Bremer Epidemiologe befürwortet Anpassung der Quarantäneregeln

Der Epidemiologe Hajo Zeeb im Interview.

Diskussion um Quarantäne-Dauer

Bild: Radio Bremen
  • Wegen der Omikron-Variante wächst die Sorge vor vielen Quarantäne-Fällen
  • Epidemiologe Hajo Zeeb befürwortet Anpassung der Quarantäne-Regeln
  • Die Bundesregierung hält eine Änderung der Bestimmungen für möglich

Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb hat sich dafür ausgesprochen, die Quarantäneregeln für Geimpfte und Genesene anzupassen. "Vor allem Menschen, die keine Symptome haben, sollten nach fünf oder sieben Tagen die Möglichkeit haben, mit einem negativen PCR-Test die Quarantäne zu verlassen", sagte Zeeb zu buten un binnen.

In Deutschland werden wegen der Omikron-Variante des Coronavirus in den kommenden Wochen rasant steigende Infektionszahlen erwartet. Omikron gilt als ansteckender als die Delta-Variante und breitet sich schneller aus. Nach Modellrechnungen könnten Millionen Arbeitnehmer gleichzeitig ausfallen, weil sie erkranken oder als Kontaktpersonen in Quarantäne müssen.

Zeeb: Mehr Tests nötig

Nach Ansicht von Zeeb laufe man ohne eine Anpassung der Quarantäneregeln Gefahr, ganze Bereiche – wie etwa Schulen – "leer zu räumen". Mit Blick auf Ungeimpfte hält der Epidemiologe es allerdings weiterhin für ratsam, bei der bisherigen Quarantäne-Dauer von 14 Tagen zu bleiben. Um eine Verkürzung der Quarantäne zu ermöglichen, müssten allerdings die Corona-Testkapazitäten hochgefahren werden, so Zeeb. Wie das Bremer Gesundheitsressort zu dem Vorstoß steht, ist aktuell noch unklar.

Auch in der Bundes-CDU werden die Rufe nach einer Anpassung der Quarantäneregeln lauter. "Die Hochrechnungen gehen bei der Omikron-Variante von schlimmstenfalls 700.000 neuen Infektionen pro Tag aus", sagte Sepp Müller (CDU), stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion, der "Welt". "In diesem Fall käme es tatsächlich zur Massenquarantäne." Ähnlich argumentiert der bayrische Ministerpräsident Markus Söder (CSU). "Die aktuell gültigen Quarantäneregeln bedürfen mit Blick auf eine mögliche explosionsartige Verbreitung von Omikron einer Überarbeitung", so Söder.

Die Bundesregierung strebt derzeit zwar noch keine Lockerung an, hält aber Änderungen für möglich. In der Pandemie müsse "schrittweise" auf Entwicklungen reagiert werden, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin. Die bestehenden Pandemie-Pläne des Bundes und der Länder sähen bereits "theoretisch" Möglichkeiten vor, Quarantäneregeln zu lockern. Insbesondere wenn es um die Aufrechterhaltung kritischer Infrastruktur gehe.

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten 27. Dezember 2021, 16 Uhr