Die Unvollendete: Wann wird die Autobahn 281 fertig?

Die Autobahnverbindung zwischen A1 und A27, den sogenannten Ringschluss, sollte es schon längst geben. So die Planung. Ob das Projekt je fertig wird?

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Es ist ein Blick in die Glaskugel. Eine Glaskugel mit blinden Flecken. Wen man auch fragt, für den Fertigstellungstermin legt niemand seine Hand ins Feuer. Es gibt sogar Stimmen, die das Ob des Ringschlusses infrage stellen.

Wenn es nach der Handelskammer Bremen geht, hätte die Autobahnverbindung schon längst fertig sein sollen. "Die Fertigstellung des Autobahnrings ist das zentrale Straßenbauprojekt Bremens", sagt Präses Janina Marahrens-Hashagen. "Im Grunde stellen die jahrelangen Verzögerungen beim Autobahnringschluss einen Stresstest für die bremische Wirtschaftsstruktur, für die auf eine gute verkehrliche Erreichbarkeit angewiesenen Unternehmen sowie für das übrige Bremer Stadtstraßennetz dar."

Längst schon rächt es sich, dass durch das jahrelange Zögern und Zaudern bremischer Verkehrspolitik die A 281 nicht bereits fertig ist und die baustellenbelastete A 1 entlasten kann.

Janina Marahrens-Hashagen (Archivbild)
Janina Marahrens-Hashagen, Präses Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven

Der Handelskammer dauern Großprojekte wie der Bau dieser Autobahn zu lange. Zu viel Planung, zu viel Beteiligung und zu viele juristische Einspruchsmöglichkeiten. Das müsse auch in Bremen schneller gehen, meint die Handelskammer.

Das sieht auch der Geschäftsführer des GVZ, Ralf Sandstedt, so: "Ich glaube, dass die Demokratie in einigen Teilbereichen an ihre Grenzen stößt, wenn die Gesetze nur noch dafür da sind, dringend notwendige Infrastrukturvorhaben dauerhaft zu verhindern und der Verzögerungsprozess eigentlich dafür da ist, das Projekt insgesamt zu verhindern", sagte Sandstedt in der A281-Sondersendung von buten un binnen. Anders als noch vor zehn Jahren stehe Bremen heute vor einem Verkehrskollaps, "wenn wir nicht in schnellstmöglicher Zeit den Ringschluss realisieren, werden wir Bremen insgesamt nachhaltigen Schaden zufügen".

Schaefer fordert schnellere Gerichtsverfahren

Bremens zuständige Senatorin Maike Schaefer (Grüne) geht derzeit davon aus, dass der Autobahnring innerhalb von sechs Jahren geschlossen wird. Beim Bauabschnitt 4, der einen Tunnel unter der Weser zwischen Seehausen und Industriehäfen beinhaltet, laufen aktuell die Vorbereitungen. Der noch fehlende Abschnitt 2/2 zwischen Neustadt und Autobahnzubringer Arsten beschäftigt derzeit das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Mehrere Bürgerinitiativen haben Klage eingereicht. Damit akzeptiere ein Akteur des Runden Tisches zur Planung der A281 den vereinbarten Kompromiss nicht mehr, sagte Schaefer buten un binnen. Sie finde die neue Planung immer noch gut und wolle sie auch gern realisieren.

Wir gehen davon aus, dass das Bundesverwaltungsgericht den Planfeststellungsbeschluss für den Bauabschnitt in der Neustadt bestätigt. Dann dürfte der Ringschluss für die A 281 inklusive Wesertunnel bei den Stahlwerken im Jahr 2025 vollendet sein.

Maike Schäfer blickt in die Kamera.
Maike Schaefer, Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau
Blick auf das bisherige Ende der Autobahn 281 in Richtung Bremen-Seehausen.
Hinterm Güterverkehrszentrum endet die A 281 mitten in einem Feld – im Hintergrund das Stahlwerk auf der anderen Weserseite.

Sollte das Gericht Einwände an den Planungen haben, müsste Bremen nachbessern. Den politischen Willen hat die rot-grün-rote Regierung in ihrem Koalitionsvertrag bekräftigt: "Die Vollendung des Autobahnringes durch die A 281 werden wir sicherstellen." In dem Papier war sogar die Rede von einer abschließenden Realisierung bis 2024. Um bei Großprojekten zukünftig schneller voran zu kommen, möchte Schaefer die Gerichtsprozesse beschleunigen. Sie brachte eine spezialisierte Kammer am Bundesverwaltungsgericht ins Spiel, die schneller angerufen werden soll, um endgültige Entscheidungen zu treffen.

Mehrere Bürgerinitiativen, die sich zusammengeschlossen haben, protestieren gegen die aktuellen A281-Pläne. Ihr Protest richtet sich vor allem gegen den Abschnitt 2/2 in der Neustadt. Dieses Stück Autobahn sei überflüssig und habe keinen zusätzlichen Nutzen, sagt Sprecher Norbert Breeger.

Der Schaden des Bauabschnitts 2/2 ist größer als sein Nutzen. Er darf nicht gebaut werden.

Norbert Breeger spricht auf einer Demonstration zu einem Fernsehteam
Norbert Breeger, Vereinigung der Bürgerinitiativen Obervieland / Huckelriede für eine menschengerechte A 281

Die Bürgerinitiativen rechnen im Herbst nächsten Jahres mit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Die Bremer Behörde hofft, dass es nicht so lange dauert. Das Gericht selbst legt sich nicht fest. Und so bleibt es im wahrsten Sinne des Wortes offen, ob der geplante Autobahnring um Bremen jemals ganz geschlossen wird.

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  • Sven Weingärtner

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. Oktober, 19.30 Uhr