Interview

Queen träumt von grünem Dach über der Erde – in Bremen fängt sie an

Bild: DPA | Maxwells Irish Government/Pool

Heute pflanzt der britische Konsul im Bremer Bürgerpark eine Eiche für die Queen. Doch Bremens britischer Honorarkonsul will noch mehr.

Zwar kommt die Queen nicht persönlich nach Bremen, um den Baum zu pflanzen. Wohl aber die britische Botschafterin Jill Gallard. Sie will es sich nicht nehmen lassen, gemeinsam mit Johann-Diedrich Bruns vom Bund deutscher Baumschulen, mit Parkdirektor Tim Großmann und mit Bremens britischem Honorarkonsul Christoph Enge eine Eiche in Bremens Bürgerpark zu pflanzen: gegen 16.30 Uhr nahe der Melchersbrücke. Wir sprachen mit Christoph Enge über den Sinn und Zweck der Aktion sowie über seine Arbeit als britischer Honorarkonsul in Bremen.

Herr Enge, wieso wünscht sich Queen Elizabeth II zu Ihrem Thronjubiläum ausgerechnet im Bremer Bürgerpark einen weiteren Baum und nicht beispielsweise irgendwo in London?
Die Queen ist eine große Naturliebhaberin. Bei den Feierlichkeiten zum Thronjubiläum in London Anfang des Monats gab es im Buckingham-Palast ein großartiges Konzert. Ein Teil davon war auch eine Referenz an die Naturliebe der Queen, insbesondere vorgetragen in Form eines Clips des berühmten britischen Naturfilmers Sir David Attenborough. Auch Prinz William hat ein paar Worte dazu gesagt. Da konnte man sehr schön sehen, dass die Themen Klimawechsel und Naturschutz eine große, große Bedeutung für die Queen und für ihre ganze Familie haben.

Daher rührt auch die Idee der Initiative zum Bäumepflanzen. Eine Idee für Großbritannien, die sich aber auch in anderen Ländern fortsetzen soll: ein grünes Dach – a Green Canopy –, das an die 70 Jahre der Regierung der Queen erinnert. Nicht nur in London und in vielen anderen englischen Gärten und Parks, sondern auch in anderen Ländern. In Deutschland hat die britische Botschaft die Idee aufgegriffen. Der Bund der Deutschen Baumschulen hat sich bereit erklärt, die Bäume zu stiften. Ein Baum ist schon in Berlin im Tiergarten eingepflanzt worden.

Und als ich kürzlich in der Botschaft war und davon hörte, da fiel mit ein: Unser Bürgerpark ist doch auch ein Englischer Garten im traditionellen englischen Stil entworfen! Da passt doch ein Baum wunderbar hin, der von der Initiative der Queen getragen wird. Außerdem passt es zur aktuellen Situation. Es sind ja doch ein paar Bäume im Bürgerpark dem großen Sturm zum Opfer gefallen. Das ist der ganze Hintergrund.
Honorar-Konsul Hans-Christoph Enge steht in einem Hafen
Freut sich darauf, im Sinne der Queen eine Eiche in Bremens Bürgerpark zu pflanzen: der britische Honorarkonsul Christoph Enge. Bild: British Honorary Consulate
Ist so etwas eine typische Aufgabe für einen Honorarkonsul? Und: Was macht ein Honorarkonsulat sonst?
(Lacht) Ja, ein Honorarkonsul pflanzt manchmal Bäume! Es ist für mich tatsächlich schon der zweite Baum in Bremen. Ich habe schon einmal eine Kirsche im Universitätsgarten gepflanzt. Aber das passiert doch eher selten. Ein Honorarkonsul ist kein Berufsdiplomat, sondern gewissermaßen ein Teilzeit-Konsul, der – in meinem Fall – das Land Großbritannien für bestimmte Dinge vertritt, meistens bei repräsentativen Aufgaben. Aber auch umgekehrt: Wir stellen auch Kontakte für die Bremer Wirtschaft nach Großbritannien her oder auch für Bremer, die etwas in Großbritannien vorhaben.

