Helfen Pop-Up-Stores wirklich, Bremens Innenstadt zu beleben?

Bild: Radio Bremen

Nachhaltiges, Innovatives, Regionales: All das bringen neue Läden in die City. Ein Jahr lang wird die Miete übernommen. Doch Betreiber selbst sagen: "Es braucht mehr."

Stefan Schult muss noch über den Nebeneingang in sein neues Geschäft in der Knochenhauer Straße, die Schlüssel für die Ladentür und das schwere Eisengitter davor sind noch nicht da. Schult ist Kaufmann aus Wermelskirchen in Nordrhein-Westfalen und betreibt hier in der Bremer Innenstadt ab Anfang März einen neuen Pop-Up-Store. Neues Leben sollen diese Stores der Innenstadt einhauchen. Der Deal: Bremens Wirtschaftsförderung übernimmt die Miete, meist für ein Jahr, und in dieser Zeit ziehen die neuen Läden neue Kunden in die Innenstadt.

Senatorin Vogt: Pop-Up-Store immer eine Zwischenlösung

Schult will "brutal nachhaltige" Taschen verkaufen, Taschen aus alten Zement- oder Fischfuttersäcken, verziert mit Containergurten aus dem Hafenumschlag. Alle Geschäftspartner haben Fair-Trade-Siegel, versichert er; auch seine Hersteller in Kambodscha. Bisher habe er sein Geschäft online betrieben oder Handelspartner beliefert. In Bremen eröffnet er seinen ersten Laden.

Bremen versucht, aus seiner Not in der Innenstadt eine Tugend zu machen. Weil die Lage dort ist wie sie ist – viel Leerstand, wenig Abwechslung, wenig Originelles – dürfen es auch ruhig Experimente werden, die da für ein Jahr gesponsert werden. Nachhaltiges, Innovatives, Regionales gegen den Leerstand. "Ein Pop-Up-Store ist immer eine Zwischenlösung", sagt Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke). "Schön wäre, wenn sich der ein oder andere am Ende des Tages auch tragen würde."

Mehr als zwei Millionen Euro aus Bremen Fonds

Levon Honkomp ist Geschäftsführer des Start-Ups "Wanted Vinatage". Er kauft coole Klamotten aus Altkleidersammlungen, sein Publikum ist jung, rennt ihm die Bude ein und belebt damit die Innenstadt. "Bisher waren wir online, durch die Förderung können wir den Laden hier machen und haben auch schon Ideen für Anschlusskonzepte." Aus seiner Sicht könnte sich sein Laden irgendwann sicher auch halten. "Ja klar, warum nicht, und unser Shop ergänzt sich hier ganz gut mit dem, was schon da ist", sagt Honkomp.

Sein Vermieter ist die Brepark, also eine städtische Gesellschaft. Sein Geschäft liegt in dem Ring kleinerer Ladenlokale rund um das Parkhaus Innenstadt. Mit so einem Vermieter lässt sich gut reden, das ist nicht immer so. "Wir haben hier in Bremen aber eine ganze Menge Bremer Immobilienbesitzer, und auf die können wir auch zugehen und wegen der Mieten verhandeln, die haben am Leerstand genauso wenig Interesse wie wir", sagt die Wirtschaftssenatorin; denn sie übernimmt zwar die Miete in diesen Pop-Up- oder Konzeptstores, aber sie zahlt nicht den Marktpreis. "Das ist kein Aufbauprogramm für notleidende Immobilienbesitzer", sagt Vogt – auch die müssen sich also in diesem Konzept bewegen. Aber immerhin – auch so sind bislang schon mehr als zwei Millionen Euro Fördersumme zusammengekommen – aus dem Bremen Fonds.

"Es braucht mehr"

An den Vermietungen hängen jetzt zum Beispiel auch Fragen nach möglichen Verlängerungen. Gabriele Warszinski kann sich derzeit ganz gut vorstellen, dass sie mit ihrem Konzeptstore "Faex" in die Verlängerung geht. Sie bietet in der Sögestraße Designermode an, mit wechselnden Ausstellungen und kleinen Mode-Events, wenn die Pandemie so etwas wieder zulässt. "Wir haben hier alles gehabt, vom Lockdown bis zur Sommer-Euphorie", bilanziert sie.

Eigentlich ist sie damit mobil unterwegs, für kurze Wochenfristen in verschiedenen Städten, immer auf der Suche nach geeigneten Orten. Das Bremer Förderprogramm hat ihr jetzt den ersten festen Store ermöglicht. "Wir bringen schon neue Akzente, aber es braucht mehr, auch um uns herum, damit die Innenstadt wieder mehr Leben bekommt, da ist noch viel Arbeit.", so Warszinski.

Keine Chance für Ecofair wegen der Pandemie?

Für Urs Siedentop ist das Experiment beendet. Er wird in wenigen Woche sein Ecofair-Geschäft in der Obernstraße schließen. "Uns fehlt in der Pandemie einfach die Frequenz", sagt er. Im Lockdown ist er gestartet, nur der Dezember war ganz okay, das reicht nicht. Ecofair bündelt unter seinem Dach mehr als zehn Anbieter von ökologisch produzierten und fair gehandelten Waren. 600 Qudratmeter hat er dafür angemietet, in zwei Etagen, "und das ist auch so ein Problem, selten, dass sich jemand mal nach oben verirrt hat", erzählt er. Ob er wohl noch einmal zurückkommt, irgendwann? Schwer zu sagen.

Derzeit arbeitet die Wirtschaftssenatorin an einem Antrag, den Bund zur Finanzierung der Innenstädte mit ins Boot zu holen. "Wenn der Bund mitspielt, kann ich mir eine weitere Runde durchaus vorstellen", bilanziert Vogt. Sie bilanziert auf der Habenseite schon die Belebung im Leerstand der Innenstadt, als Zwischenlösung. "Aber irgendwann müssen sich die neuen Läden auch selbst tragen, schließlich leben wir nicht in einer Planwirtschaft", sagt die Wirtschaftssenatorin von den Linken.

Wie wollen Sie die Bremer City beleben, Herr Zillich?

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  • Markus Daschner Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Februar 2022, 19:30 Uhr