Wie es in Bremer Schulen und Kitas nach den Sommerferien weitergeht

Ein Junge sitzt an einem Tisch und schreibt etwas in ein Schulheft. Auf dem Heft liegt eine Maske.
Auch im Präsenzunterricht soll laut Pressesprecherin der Bildungsenatorin digitaler Unterricht stattfinden. Bild: DPA | Fotostand

Aufhebung der Präsenzpflicht, Maskenpflicht für Kinder und Jugendliche, dazu Coronatests: Die Pandemie hat viel von Kindern gefordert. Das will Bremen künftig anders machen.

Ab Montag soll die Maskenpflicht auch in weiterführenden Schulen aufgehoben werden. Grund sind die niedrigen Inzidenzwerte der vergangenen Wochen. Das macht Hoffnung für das nächste Schuljahr: Auch die Kultusministerkonferenz (KMK) ist überzeugt, dass es im nicht mehr zu Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie kommt. Dafür seien ausreichend Vorbereitungen getroffen.

"Beschäftigte und auch viele Eltern werden geimpft sein, die Ausgangslage ist damit eine andere, ohne dabei die Risiken zu übersehen. Es werden auch einige – vermutlich wenige Schülerinnen und Schüler – geimpft sein", sagt Annette Kemp, Pressesprecherin der Senatorin für Kinder und Bildung. Es bleibe jedoch bei Tests für Beschulte und auch – auf freiwilliger Basis – für Kita-Kinder.

Änderungen bei Unterrichtsplanung und Abschlussprüfungen

In der Unterrichtsplanung müsse man sich weiterhin auf die Pandemie einstellen. "Das geschieht beispielsweise mit der Aktualisierung des zurzeit gültigen Rahmenplans sowie der Pläne für die einzelnen Fächer, die es für dieses Schuljahr gegeben hatte. Und natürlich mit der weiteren Implementierung des digitalen Unterrichts, ob in Präsenz, Hybrid oder Distanz." Rahmenpläne formulieren die Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler während ihrer Schulzeit erwerben sollen, um den gesellschaftlichen Anforderungen gewachsen zu sein und somit die Bildungsstandards zu erfüllen.

In einem Rahmenkonzept vom August 2020 habe die Senatorin die Grundprinzipien für den Unterricht in Distanz festgelegt – inklusive digitaler Lehre. Auch für Abschlussprüfungen denke die Kultusministerkonferenz über weitere nötige Schritte nach.

Ein Zurück zum 'alten Streml' wird es nicht geben. Präsenz heißt nicht, keinen digitalen Unterricht zu haben.

Annette Kemp, Pressesprecherin der Senatorin für Kinder und Bildung

"Ein Zurück zum 'alten Streml' wird es nicht geben. Präsenz heißt nicht, keinen digitalen Unterricht zu haben", stellt die Pressesprecherin der Bildungssenatorin klar. Einige Schulen hätten es bereits geschafft, differenzierten Unterricht so zu gestalten, dass Schülerinnen und Schüler mit Apps in ihrem eigenen Tempo lernen können, auch in Präsenz.

Mehr Praxis im Unterricht

Als weiteres positives Beispiel nennt sie die Oberschule Sebaldsbrück, die seit kurzem projektorientierten Unterricht im Freien anbietet. Auf dem Gelände der ehemaligen Rennbahn könnten so Schülerinnen und Schüler praktische Erfahrungen sammeln – und statt bloßem Sachwissen auch Kompetenzen entwickeln.

Abi mit Abstand: So bereiten sich Bremer Schüler auf den Abschluss vor

Video vom 23. April 2021
Eine Abschlussklasse ist im Präsenzunterricht im Klassenraum anwesend. Alle tragen Masken und haben ihre Tablets bei sich.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Ebenfalls eine neue Förderung bietet der Verein Chancenwerk an. Um Schülerinnen und Schüler mehr Lernzeit und Unterstützung in der Phase vor den Prüfungen zur Berufsbildungsreife, dem Mittleren Bildungsabschluss (MSA) und dem Abitur zu bieten, bietet dieser seit Januar digitale Kurse an. Angemeldet hatten sich dafür zunächst 300 Jugendliche, die zusätzlich zum Unterricht und auch später in der Selbstlernphase, online auf die relevanten Prüfungsfächer vorbereitet wurden.

Wlan in allen weiterführenden Schulen

35 Millionen Euro hat das Land Bremen in Ipads für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte investiert. Gab es vor Corona rund 25.000 tägliche Zugriffe von 9.000 Nutzern auf die Online-Lernplattform "Itslearning", sind es aktuell bis zu 500.000 von 60.000 Personen. Das geht aus einem Bericht der Bildungssenatorin vom Juni hervor. "Alle Schulen haben Wlan, nur nicht in allen Räumen. Rund 95 Prozent aller öffentlichen weiterführenden Schulen sind gut mit Wlan ausgeleuchtet", schätzt Kemp ein. Dies gelte mittlerweile auch für rund 75 Prozent der Grundschulen.