Aber die erste und wichtigste Aufgabe ist, dass wir uns hier in Bremen um britische Staatsbürger kümmern, die hier ein Problem haben, die einen Pass verloren haben oder irgendwelche anderen Dinge, die wir hier besorgen. Darum kümmern wir uns mithilfe der Bremer Behörden, zu denen wir gute Beziehungen haben und die immer sehr hilfsbereit sind, wenn wir etwas brauchen.
Wie wird man Honorarkonsul?
Das hat natürlich häufig etwas mit wirtschaftlichen Verbindungen zu tun. Unsere Firma (die "Lampe und Schwartze Group", ein Versicherungsunternehmen, die Redaktion) hat sehr enge Beziehungen zu Großbritannien, insbesondere zu London und zum Londoner Versicherungsmarkt. Ein bisschen Tradition ist in meinen Fall aber auch dabei: Mein Vater, der zugleich mein Vorgänger im Unternehmen war, war auch schon britischer Honorarkonsul.
Aber Sie sind doch gar kein Engländer…
Nein, ich bin kein Engländer. Aber ich habe auch privat sehr gute Beziehungen zu Großbritannien und verbinde schöne Erinnerungen damit. Denn ich habe dort längere Zeit gelebt, bin dort teilweise auch zur Schule gegangen. Ich habe viele Freunde in Großbritannien, die gemeinsam mit mir die deutsch-britischen Beziehungen pflegen.
Kennen Sie die Queen persönlich?
Das Wort "kennen" ist vielleicht ein bisschen zu groß. Aber ich habe sie, wie man so sagt, zweimal kennengelernt, bei ihren beiden letzten Staatsbesuchen in Deutschland. Das war 2005 und 2015. Da hatte ich die große Ehre und die Freude, der Queen kurz vorgestellt zu werden anlässlich ihrer Geburtstagspartys. Die wurden damals in der britischen Botschaft in Berlin abgehalten.
Zurück zur Pflanzaktion: Es heißt, Queen Elisabeth habe in ihrer 70-jährigen Regentschaft etwa 1.500 Bäume gepflanzt. Mir ihrer Initiative "The Queen’s Green Canopy" (das grüne Baumkronendach der Königin) möchte Elisabeth II aber vor allem Mitstreiter gewinnen: Unternehmen, Schulen, Pfadfinder-Gruppen und so weiter, die auch Bäume pflanzen. Glauben Sie, dass das Beispiel, das Sie mit der Pflanzaktion im Bürgerpark abgeben, in Bremen und umzu Schule machen wird?
Das kann ich nur hoffen! Natürlich hoffen wir, dass Menschen auch in anderen Bundesländern die Aktion verfolgen und sagen: Mensch’, wir wollten doch sowieso einen Baum pflanzen, jetzt machen wir das auch! Ich denke da auch an Institutionen, die gute Beziehungen zu Großbritannien haben und an Menschen, die ein gutes Verhältnis zu Großbritannien haben. Vielleicht sagen die ja jetzt: Das machen wir in diesem Jubiläumsjahr.

Wir würden uns über jeden Baum, so klein er auch ist, freuen, der aus dieser Initiative heraus gepflanzt wird.

Christoph Enge, britischer Honorarkonsul in Bremen
Weshalb haben Sie sich eigentlich ausgerechnet für eine deutsche Eiche entschieden?
(Lacht) Also, wir glauben natürlich, dass das eine Englische Eiche ist! Fragen kann man den Baum ja nicht. Deutsche und Briten verbinden die gleiche Symbolik mit der Eiche. Sie steht für Standfestigkeit, für Wahrhaftigkeit und für Langlebigkeit, in England genauso wie in Deutschland. Daran sieht man ja auch schon gewisse kulturelle Verflechtungen. Eine Eiche kann gut für die zukünftigen Beziehungen zwischen beiden Ländern stehen. Eichen sind hier im Norden auch gut zu pflanzen, wenn vielleicht auch einige Experten sagen, dass es wegen des Klimawandels Bäume gibt, die einfacher gedeihen. Aber ich glaube, dass die Eiche hier im Bremer Bürgerpark ein gutes Zuhause findet.
Wie groß ist der Baum ungefähr?
Ich schätze: So um die zwei Meter hoch, vielleicht auch schon 2,50 Meter.
Auch die britische Botschafterin Jill Gallard wird zur Pflanzaktion im Bürgerpark erwartet. Bei ähnlichen Anlässen, etwa in Berlin, hat sie stets betont, wie schön sie es finde, dass Deutschland und Großbritannien auf diese Weise nicht nur politisch, sondern auch praktisch gemeinsam etwas für den Klimaschutz täten. Bei Lichte betrachtet haben sich Deutschland und Großbritannien aber spätestens durch den Brexit politisch eher voneinander entfernt. Glauben Sie an eine Annäherung infolge von Baumpflanz-Aktionen der Queen?
Das glaube ich schon. Der Brexit war eine politische Entscheidung, von der ich hoffe, dass sie den gesellschaftlichen Verbindungen zwischen Großbritannien und Deutschland keinen Abbruch tut. Ich glaube, dass jede Aktion, die die Beziehungen zwischen den Menschen der beiden Ländern fördert, gut ist. Und Klimaschutz ist ein Thema, das nicht nur zwischen Großbritannien und Deutschland eine große Rolle spielt. Es ist ein globales Thema. Wir sitzen alle auf demselben Planeten, im selben Boot.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. Juni 2022, 19.30 Uhr