Lösung für Schrott-Immobilien im Delmenhorster Wollepark in Sicht

  • Bürgermeister sieht bei den Eigentümern Signale für Verkaufsbereitschaft
  • Er hofft, dass die Sache in zwei Jahren erledigt ist
  • Niedersachsens Ministerpräsident sagt weitere Unterstützung zu
Die fassade des Gebäudes "Wollepark" in Delmenhorst.
Der Wollepark in Delmenhorst besteht aus mehreren Plattenbauten. Einige wurden bereits abgerissen.

Für die beiden seit zwei Jahren verriegelten Hochhäuser im Problemviertel Wollepark in Delmenhorst scheint eine Lösung in Sicht zu sein. Die Eigentümergemeinschaft habe signalisiert, nun doch einem Verkauf zuzustimmen, sagte Delmenhorsts Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD) während eines Besuchs von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Montag im Wollepark. Sobald die Stadt die Häuser gekauft habe, werde sie sie abreißen, sagte Jahnz. "Ich bin nicht gewillt, solche Wohnverhältnisse zuzulassen", betonte er. Er hoffe, dass die Sache in zwei Jahren erledigt sei. Anschließend sollten neue Wohnungen und eine sozialer Infrastruktur entstehen, zu der auch ein neuer Kindergarten gehöre. Dies alles werde mehrere Millionen Euro kosten. "Aber solche Erscheinungen wird es hier nie wieder geben", unterstrich Jahnz mit Blick auf den Konflikt um die beiden Wohnblöcke.

Vor zwei Jahren geriet das Quartier in die Schlagzeilen, als der Energieversorger zwei Wohnblöcken mit 80 Wohnungen und rund 350 Bewohnern den Strom, das Gas und das Wasser abdrehte. Die Vermieter hatten Zahlungen ihrer Mieter nicht weitergeleitet. Zuletzt wurden die Häuser für "unbewohnbar" erklärt und Anfang Oktober 2017 versiegelt. Die Bewohner mussten sich andere Wohnungen suchen.

Niedersachsen sagt weiter Unterstützung zu

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat der Stadt Delmenhorst bei seinem Besuch am Montag weitere Unterstützung bei der Sanierung des Wolleparks zugesagt. Aus seinen Erfahrungen als Oberbürgermeister von Hannover wisse er um die Nöte sozialer Brennpunkte. Er wollte sich aber nicht auf eine bestimmte Summe festlegen. "Wenn es nach mir geht, wird die städtebauliche Förderung nach wie vor weitergehen", sagte er. In der Stadt gebe es einen großen Handlungsbedarf. "Und ich weiß, dass der Weg städtebaulicher Maßnahmen eigentlich nie zu Ende geht."

Neues Gesetz soll Mieter und Kommunen schützen

Weil kündigte außerdem ein neues Wohnraumschutzgesetz an, das Mieter und Kommunen vor Schrottimmobilien schützen soll. Das Gesetz befinde sich bereits in der letzten Phase der Verbandsanhörung und solle Anfang kommenden Jahres dem Landtag vorgelegt werden. Damit sollen die Kommunen künftig schneller bei unzumutbaren Wohnzuständen eingreifen können als bisher.

Das neue Gesetz schreibt Mindestbedingungen fest – etwa eine ausreichende natürliche Beleuchtung und Belüftungsmöglichkeiten. Außerdem muss jede Mietwohnung über Anschlüsse für Energie- und Wasserversorgung, eine Feuerstätte oder eine Heizung sowie eine Sanitäreinrichtung verfügen. Sollte der Wohnraum im äußersten Fall für unbewohnbar erklärt werden, muss der Vermieter nach dem Gesetzentwurf die Bewohner auf eigene Kosten anderweitig unterbringen. Verstöße sollen mit bis zu 50.000 Euro geahndet werden.


Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 18. November 2019, 10 Uhr