Das sind die 5 größten Probleme des Bremerhavener Schifffahrtsmuseums

Ein langer flacher Bau ist in buntem Licht angestrahlt.

Das sind die 5 größten Probleme des Bremerhavener Schifffahrtsmuseums

Bild: DSM | Hauke Dressler

Der Stiftungsrat des Museums kommt heute zu einer Krisensitzung zusammen. Es geht um die Zukunft der Einrichtung. Die Liste der angeblichen Mängel ist lang.

Immer wieder stand das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven in den vergangenen Monaten in der Kritik. Ende Dezember schmiss dann Direktorin Sunhild Kleingärtner hin. Nun kommt der Stiftungsrat des Museums an diesem Donnerstagvormittag zu einer Krisensitzung zusammen. Bei dem virtuellen Treffen soll beraten werden, wie es nach der Kündigung Kleingärtners weitergehen soll. Die fehlende Leitung ist aber nicht das einzige Problem, mit dem das Museum zu kämpfen hat. Hier die wichtigsten Baustellen kurz zusammengefasst:

1 Marode Museumsflotte

Die Halle mit Schrift "Wandel", davor Metallschrott
Die "Seute Deern" ist mittlerweile abgewrackt. Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

In die Schlagzeilen geriet das Museum, als Bremerhavens Wahrzeichen, das Segelschiff "Seute Deern", im August 2019 im Alten Hafen auf den Grund sank. Wasser war in das Schiff eingedrungen. Mittlerweile ist die "Seute Deern" abgewrackt. Sie war aber nicht das einzige morsche Schiff der Museumsflotte.

2 Sanierungsstau

Fassade des Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven
Das Hauptgebäudes ist laut Magistrat im "Zustand eines schadstoffsanierten Rohbaus". Bild: Radio Bremen

Nicht nur die Schiffe sind sanierungsbedürftig, auch die Gebäude. Das Hauptgebäude des Museums, der denkmalgeschützte Scharoun-Bau, befindet sich laut Magistrat im "Zustand eines schadstoffsanierten Rohbaus". Für die Sanierung seiner Gebäude standen dem Museum 42 Millionen Euro von Stadt und Land zur Verfügung. Doch für die Instandsetzung des Hauptgebäudes ist kein Geld mehr da.

Denn der benachbarte Bangert-Bau, der eigentlich nur eine neue Elektro-Anlage bekommen sollte, stellte sich als grundsanierungsbedürftig heraus. Somit floss viel Geld in den Bangert-Bau. Aber auch der konnte nicht fertiggestellt werden. Fertig wurde nur ein neues Forschungsdepot.

3 Kein Geld

Eine Animation zeigt ein Segelschiff in einem Hafenbecken.
So soll der Nachfolgebau der "Seuten Deern", die "Najade", aussehen. Bild: judel/vrolijk

Laut Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) fehlen allein für die Sanierung der Museumsgebäude weitere 40 Millionen Euro. Neben den schon verwendeten 42 Millionen Euro für Gebäudesanierungen von Stadt und Land soll das Museum auch 46 Millionen Euro vom Bund für einen Ersatz für die "Seute Deern" erhalten. Geplant ist ein Nachbau des Stahlschiffes "Najade". Doch ob das Geld nun auch von der neuen Bundesregierung freigegeben wird, ist offen. Der Bund fordert ein langfristiges Betriebskonzept, das es noch nicht gibt. Außerdem ist unklar, wer den Betrieb, spätere Reparaturen oder sogar Mehrkosten für den Bau zahlt.

Die 46 Millionen dürfen außerdem nur für den Nachbau der "Najade" und nicht für die Sanierung anderer Schiffe genutzt werden. Darauf hatte das Museum zunächst gehofft. Nun aber muss es die rund 6,5 Millionen Euro für die Instandsetzung der Museumsflotte anderweitig beschaffen. Der Etat des DSM reicht nach eigenen Angaben nicht für den Unterhalt der Außenanlagen inklusive Schiffsexponaten.

4 Behält das Museum den Titel "Leibniz-Forschungsmuseum"?

Walskeletts hängt an der Decke der Ausstellung im Deutschen Schifffahrtmuseum Bremerhaven
Spätestens 2024 muss das DSM eine neue Ausstellung präsentieren. Bild: DSM | Hauke Dressler

Noch heikler wird die finanzielle Situation, wenn das Museum den Titel "Leibniz-Forschungsmuseum" verliert. Die Leibniz-Gemeinschaft entscheidet in zwei Jahren, ob das Museum den Titel behält und somit 85 Prozent seines Budgets gesichert ist. Dazu muss das Museum jedoch ein Gebäude sanieren und eine neue Ausstellung präsentieren.

5 Chaotische Zustände

Eine blonde Frau im Mantel lächelt in die Kamera.
Es fehlt nicht nur eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für Direktorin Sunhild Kleingärtner. Auch in anderen Bereichen mangelt es laut einem internen Bericht an Personal. Bild: DPA | Sina Schuldt

Bisher kam viel Kritik von außen. Im Dezember vergangenen Jahres aber behauptete auch ein interner Bericht, dass es zahlreiche Mängel in der Verwaltung des DSM gebe. Den Bericht soll die neue kaufmännische Geschäftsführerin Katharina Horn, die im vergangenen Sommer ihren Job angetreten hat, verfasst und dem Stiftungsrat des DSM präsentiert haben. Die Analyse betrifft verschiedene Bereiche von der Buchhaltung über die Personalabteilung bis hin zum Vertrags- und Vergabewesen.

Die Rede ist von fehlenden Dokumenten, Rechnungen würden ohne Prüfung der Vertragsgrundlage beglichen, Abläufe seien nicht klar geregelt und interne Daten würden auf privaten Festplatten abgespeichert. Außerdem seien Mitarbeiter teilweise nicht qualifiziert, auch für die dringend notwendige Sanierung der Museumsgebäude fehle im Haus eine entsprechende Expertise.

Interner Bericht über das Schifffahrtsmuseum sorgt für Wirbel

Bild: Radio Bremen

Stiftungsrat sucht neue Geschäftsführung

Der Stiftungsrat will das Schifffahrtsmuseum nun im ersten Schritt mit einer Nachfolge für Kleingärtner wieder ins richtige Fahrwasser bringen. Der Rat müsse sich "sehr schnell" mit der Leibniz-Gemeinschaft über eine Nachfolge abstimmen, sagte Bremerhavens früherer Oberbürgermeister Jörg Schulz, der Mitglied im Stiftungsrat des DSM ist, zu buten un binnen. Kleingärtner hat zu Ende Juni gekündigt. Bis dahin begibt sie sich auf eine mehrmonatige Studienreise in die USA.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 6. Januar 2022, 6:36 Uhr