Ende der 14 Tage? Bremen diskutiert über neue Quarantäne-Regeln

Omikron-Anteil steigt: Bremen diskutiert über neue Quarantäne-Regeln

Bild: DPA | Robin Utrecht

Durch die vielen Omikron-Fälle könnte Bremen eine potenzielle Massen-Quarantäne bevorstehen. Mit kürzeren Quarantäne-Zeiten könne man dem entgegengehen, heißt es nun.

Knapp 7.500 Menschen in Bremen sind aktuell in Quarantäne – Tendenz steigend. So viele waren es noch nie. Auch die Corona-Inzidenz ist in Bremen im Bundesvergleich am höchsten. Gemeinsam mit diesen Zahlen wächst die Sorge vor einem bislang noch nicht da gewesenen Szenario: Eine Massen-Quarantäne, die enorme Auswirkungen auf die kritische Infrastruktur haben könnte. Die könnte zusätzlich durch Bremens aktuelle Regelung befördert werden, dass auch geimpfte Kontaktpersonen von Omikron-Infizierten zurzeit noch die gesamten 14 Tage absitzen müssen.

Angesichts dessen müsse man erwägen, die Regelung zu ändern, meint der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. Omikron sei zwar infektiöser, "es gibt aber offenbar auch erste Daten, die darauf hinweisen, dass es vor allem in den ersten Tagen infektiös ist – und dann aber schneller abnimmt." Zusammen mit der geringeren Schwere der Erkrankung sei das eine Grundlage zu überlegen, dass man "ein paar Tage früher" aus der Quarantäne rausgeht, so Zeeb.

Vor allem den kritischen Bereichen der Infrastruktur, wie zum Beispiel Polizei und Krankenhäusern, könne das zugutekommen. Hier ist die Situation in Bremen bislang jedoch noch zu bewältigen: Die Feuerwehr kann aktuell uneingeschränkt arbeiten und beklagt lediglich sechs Corona-Fälle. Bei der Bremer Polizei sind es aktuell 70, bislang ebenfalls ohne Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit, heißt es. Auch in den vier Bremer Kliniken der Geno sei die Situation angespannt, aber stabil. Vorsichtshalber steht im Klinikum Links der Weser mittlerweile eine neue Corona-Station zur Verfügung, werde aber noch nicht gebraucht.

Stimmen nach neuen Quarantäneregeln mehren sich bundesweit

Die Bremer Gesundheitsbehörde, die wenige Tage vor Neujahr noch an der 14-Tage-Regel festhielt, könne sich angesichts der steigenden Fälle mittlerweile auch vorstellen, die Quarantäne zu verkürzen, erklärt sie auf Anfrage von buten un binnen. Man hoffe jedoch auf eine bundeseinheitliche Lösung – diese könnte mit dem anstehenden Bund-Länder-Gipfel am 7. Januar ins Haus stehen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte am vergangenen Wochenende bereits angekündigt, dass es wohl neue Beschlüsse unter anderem zu möglichen zusätzlichen Kontaktbeschränkungen und zu Quarantänefristen geben werde.

Auch Klinikärzte fordern Verkürzung für Kontaktpersonen

Zugleich mehren sich bundesweit die Stimmen, die sich für mildere Quarantänemaßnahmen aussprechen. Neben dem Virologen Christian Drosten fordern etwa auch Deutschlands Klinikärzte eine substanzielle Verkürzung der Quarantäne-Zeit für Omikron-Infizierte und Kontaktpersonen, die in wichtigen Versorgungsbereichen arbeiten.

"Genesene und Geimpfte sollten nach sieben Tagen wieder zur Arbeit gehen dürfen, wenn sie am sechsten Tag nach Feststellung einer Omikron-Infektion einen PCR-Test machen und dieser negativ ausfällt", sagte Michael Weber, Präsident des Verbandes der leitenden Krankenhausärzte (VlK), der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Für enge Kontaktpersonen von Omikron-Positiven solle die Quarantänepflicht ganz entfallen, falls diese in der kritischen Infrastruktur beschäftigt seien, sagte Weber weiter.

Warum Bremens hohe Corona-Inzidenz auch Grund zur Hoffnung bietet

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. April 2022, 19:30 Uhr