Bovenschulte: "Offshore-Windkraft ist der Schlüssel zur Energiewende"

  • Bremer Bürgermeister und Amtskollegen fordern Ausbau der Windenergie
  • Klimaziele seien nur mit mehr Windenergie zu schaffen
  • Ansonsten drohe ein Rückbau der Branche
Die Windräder am Meer von Bremerhaven sind in der Ferne zu sehen.

Die Regierungschefs der norddeutschen Bundesländer haben erneut gefordert, den Ausbau der Windenergie wieder anzukurbeln. Dazu übergaben sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Elf-Punkte-Plan. Bei einer Pressekonferenz in Berlin warnte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), wenn nichts geschehe, drohe ein Rückbau der Branche.

Nur mit mehr Windenergie sei es bis zum Jahr 2030 zu schaffen, 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu produzieren, heißt es in dem Brief. Der Ausbau der Windenergie sei in diesem Jahr aber faktisch zum Erliegen gekommen, kritisieren die norddeutschen Länderchefs.

Ausbaudeckel soll deutlich angehoben werden

"Der Schlüssel zur Energiewende ist die Offshore-Windenergie", sagte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zu buten un binnen. Deshalb sei die Anhebung des Ausbaudeckels auf insgesamt 30 Gigawatt bis 2035 einer der zentralen Punkte des Elf-Punkte-Plans.

Im Klimapaket der Bundesregierung war die Deckelung bis 2030 zunächst von 15 auf 20 Gigawatt angehoben worden. "Das reicht uns nicht", sagte Bovenschulte. Im neuesten Entwurf des Kohleausstiegsgesetzes von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) steht sogar überhaupt nichts mehr zur Windkraft.

Wir brauchen sofort einen Ausbau der Windenergie. Wir bekommen jeden Tag Meldungen, dass es schlechter steht um unser Klima und um die Wirtschaft. Mit dem Ausbau der Windkraft wäre beidem geholfen.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Wichtig sei laut Bovenschulte auch der schnelle Ausbau der Netze, damit der in Nord- und Ostsee produzierte Strom auch in den Süden Deutschlands gelangen kann. "Dort brauchen wir schnelle Fortschritte", sagte Bremens Bürgermeister. Weitere Punkte des Briefes sind die Forderungen nach leichterem Repowering von alten Windkraftanlagen, nach mehr Beteiligung von Gemeinden durch Bürgerwindparks sowie nach einem Verzicht auf eine pauschale Abstandsregel für Windräder in allen Bundesländern.

Weichenstellung der Klimapolitik

"In den letzten Jahren sind viele Erfahrungen gesammelt worden, die mit einer erheblichen Kostenreduzierung von Anlagen zusammenhängen und verbunden waren", sagte Weil. Dabei gehe es um eine Weichenstellung in der Klimapolitik.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Klimaschutzziele werden nicht erreichbar sein, wenn nicht sehr schnell, sehr verlässlich ein Plan auf den Tisch gelegt wird, wie eigentlich die Erneuerbaren Energien ausgebaut werden sollen, insbesondere auch im Bereich der Windenergie.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil von der SPD.
Stephan Weil (SPD), Niedersachsens Ministerpräsident

Zur Zeit befinde sich die Branche aber in einer dramatischen Lage. Mehr als 40.000 Arbeitsplätze seien abgebaut worden. Wenn sich das fortsetze, werde es in Deutschland bald keine Windenergie mehr geben, heißt es in dem Brief. "Wenn wir einen deutlichen Ausbau haben, hilft das nicht nur der Windkraftbranche", sagte Bovenschulte. Auch anderswo würden Arbeitsplätze entstehen oder gesichert, etwa in der Wasserstoff-Produktion.

Eine Antwort der Kanzlerin steht noch aus. Bremens Bürgermeister ist aber optimistisch, dass er und seine Amtskollegen Gehör finden. "Letztlich gibt es absolut schlagende Argumente, die Windenergie zu fördern", sagte Bovenschulte. "Und ich bin zuversichtlich, dass die sich durchsetzen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 29. November 2019, 13 Uhr