Schneller Brexit? Wirtschaftssenatorin hofft auf geringe Folgen

Mit dem Wahlsieg der Konservativen in Großbritannien ist ein Brexit zu Ende Januar wahrscheinlich. Laut Wirtschaftssenatorin Vogt und der Handelskammer ist Bremen vorbereitet.

Ein Mann mit einer Nationalflagge des Vereinigten Königreichs auf dem Rücken geht über eine Straße.
Bei den britischen Parlamentswahlen haben die Konservativen um Premierminister Boris Johnson die absolute Mehrheit errungen. (Symbolbild) Bild: DPA | Monika Skolimowska

Bei der Parlamentswahl in Großbritannien haben die Konservativen von Premierminister Boris Johnson die absolute Mehrheit erreicht. Damit wird ein Ausstieg des Landes aus der Europäischen Union vielleicht schon zu Ende Januar wahrscheinlich. Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke) blickt mit Sorge auf den Ausgang der britischen Parlamentswahl: "Dieses Ergebnis beängstigt mich in vielerlei Hinsicht", teilte sie buten un binnen mit.

Bremen sei im Handel international ausgerichtet und habe die höchste Exportquote aller Bundesländer. Dabei sei Großbritannien einer der wichtigsten Handelspartner für das Land, so Vogt. Allerdings hätten sich Bremer Unternehmen und auch die bremische Verwaltung schon seit Monaten auf einen Austritt Englands vorbereitet.

Ich hoffe sehr, dass daher die negativen Auswirkungen für Bremen so gering wie möglich ausfallen werden.

Kristina Vogt, Wirtschaftssenatorin (Die Linke)

Handelsbeziehungen mit Airbus und Daimler

Vor allem der Luftfahrtstandort ist durch Airbus eng mit Großbritannien verbunden. Von dort werden Tragflächen nach Bremen geliefert und gehen von Bremen weiter nach Frankreich. Das Unternehmen hat sich laut Wirtschaftsressort aber bereits auf mögliche logistische Folgen intensiv vorbereitet. Risiken bestünden auch für Pkw und Nutzfahrzeuge, weil Großbritannien ein sehr bedeutsamer Absatzmarkt für Daimler sei. Das betreffe aber nicht Bremen allein, sondern alle Standorte des Konzerns, auch außerhalb der EU.

Die bremischen Häfen haben laut Wirtschaftsressort relativ geringe direkte Verkehre mit Großbritannien und seien daher deutlich weniger betroffen als das zum Beispiel im niedersächsischen Cuxhaven erwartet werde. Dennoch haben die bremischen Häfen demnach "insbesondere in Bezug auf die Zollabfertigung in enger Kooperation mit den Zollbehörden alle denkbaren Vorkehrungen getroffen".

Wie die weitere Entwicklung auf der handelspolitischen Seite verläuft, wird also Einfluss auf den gesamten Industriestandort Deutschland und damit auch auf Bremen haben.

Kristina Vogt, Wirtschaftssenatorin (Die Linke)

Handelskammer rechnet nicht mit unmittelbaren Nachteilen

Die Bremer Handelskammer befürchtet, dass die Handelsbeziehungen zwischen Bremen und Großbritannien durch den Brexit belastet werden. Das teilte Anja Markmann, Expertin für den internationalen Handel, buten un binnen mit. Auch sie geht davon aus, dass es nach dem Wahlsieg von Boris Johnson zu einem "zügigen Austritt Großbritanniens aus der EU" kommt. In ihren Augen sind die Bremer Unternehmen mittlerweile aber gut auf den Brexit vorbereitet. Unmittelbare Nachteile für die Bremer Wirtschaft durch den Brexit erwartet Markmann nicht.

Solange zollrechtliche Regelungen insbesondere für den Waren- und Dienstleistungsverkehr vereinbart sind und eingehalten werden, werden die wirtschaftlichen Beziehungen nicht beeinträchtigt sein und es kommt zu keinen Verzögerungen der Warenabwicklung an den bremischen Häfen oder der britischen Grenze.

Anja Markmann, Handelskammer Bremen

Allein eine weitere Hängepartie bezüglich des Brexits würde zu "unvorhersehbaren schädlichen Unwägbarkeiten" führen. Und sollten es später mit einem neuen Freihandelsabkomemmen zwischen Großbritannien und der EU Zölle fällig werden, würde das zu Preissteigerungen und sicherlich zu veränderten Warenströmen im Außenhandel kommen". Markmann geht in diesem Fall aber davon aus, dass sich die britischen Unternehmen dann Vertretungen auf dem Kontinent suchen. 

Angst vor ungeordnetem Brexit löste Import-Boom aus

Laut Industrie- und Handelskammer (IHK) haben aktuell rund 300 Bremer Firmen Geschäftsverbindungen nach Großbritannien. 55 davon wären demnach von einem Brexit umso stärker betroffen, weil sie bisher keine Erfahrungen mit dem Export ins Nicht-EU-Ausland – zu dem Großbritannien ja aller Voraussicht nach wird – haben. Die Verunsicherung der Bremer Wirtschaft über die Brexit-Frage hatte sich, kurz nach dem ursprünglichen Referendum der Briten, bereits von 2016 bis 2018 in den Ausfuhrzahlen des Bundeslandes niedergeschlagen. So sanken die Exporte laut Statistischem Landesamt von 2,24 auf 1,29 Milliarden Euro. Gleichzeitig schossen die Zahlen britischer Importe nach Bremen von 280 Millionen auf 1,66 Milliarden Euro in die Höhe. Nach Einschätzungen der Industrie- und Handelskammer war der Importzuwachs vor allem den Vorsichtsmaßnahmen geschuldet, die Bremer Unternehmen aus Angst vor einem ungeordneten Brexit getroffen hatten.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 13. Dezember 2019, 23:30 Uhr