Welche Zukunft haben die Corona-Testzentren in Bremen?

Ein Mitarbeiter sitzt in einem Corona-Schnelltest-Zentrum im Bilderberg Bellevue Hotel.
Wird es in Zukunft die Corona-Schnelltestzentren noch geben? (Symbolbild) Bild: DPA | Sebastian Kahnert

Immer weniger Aktivitäten erfordern einen Schnelltest, die Finanzierung durch den Bund könnte reduziert werden. Lohnt sich der Betrieb der Testzentren noch?

Die Inzidenzwerte sinken, die Zahl der Geimpften steigt – und nach dem Skandal um Corona-Schnelltestzentren, die ihre Zahlen angeblich gefälscht haben, sollen die Teststellen künftig eine geringere Vergütung für die kostenlosen Corona-Tests erhalten. Viele Betreiber fragen sich daher, ob es sich weiterhin lohnt, die Testzentren überhaupt zu betreiben.

In Niedersachsen haben bereits die ersten geschlossen, wie der NDR berichtet. Grund seien die sinkenden Zahlen der Testwilligen. Immer mehr Menschen seien geimpft, für sie entfalle die Testpflicht, hieß es. Wie sieht es in Bremen aus?

Gesundheitsbehörde: Angebot wird noch gut genutzt

Das Gesundheitsressort weist darauf hin, dass das Testangebot noch gut angenommen werde. "Am Wochenende hat man in der Messehalle 3 etwa 800 Tests pro Tag durchgeführt", sagt der Sprecher, Lukas Fuhrmann. An den Wochenenden seien die Zahlen für gewöhnlich etwas höher als innerhalb der Woche. Das Deutsche Rote Kreuz, das das Testzentrum für die Gesundheitsbehörde betreibt, sieht das ähnlich. "Sich testen zu lassen ist im Moment aktueller denn je", sagt Sprecher Lübbo Roewer.

Der Bedarf ist weiterhin hoch.

Lübbo Roewer, DRK-Sprecher

Auch weitere Betreiber bestätigen, dass sie ihre Tätigkeit weiterführen wollen. "Als Verein haben wir hier Vorteile gegenüber den gewerblichen Anbietern und werden daher – grundsätzlich bedarfsabhängig – unser Angebot weiter aufrechterhalten", teilt Martin Schultze, Geschäftsführer des Bremer Hockey- Clubs, auf Nachfrage mit. Der Club hat in Bremen ein Schnelltestzentrum.

Private Betreiber unsicher, ob sie weiter Tests anbieten

Anders drückt sich Simon Froese aus, Projektleiter der Firma LIMA, die mehrere Teststationen in Bremen betreibt. "Bei einer faktischen Halbierung der Entlohnung ist es uns tatsächlich nicht mehr möglich, unseren Service weiterhin kostendeckend aufrechtzuerhalten", sagt er. Wie die "Welt am Sonntag" berichtete, könnten laut einem Eckpunktepapier des Gesundheitsministeriums künftig maximal elf Euro pro Test abgerechnet werden.

Froese übt starke Kritik an den bundespolitischen Entscheidungen im Rahmen des mutmaßlichen Testzentren-Betrugs.

Unsere Politik erkennt ihre eigenen Fehler nicht… Der Betrug hängt nicht mit der Höhe der Vergütung zusammen, sondern damit, dass die Abrechnungen nicht kontrolliert wurden und die Kompetenz dahinter nicht definiert war.

Simon Froese, LIMA-Projektleiter

Jan Patrick Wolters, technischer Leiter des Covid-19 Testcenters am Flughafen Bremen und Betreiber mehrerer Teststationen, ist eher zurückhaltend. Noch seien die konkreten Pläne des Ministeriums nicht bekannt, schiebt er vorweg.

Selbstverständlich werden wir eine mögliche Reduktion der KV-Vergütungen auf Wirtschaftlichkeit für unser Unternehmen prüfen müssen, sodass wir zum aktuellen Zeitpunkt keine Aussage treffen können, ob wir über den 30. Juni 2021 kostenlose Bürgertestungen anbieten werden.

Jan Patrick Wolters vor dem Bayernzelt vom Bremer Freimarkt.
Jan Patrick Wolters, Covid-19 Testcenter Airport Bremen

Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KVHB), die zwei Zentren betreibt, geht davon aus, dass "die Nachfrage nach Schnelltests infolge der Öffnungsschritte kurz- bis mittelfristig zurückgehen wird und sich viele der privaten Anbieter vom Markt zurückziehen werden".

Künftige Finanzierung noch unklar

Noch ist unklar, wie es mir der Finanzierung der Bürgertests weitergeht. Sie wird aktuell vom Bund übernommen. Eine neue Testverordnung wird gerade vorbereitet, eine Verlängerung wäre möglich. "Nach unserem Stand hängt das von der epidemiologischen Lage ab", sagt Gesundheitsressort-Sprecher Lukas Fuhrmann. "Wir gehen davon aus, dass sie um drei weitere Monate verlängert wird". Eine weitere Finanzierung durch den Bund sei wichtig, die kostenlosen Schnelltests lieferten einen guten Beitrag, fügt er hinzu.

Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin teilte auf Nachfrage mit, dass die neue Testverordnung gerade "regierungsintern noch abgesprochen wird". Die Frage nach der Kostenübernahme könne erst dann beantwortet werden. Auch zur Höhe der Ausgaben, die den Zentren künftig erstattet werden könnten, wollte sich das Ministerium noch nicht äußern.

Kosten der Bürgertests konnten nicht ermittelt werden

Unklar ist, wie viel die kostenlosen Schnelltests den Steuerzahler bislang gekostet haben. Laut Daten des Bundesgesundheitsministeriums sind der KVHB für den Monat März 1,4 Millionen Euro überwiesen worden. Dabei sind jedoch auch Ausgaben für Kontigenttestungen in Einrichtungen und teilweise PCR-Tests enthalten.

Das Bundesamt für soziale Sicherung, das das Geld an die KVHB überweist, kommt auf noch höhere Zahlen, und zwar auf etwa 1,75 Millionen Euro exklusive Testungen in der Eingliederungshilfe. Die Summe umfasst jedoch auch Ausgaben für die Auswertung, Ergebnismitteilung sowie die Kosten für Corona-Tests in den Arztpraxen vom Januar bis März, wie BAS und KVHB erläutern.

Für die Monate April und Mai liegen noch keine Daten vor. "April wird im Juni und Mai im Juli beim Bundesamt für soziale Sicherung angefordert und ausgezahlt", sagt dazu die KVHB.

Rückblick: Was bringen die kostenlosen Schnelltests in Bremen?

Video vom 29. März 2021
Ein Mensch in Schutzkleidung hält einen Corona-Schnelltest in den Händen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Serena Bilanceri Autorin
  • Lieselotte Scheewe

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. Juni 2021, 19:30 Uhr