Wie ein Ex-Grüner Bremen retten will

Er verkörperte die Grünen, jetzt greift er sie scharf an: Olaf Dinné spricht über die Ziele der neuen Wählervereinigung – und kritisiert die junge Generation.

Olaf Dinné
Olaf Dinné ist Sprecher der neu gegründeten Wählervereinigung. 24 Bürgerinitiativen haben sich ihr angeschlossen.

Olaf Dinné ist schon seit den 1960er-Jahren politisch aktiv. Zunächst war er Mitglied der SPD. 1979 zog er mit der Grünen Liste in die Bürgerschaft ein. Nach Jahrzehnten grüner Politik ist er enttäuscht – und orientiert sich noch einmal neu.

buten un binnen: Herr Dinné, Sie waren einer der ersten grünen Landtagsabgeordneten in Deutschland. Und nun gehen Sie mit Ihrer Wählervereinigung gegen die grüne Bau- und Umweltpolitik in Bremen auf die Barrikaden. Was stört Sie denn so daran?
Olaf Dinné: Ich beobachte, dass das für die Bevölkerung vorhandene Parkareal in Bremen nach und nach privatisiert und für Premiumwohnungen zur Verfügung gestellt wird. Das ärgert mich sehr, weil ich der Meinung bin, dass die Wohnungsnot in Bremen ein nicht so großes Problem ist, wie immer gesagt wird. Denn es gibt auch viele Leerstände. Und wir haben festgestellt: Wenn man Lücken bebaut, wenn man ausgewiesene Flächen bebaut, wenn man überbaut, umnutzt, aufzont und was es sonst noch gibt, dann ist massenhaft Fläche vorhanden, ohne dass man an die Grünflächen ran müsste.
Olaf Dinné im Wollpulli mit Freunden und Mitbewohnern in der WG-Küche
Olaf Dinné war 1970 Mitgründer der ersten Kommune in Bremen. Damals gehörte er noch zu den Jusos. Bild: Olaf Dinné
Aber trotzdem explodieren die Mietpreise in Bremen. Also gibt’s da doch offenbar mehr Nachfrage als Angebot?
Das sind alles zum großen Teil auch Flüchtlinge, die auch Wohnungen suchen. Und die Stadt geht mit hoher Wohngeld-Unterstützung an diese Wohnungen heran. Das treibt auch die Preise in die Höhe.
Mit ihrer Kandidatur werden Sie die Grünen schwächen. Ist das in Ihrem Sinne?
Ich sehe das nicht so, dass die Grünen diejenigen sind, die das ökologische Thema hochhalten. Jedenfalls tun sie das Gegenteil. Und dieses heuchlerische Handwerk, das wollen wir ihnen legen.
Können Sie das an Beispielen zeigen, wo die Grünen umgefallen sind oder gegen ihre eigenen Prinzipien verstoßen haben?
Es gibt viele Beispiele, zum Beispiel die Gartenstadt Werdersee. Da haben sie im Beirat zunächst gegen die Bebauung gestimmt, aber unter dem Druck ihrer Senatoren sind sie dann doch umgefallen. Oder die Platanen: Die lassen die Grünen einfach fallen. Und dann täuschen sie auch noch vor, dass das dem Deichschutz dient.
Blick über eine große Grünfläche in Richtung Weser-Stadion.
Hier – mit Blick aufs Weserstadion – soll die Gartenstadt Werdersee entstehen. Ein Projekt, das Dinné für falsch hält.
Man bekommt den Eindruck, dass Sie sich jeweils über einzelne Projekte aufregen. Wie wollen Sie sicherstellen, dass Sie nicht nur ein Sammelsurium einzelner Interessen vertreten?
Es ist kein Gegensatz zwischen diesen Interessen. Die Initiativen erleben immer wieder, dass jeder Dialog abgelehnt wird. Und wenn sie sowas von morgens bis abends, Tag ein Tag aus mitmachen, werden sie auf die Dauer sauer.
Also sind Sie Wutbürger?
Sie können mich nennen, wie Sie wollen. Ich versuche, meine Interessen und die Interessen meiner Mitbewohner gegen Investorenwillkür zu verteidigen. Ich spreche für die natürlichen Bedürfnisse der Bevölkerung. Dazu gehört auch Naturschutz. Dazu gehört auch anständige Bildung. Dazu gehört, dass die Stadt sauber bleibt.
Rudi Dutschke und Olaf Dinné
Olaf Dinné holte als Wirt der Lila Eule Rudi Dutschke nach Bremen
Das klingt ein bisschen nach dem Blickwinkel eines älteren Bürgers. Haben Sie auch einen Appell an Jüngere?
Das ist eine Grundsatzfrage, die Sie jetzt berühren. Die Jüngeren toben sich im Internet aus und meinen, wenn sie im Handy und im Internet irgendeine Erklärung abgegeben haben, dann ist das genug Engagement. Das ist eine Form von elektronischem Autismus: Ich gucke nicht mehr auf die Straße, weil da Dreck liegt. Sondern ich gucke nur noch im Internet, wo die Reklame eine glitzernde heile Welt vorspielt.
Haben Sie denn überhaupt genug Geld, um einen Wahlkampf zu stemmen?
Das ist eine sehr intime Frage. Es gibt Leute, die glauben auch, dass es die letzte Gelegenheit ist, hier in Bremen die Kurve noch mal zu kriegen. Und die sind auch bereit, dafür zu investieren.
  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Rundschau, 16. April 2018, 7 Uhr