstanden.

Liebe zur Heimat geht durch den Magen

"Während der Proben und durch das Kochen auf der Bühne habe ich noch mehr zu mir gefunden. Ich habe überlegt, was mir eigentlich immer wichtig war." Sie habe schon immer den Traum gehabt, ein kleines Restaurant zu eröffnen. "Ein Restaurant, durch das ich an meine Heimat denke. Wo die Gäste zu uns kommen und ein Stück meiner Heimat probieren. Wo ich die Gäste so bewirte, wie bei uns zuhause. Mit den Gerichten, die ich als kleines Kind gegessen habe."

Diesen Traum hat sich Natalie 2019 erfüllt. "Durch das Stück habe ich gemerkt, was mir wichtig ist." Seitdem betreibt sie gemeinsam mit ihrem Bruder den ukrainischen Street-Food-Stand "Bab Maria" in der Markthalle Acht in Bremen. Blinis, Wareniki und Borscht gehören zu den traditionellen Gerichten ihrer Oma Maria, die sie ihren Gästen anbietet.

Dank dieser Herausforderung und der emotionalen Gespräche vor, während und nach des Theaterstücks bin ich in mich gegangen und habe mich gefragt, was mir wichtig ist. Ich wusste: Ich will so leben, wie ich leben möchte und nicht wie ich muss.

Natalie Shtefunyk

Regisseurin glaubt an die Quereinsteigerin

Alize Zandwijk hat sie auf ihrem Weg begleitet, auch bei Natalies eigenem Stück steht sie ihr als Mentorin beratend zur Seite. "Alize ist eine großartige Regisseurin, die mich persönlich sehr herausgefordert hat, über meinen eigenen Schatten zu springen und mich neu zu sehen. Mich auch als Schauspielerin wohl zu fühlen", sagt Natalie dankbar. "Ich habe gemerkt: Das was gerade in meinem Leben passiert, ist das, was ich mein Leben lang gesucht habe."

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