So planen die Bremer Uni und die Hochschulen das nächste Semester

Video vom 29. Juni 2021
Der Campus mit ein paar Studenten und die Mensa der Universität Bremen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Wie geht es an der Uni und den Hochschulen in Bremen weiter? Zwei Studierende berichten, was im nächsten Semester verbessert werden sollte und was gut läuft.

Mittlerweile ist es das dritte Semester, das online stattfindet. Die Lernsituation an Universitäten und Hochschulen sei weiterhin problematisch, sagt die niedersächsische Landesastenkonferenz (LAK). Doch wird im Winter alles anders werden?

"Wir gehen davon aus, dass zum Wintersemester alle, die geimpft werden wollen, auch vollständig geimpft sein werden. Dementsprechend werden wir versuchen, Lehren und Lernen im Wintersemester so umfangreich wie möglich wieder in Präsenz auf dem Campus anzubieten", verspricht Thomas Hoffmeister, Konrektor für Lehre und Studium der Uni Bremen. Für den Fall des Auftretens einer resistenten Virusmutante sei man allerdings auch vorbereitet, sehr schnell hybride Szenarien bis hin zur reinen Onlinelehre umzusetzen – je nach Grad der Pandemiesituation.

Weniger Prüfungen, längere Studienzeiten

Auch wenn sich keine Corona-bedingten Studienabbrüche feststellen ließen, so seien in den bisher ausgewerteten Semestern etwas weniger Prüfungen abgelegt worden. "Das kann sich bereits studienverlängernd auswirken." Deshalb seien die Beschlüsse, dass die Corona-Semester nicht auf die Bafög-Regelstudienzeit angerechnet werden, unbedingt erforderlich.

Was Bremen aus der Corona-Pandemie lernt

Video vom 17. Juni 2021
Passanten laufen in der Bremer Innenstadt in der Sögestraße zwischen den Einkaufsläden entlang.
Bild: Radio Bremen
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Aufgefallen sei zudem eine deutlich höhere Nachfrage der psychologischen Beratungsstelle des Studierendenwerks. Dass dies nicht nur ein Bremer Phänomen ist, zeigt die Auswertung des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur: Die bisherigen Corona-Semester hätten dazu geführt, dass Studierende mit mehr psychischen Belastungen zu kämpfen haben als zu Beginn der Pandemie. Eine Ministeriumssprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass "die psychosozialen Beratungsangebote der Hochschulen deutlich stärker nachgefragt werden".

Das soziale Leben fehlt beim digitalen Studium

"Wir wissen, dass für unsere Studierenden das soziale Erleben des Studiums auf dem Campus sehr wichtig ist. Das wollen wir so schnell es geht wieder ermöglichen", verspricht der Konrektor. Dem stimmt der 26jährige BWL-Student Philipp Wierzchowski zu: "Es ist zwar auch cool, mal im Home Office zu arbeiten, aber ich würde auch gerne mal wieder eine Mittagspause mit anderen verbringen. Oder zusammen in die "BiB" (Universitätsbibliothek) gehen. Party machen, neue Leute kennenlernen: das vermisst jeder."

Ähnlich geht es Lea Remke. Die 23-Jährige studiert Rechtswissenschaften im sechsten Semester an der Uni Bremen. "Insgesamt hat man deutlich weniger Kontakt zu Kommilitonen. Dadurch fehlen neben dem persönlichen auch der fachliche Austausch. Sich gegenseitig zu unterstützen fällt völlig weg." Viele Kommilitonen seien jetzt auch wieder zurück in die Heimat gezogen. "Dadurch hat sich meine Clique komplett zerstreut", so die Studentin.

Kritik an der Uni: schlechte Kommunikation

Ob sich die digitale Lehre im Laufe der drei Semester verbessert habe? "Nein. Im Endeffekt setzt sich der Professor vor seinen Bildschirm, die Studierenden hören zu. Mehr ist das nicht. Einzelne Professoren arbeiten interaktiver, aber das sind seltene Beispiele", resümiert Wierzchowski. Am meisten störe ihn, dass viele Professoren ihre Veranstaltungen nicht vorausschauend planen. "Spontan werden Klausuren zu alternativen Prüfungleistungen. Insgesamt ist die Organisation der Seminare oft unverständlich."

Ich finde, die Uni hat nicht versagt. Diese Pandemie ist ein Lernprozess für uns alle.

Lea Remke, Studentin

Anders ist Remkes Einschätzung: "Insgesamt habe ich gerade den Eindruck, dass alle positiver gestimmt sind und die digitalen Abläufe viel selbstverständlicher laufen. Dass beispielsweise nicht jedes Mal ein neuer Zoom-Link erstellt wird, sondern einmal für alle Treffen. Dass vertonte Power-Point-Vorträge besser werden." Die Pandemie sei ein Lernprozess für alle. "Gerade zu Beginn war die Kommunikation mit den Studierenden echt stockend. Aber das hat sich in unserem Fachbereich mittlerweile gewandelt."

Insgesamt würde ich mir wünschen, dass man in Zukunft Präsenzlehre und digitale Lehre besser miteinander verknüpft und die Kommunikation insgesamt besser läuft.

Philipp Wierzchowski, Student

Für die Zukunft wünscht sie sich mehr Möglichkeiten für den sozialen Austausch, nicht nur den fachlichen. "Mal nachzufragen, wie man mit dem Lerndruck, der Zeitplanung zurechtkommt. Zum Beispiel im Rahmen eines Mentoren-Programms, wo sich Studierende höhere Semester für Jüngere Zeit nehmen."

Autorin

  • Johanna Ewald Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Juni 2021, 19:30 Uhr