9,5 Millionen Euro Bestechungsgeld? Mammut-Prozess in Bremen gestartet

Rechtsanwalt Christian Rosse (l-r), Rechtsanwalt Omar Kury, ein Angeklagter, ein weiterer Angeklagter, Rechtsanwalt Robin Kinzler und Dolmetscherin Regina Tyszkiewicz-Pelstring warten auf den Beginn der Gerichtsverhandlung.

Prozess um Bestechungsskandal beginnt vor Bremer Landgericht

Bild: DPA | Michael Bahlo
  • Drei Angeklagte stehen in Bremen vor Gericht
  • Beschuldigte sollen mit Insider-Informationen gehandelt haben
  • Bestechungsprozess soll bis Mitte 2022 dauern


Im Prozess am Landgericht Bremen um Bestechung mit Geldbeträgen in Millionenhöhe ist am Dienstag die Anklageschrift verlesen worden: Einem Bremer Industrie-Ruß-Händler wird vorgeworfen, vor Jahren Schmiergelder an zwei weitere Angeklagte gezahlt zu haben. Im Gegenzug sei er bei der Auftragsvergabe eines großen Reifenherstellers bevorzugt behandelt worden.

Der angeklagte Ruß-Händler ließ direkt über seinen Anwalt mitteilen, dass er sich zu den Vorwürfen umfassend äußern werde und sich geständig zeigen wolle. Die beiden anderen Angeklagten wollen erst im weiteren Verlauf des Verfahrens zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Der eine Angeklagte war Mitarbeiter des Reifenhändlers, der andere soll die Schmiergeldzahlungen vertuscht haben.

Prozess muss neu aufgerollt werden

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Insider-Informationen im Tausch gegen Geld – diese Idee soll ein früherer leitender Angestellter des Reifenherstellers gehabt haben. Den illegalen Deal soll er aber nicht selbst umgesetzt, sondern dafür seinen Material-Lieferanten mit einer Beratungsfirma zusammengebracht haben.

Bestechung in Millionenhöhe? Prozessauftakt im Bremer Landgericht

Bild: Radio Bremen

Für geheime Informationen über Ausschreibungen hätten die Berater insgesamt rund 9,5 Millionen Euro vom Material-Lieferanten kassiert, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Drei Angeklagte aus den beteiligten Firmen müssen sich nun wegen "Bestechlichkeit" und "Bestechung im geschäftlichen Verkehr" vor Gericht verantworten. Ursprünglich waren fünf Personen angeklagt, die Anklage gegen zwei Personen wurde aber fallengelassen.

Das Verfahren war bereits 2016 gestartet worden, wurde aber 2019 aufgrund einer Erkrankung der Richterin unterbrochen. Wegen der langen Pause muss der Prozess nun noch einmal neu aufgerollt werden. Pandemiebedingt fand der Prozessauftakt des Landgericht Bremens in der Messehalle 4 statt. Angesetzt sind mehr als 30 Termine bis Mitte 2022. Bei Verurteilung drohen den Angeklagten mehrjährige Haftstrafen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Rundschau am Morgen, 2. November 2021, 7 Uhr