Delikatesse vor den Toren Bremens: Der Queller – Spargel aus dem Meer

Wildgemüse Queller am Wattufer

Spargel Meer

Bild: DPA | Zoonar | Kay Augustin

Der Queller, auch Spargel aus dem Meer genannt, liebt das niedersächsische Wattenmeer. Trotzdem gibt es in Bremens Geschäften nur Queller aus dem Ausland. Weshalb?

Wir sind mitten in der Spargelsaison. Spargel ist ein in Deutschland sehr beliebtes Saisongemüse, das zwischen Anfang April und Ende Juni des Jahres geerntet und frisch verkauft wird. Typischerweise wird Spargel zusammen mit Kartoffeln, Schinken und Sauce Hollandaise verzehrt. 1,5 Kilogramm isst jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr von dem "weißen Gold". Immer beliebter wird dabei aber auch grüner Spargel. Und es gibt noch eine dritte Variante – eine die im Meer wächst.

Fischverkäuferin Bettina Eymers steht in ihrem Fischwagen auf dem Wochenmarkt in der Innenstadt in Bremerhaven. Sie verkauft frisches Fischfilet, Räucherfisch und Fischsalate. In der Theke ist zwischen dem ganzen Fisch auch eine Schale mit grünen Stängeln. "Also ich mag es gerne, das muss ich sagen", sagt Eymers. Der Queller ist quietschgrün und ähnelt dünnen Spargelstangen. Deshalb wird er auch Meerespargel genannt. Unser Selbstversuch ergibt: Der Queller schmeckt sehr salzig.

Kaufen kann man den Queller in ausgewählten Fischgeschäften. "Wir bekommen ihn ausschließlich aus Portugal oder Israel, da wächst der am besten", sagt Händlerin Eymers: "Er ist sehr gut zum Verzehr geeignet für Salate." Man müsse den Queller einmal abspülen, weil er sehr salzhaltig sei. Dann könne man ihn als Topping auf einen Salat geben oder auch, in Butter geschwenkt, zu gebratenem Fisch servieren.

Queller braucht Ebbe und Flut

Der Queller ist ein Wildgemüse, welches man auch in Norddeutschland findet, erzählt Christopher Hardwick, stellvertretender Leiter des Nationalparkhauses Wattenmeer in Dorum-Neufeld: "Also der europäische Queller ist eine Pflanze, die nur in besonderen Lebensräumen vorkommt. Vor allem hier bei uns vor den Salzwiesen im Watt." Es handele sich um eine Pionierpflanze im Watt. Sie benötige die Überspülung, wie sie Ebbe und Flut gewährleisten. Dadurch werde der Queller zweimal am Tag mit Salzasser überspült.

Auf seinen Touren durchs Watt findet der Umweltwissenschaftler den Meeresspargel oft in den geschützten Flächen des Nationalparks: "Das Motto des Nationalparks ist ja: Natur Natur sein lassen", so Hardwick: "Deswegen sind die Tiere und Pflanzen im Nationalpark geschützt, sodass auch die nachfolgenden Generationen den Queller erleben können." Ernten dürften Privatpersonen den Queller im Nationalpark folglich nicht. Der Queller oder auch Meeresspargel aus der Fischtheke kommt also aus dem Ausland.

Geschmacklich ist er einzigartig, meint Fischverkäuferin Bettina Eymers: Frisch, salzig, man schmeckt das Meerwasser. "Das ist schon eine Delikatesse!", schwärmt sie.

Autorin

  • Sina Derezynski Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Sendung aus Bremerhaven, 25. Mai 2022, 10:40 Uhr