Wiesenhof setzt bald auch auf künstliches Fleisch

  • Wiesenhof-Mutter PHW investiert in israelisches Startup
  • Es forscht an Fleisch aus dem Reagenzglas
  • Massenproduktion ist erst in einigen Jahren möglich
Eine Pinzette hält ein kleines Stück Fleisch. Im Hintergrund sind Petrischalen zu sehen.
Bild: DPA | Voisin/Phanie

Fleisch nicht mehr vom Bauern, sondern aus dem Reagenzglas – das ist längst keine Utopie mehr. Schon vor Jahren wurde die weltweit erste Frikadelle aus dem Labor vorgestellt. Jetzt steigt der deutsche Marktführer bei Geflügelfleisch in die Entwicklung von künstlichem Fleisch ein: PHW aus Niedersachsen, besser bekannt als Wiesenhof.

Das Unternehmen aus dem niedersächsischen Visbek hat sich beim jungen israelischen Startup "Supermeat" eingekauft. PHW-Vorstandschef Wesjohann geht nach eigenen Worten davon aus, dass künstlich erzeugtes Fleisch in einigen Jahren gefragt ist – ähnlich wie vegane Fleischersatzprodukte.

Bis das Retortenfleisch aber in unseren Supermärkten ausliegt, dürften noch einige Jahre vergehen. In etwa drei Jahren wolle man die ersten Restaurants beliefern, sagt Ido Savir, Geschäftsführer der kleinen israelischen Firma "Supermeat". Weitere zwei bis fünf Jahre könnten vergehen, bis die Massenproduktion für Supermärkte und Lebensmittelketten möglich ist, schätzt Savir.

Von der Faser zur Fleischmasse

PHW steigt nach eigenen Angaben als Minderheits-Eigner bei "Supermeat" ein. PHW-Chef Peter Wesjohann nennt das eine "strategische Partnerschaft": Das Unternehmen will mit seinem Know-How helfen, Fleisch aus Zellkulturen zu entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel die Erfahrungen aus der Produktion und der Hühnerzucht. Bei "Supermeat" experimentieren Wissenschaftler mit tierischen Muskelzellen. Sie regen sie im Labor an, zu wachsen und sich zu vermehren, bis eine fleischähnliche Masse entsteht. An dieser Technik wird zurzeit vor allem in den USA und den Niederlanden geforscht. Wie weit man dabei gekommen ist, zeigt ein Preisvergleich: Vor fünf Jahren schätzten Forscher den Preis für den ersten künstlichen Hamburger auf etwa eine Viertelmillion Euro. Inzwischen ist so eine Frikadelle schon für zehn Euro zu haben.

Die führenden Köpfe des israelischen Startups sehen einige Vorteile in künstlich erzeugtem Fleisch. Zum Beispiel die Chance, weniger Rohstoffe für die Produktion zu verbrauchen. "Supermeat"-Chef Savir verweist auf Studien, wonach es dank Fleisch aus Petrischalen nicht nur möglich sei, den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids zu verringern. Außerdem würde weniger Land und Wasser für die Viehhaltung verbraucht.

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 5. Januar 2018, 13 Uhr