Interview

Impfen an Bremens Ausgehmeilen und Shishabars – hilft das der Quote?

Zum Impfen "verführen" - muss/kann/darf man das? Live-Tel Sonia Lippke

Menschen warten in der Schlange eines mobilen Impfteams neben Karstadt und Wurstbude
Impfen dort, wo die Menschen ihre Freizeit verbringen. Bild: DPA | Fabian Sommer
Bild: DPA | Fabian Sommer

Nicht warten, bis jemand kommt, sondern Menschen direkt aufsuchen, um sie zu impfen. Das fordert der Bund. Eine Gesundheitsexpertin in Bremen begrüßt die Strategie.

Anders als in Frankreich oder Griechenland soll es in Deutschland für bestimmte Berufe keine Impfflicht geben. Um die Impfquote trotzdem zu erhöhen, meint der gesundheitspolitische Sprecher der SPD Karl Lauterbach, müsse man den Impfstoff nun zu den Menschen in die Shishabars oder an die Ausgehmeilen bringen. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) möchte eine "kreative Impfkampagne" — Impfen vor Sportplätzen, Kirchen oder in einem Drive-in.

Bremen hat bereits ein Impfmobil, das durch die Stadtteile tourt. Kann man aber so tatsächlich Menschen, die skeptisch gegenüber Impfungen sind, überzeugen? Dazu Gesundheitspsychologin und Verhaltensmedizinerin Sonia Lippke.

Frau Lippke, sind mobile Impfteams beispielsweise in Shishabars eine gute Idee?
Es ist auf jeden Fall eine sehr sinnvolle Idee, die Menschen da zu erreichen, wo sie sind. Sinnvoller als sie durch motivierende Strategien zu bewegen, sich irgendwo einen Impftermin zu besorgen. Das ist vielleicht für einige schwierig und auch mit anderen Lebenszielen nicht so vereinbar.
Kann dieser Weg nicht auch als zu offensiv wahrgenommen werden?
Das kann schon sein, aber im Endeffekt geht es darum, dieses Verhalten zu adressieren. Man will die Menschen dazu bewegen, an der Impfung teilzunehmen und dafür die Hürden so niedrig wie möglich halten. Von daher wird es sehr viel wirksamer sein als irgendwelche Werbekampagnen oder Werbespots.
Was halten Sie von Druckmitteln, Strafen und einer Impfflicht wie es gerade in Griechenland und Frankreich gehandhabt wird?
Das kann voll nach hinten los gehen, weil man Menschen einfach verlieren oder sogar das Bedürfnis nach bewussten Verstößen erreichen könnte. Das kennen wir zum Beispiel aus Bereichen wie Drogen: Ein Verbot führt hier nicht unbedingt dazu, dass weniger Drogen konsumiert werden. Man müsste hier andere Maßnahmen ergreifen, um den Menschen klarzumachen, dass das kein sinnvolles Verhalten ist.

Genauso ist es bei der Impfung: Es müssen die Gründe verstanden werden, warum einige sich nicht impfen lassen wollen. Und oft sind das einfach Schwierigkeiten, sich einen Termin zu besorgen oder eine Frustration, weil einige erst ganz hinten in der Priorisierungsliste standen. Und wenn man dann sagt: 'Komm wir bieten euch jetzt einfache Angebote an, dann funktioniert das meistens am besten.'
Aber sollten sich Menschen nicht einfach ohne Einflussnahme von außen selbst entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollen?
Das wird dann genauso weitertrudeln wie in der letzten Zeit. Wir werden viele Menschen erreichen, aber eben nicht alle. Es gibt dann sicherlich auch Gründe, die man sich anschauen muss — wie beispielsweise Angst oder Bedenken wegen Langzeitfolgen. Da sollte dann weiterhin vertrauenswürdig kommuniziert werden, damit diese Ängste überwunden werden können.

Impfmobil zum ersten Mal in Bremen im Einsatz

Video vom 30. Juni 2021
Ein Impfmobil mit einem mobilen Team steht in einem Stadtteil von Bremen um dort die Menschen gegen das Coronavirus zu impfen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Reza Vafa Moderator

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 14. Juli 2021, 07:36 Uhr