Martin Stoevesandt, Vorstandssprecher beim Zentralen Elternbeirat Bremen (ZEB), kann das nicht bestätigen: "Nach dem, was wir hören, funktioniert das Wlan leider nicht überall. Zum Teil wurden Surfsticks ausgeteilt, aber wohl nicht genug."

Knapp eine Millionen Euro für Luftreiniger

Insgesamt 956.798 Euro hat das Land seit Beginn der Corona-Pandemie für Luftreinigungsgeräte und Lüftungsampeln, die den CO2-Gehalt der Raumluft messen, ausgegeben. "In der Stadt Bremen sind an den öffentlichen Schulen derzeit rund 2.400 mobile Lüftungsgeräte im Einsatz. Bestellungen sind, wie seit Monaten, auch weiterhin möglich – auch für Kitas", so Kemp. In Bremerhaven wurden bislang 136 Luftreinigungsgeräte in Grundschulen installiert, 100 kommen am 17. Juni 2021 dazu, "dann sind nahezu alle Grundschulen in Bremerhaven mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet", so Volker Heigenmooser, Pressesprecher des Magistrats der Stadt Bremerhaven.

Kein Regelbetrieb in Bremer Kitas

Kinder und Erzieherinnen sitzen in einer Kita in einem großen Kreis.
Trotz Lockerungen kehren Kitas noch nicht in den Regelbetrieb zurück. Bild: DPA | Sina Schuldt

Anders als in den Schulen besteht in Kitas weiterhin eingeschränkter Regelbetrieb. "Fast alle Kinder sind in den Kitas. Es gibt allerdings Familien, die seit Beginn der Pandemie aus Angst vor Ansteckung ihre Kinder nicht in die Kita lassen", erklärt Sabine Hatscher, Sprecherin der Bremischen Evangelischen Kirche. Die Evangelische Kirche betreut in Bremen 4.600 Kinder und ist damit der größte Träger.

Fast alle Kinder sind in den Kitas. Es gibt allerdings Familien, die seit Beginn der Pandemie aus Angst vor Ansteckung ihre Kinder nicht in die Kita lassen.

Sabine Hatscher, Sprecherin der Bremischen Evangelischen Kirche

Aktuell gilt: In Kohorten bis 60 Kindern darf übergreifend gearbeitet werden, die Familien erhalten zweimal wöchentlich Tests für die Kinder, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten fort. Für alle Personen ab zwölf Jahren gilt Maskenpflicht. "Die Verpflichtung zur Anwendung der bereitgestellten Selbsttests gilt für alle Mitarbeitenden ohne Ausnahme", so Hatscher. Zwar sei ein Großteil der Mitarbeitenden bereits zweimal geimpft, dennoch gelten auch für diese die Regeln. "Wer noch keinen Impftermin erhalten konnte, erhält ab Mitte Juni ein Impfangebot durch die Bremische Evangelische Kirche", verspricht sie.

Lüftungsanlagen seien in den Kitas des Trägers bislang nicht im Einsatz. "Unser betrieblicher Arbeitsschutz hat den Einsatz nicht empfohlen, da die Wirksamkeit in Frage steht. Unsere Räume in den Kitas sind gut zu lüften", begründet die Sprecherin diese Entscheidung.

Digitale Team-Besprechungen und eine Familien-App

Für Team-Besprechungen, Zusammenkünfte mit Elternbeiräten, Fachberatung und Fortbildungen sowie Maßnahmen in der Frühförderung habe man digitale Formate entwickelt und erprobt. "Diese werden wir zum Schutz aller Beteiligten, wo es nötig ist, weiter einsetzen und zum Teil auch zukünftig nutzen, wenn sie effizienteres Arbeiten oder bessere Beteiligung ermöglichen", so Hatscher weiter.

Zudem biete die Bremische Evangelische Kirche künftig eine App an, damit sich die Kita-Teams untereinander und mit den Eltern vernetzen und so besser informieren können. "Die Plattform gibt Familien kostenlos Einblick in den Kita-Alltag von A wie Abmeldung bis Z wie Zebragruppe, und alle Beteiligten sind unmittelbar erreichbar." Bis zum kommenden Kindergartenjahr sollen alle Kitas des Trägers mit der App arbeiten können.

Senat hebt Maskenpflicht an Schulen im Land Bremen auf

Video vom 15. Juni 2021
Schüler und Schülerinnen einer Oberstufenklasse sitzen zusammen im Unterricht und tragen medizinische Masken.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Johanna Ewald Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Juni 2021, 19.30 Uhr