Gen-Tests vor der Geburt: Das sagen Bremer Bundestagsabgeordnete

  • Bundestag diskutiert ethische Fallstricke von Gentests vor der Geburt
  • Anlass ist auch die Frage, ob Krankenkassen Bluttests für Down-Syndrom zahlen sollen
  • Kritiker befürchten mehr Abtreibungen von Kindern mit Trisomie 21
Nadel an der Haut eines Patienten.

Wenn eine Schwangere wissen will, ob ihr Kind mit dem sogenannten Down-Syndrom zur Welt kommt, kann schon heute ein Gen-Test helfen. Bisher werden diese Tests nicht von den Krankenkassen bezahlt, sind aber medizinisch zugelassen. In Zukunft könnten mit solchen Tests immer mehr Diagnosen schon in einem frühen Stadium der Schwangerschaft erkannt werden – was mit erheblichen ethischen Fallstricken verbunden ist. Damit hat sich der Bundestag am Donnerstag in einer Grundsatzbedatte beschäftigt.

So positionieren sich die Bremer Bundestagsabgeordneten

Es muss uns bewusst sein, dass dieser Test auf Trisomie 21 nur der Anfang einer Fülle von vorgeburtlichen Tests sein wird. Das sehe ich mit Sorge. Unsere Gesellschaft muss beides garantieren: das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und eine inklusive Gesellschaft. Es gibt auch das Recht auf Nichtwissen. Es darf keinen gesellschaftlichen Druck geben, dass Schwangerschaften nach der Diagnose Down-Syndrom abgebrochen werden. Ein solcher Test muss daher immer mit dem Angebot zu einer guten Beratung der werdenden Eltern verbunden sein, dass ein Leben mit Down-Syndrom genauso erfüllend und glücklich ist wie eines ohne das dritte Chromosom.
Eine generelle Kostenübernahme des Pränataltests durch die Krankenkassen lehne ich ab. Ich befürworte die Finanzierung des Tests für Schwangere, denen dadurch eine Fruchtwasseruntersuchung erspart bleibt. In diesem Fall ist der Bluttest die schonendere Alternative, weil er nicht das Risiko einer Fehlgeburt birgt.

Kirsten Kappert-Gonther (Die Grünen)
Kirsten Kappert-Gonther, Grünen-Bundestagsabgeordnete

Jede Frau muss diskriminierungsfrei entscheiden können, ob sie diesen Bluttest vornimmt oder nicht, und welche Entscheidungen sie daraufhin trifft. Zu dieser Entscheidungsfreiheit gehört, eine inklusive Gesellschaft zu haben, die Eltern von Kindern mit Beeinträchtigung nicht alleine lässt; die Eltern von Kindern, die behindert werden, nicht vor Armutsrisiken stellt. Von diesen Sicherheiten sind wir noch weit entfernt.

Doris Achelwilm (Linke)
Doris Achelwilm, Linken-Bundestagsabgeordnete

Wir unterstützen pränatale Diagnostik und die neue, risikolose Testmöglichkeit als Kassenleistung. Das bedeutet allerdings nicht, diese als Regeluntersuchung, sondern nur bei Risikoschwangerschaften durchzuführen. Aus medizinischer Sicht ist alles Notwendige zum Schutz von Leben und leiblicher Unversehrtheit von Mutter und Kind zu tun.
Aus gesellschaftlicher Sicht ist festzustellen, dass wir in einem Land leben, in welchem bestimmte politische Kräfte sogar propagieren, dass sich Frauen gegen ein Kind entscheiden sollen, möglicherweise sogar bis kurz vor der Geburt. Nicht behindertes ungeborenes Leben darf abgetrieben werden, behindertes ungeborenes Leben muss um jeden Preis geschützt werden, eine pervertierte Diskussion. Nach Ansicht der AfD ist es erforderlich, eine neue gesamtgesellschaftliche Willkommenskultur für alle Kinder zu schaffen.

Frank Magnitz
Frank Magnitz, AfD-Bundestagsabgeordneter

Ich möchte nicht, dass der vorgeburtliche genetische Bluttest zur Standartdiagnostik bei Schwangerschaften wird. Bei sogenannten Risikoschwangerschaften, bei denen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Trisomien besteht, sehe ich das anders. Hier zahlt die die Krankenkasse bisher schon die risikoreichere Fruchtwasseruntersuchung. Der Test wäre die schonendere Alternative.
Uns allen muss aber klar sein, dass dieser Bluttest erst der Anfang dessen ist, was bald medizinisch möglich sein wird. Bald wissen wir schon vor der Geburt sehr viel über den Verlauf des Lebens eines Kindes. Die Frage ist, wollen wir das alles wissen und wie verhindern wir, dass Eltern sich gezwungen fühlen, solche Tests durchzuführen?
Ich sehe die große Gefahren darin, dass sich die gesellschaftliche Debatte verschiebt.
Jeder hat ein Recht auf Nichtwissen und keinesfalls dürfen Eltern sich gedrängt fühlen, ein Kind abzutreiben, das nicht der vermeintlichen Norm entspricht. Diese Tendenz gibt es jetzt schon. Das Eltern mit einem Kind mit Down-Syndrom gefragt werden "ob man das nicht hätte verhindern können", ist nicht akzeptabel. Deswegen brauchen wir Frauenärztinnen und -ärzte die sensibel über mögliche Erkrankungen und Testmöglichkeiten aufklären aber auch akzeptieren, wenn sich Eltern dagegen entscheiden. Außerdem dürfen Familien nach dem Test nicht alleine gelassen werden. Es braucht gute Beratung und mehr Aufklärung darüber, was das Leben mit Down-Syndrom für diese Menschen und ihre Familien bedeutet und welche Unterstützung es gibt. Auch Kontakt zu Eltern die ein Kind mit Down-Syndrom haben, kann hilfreich sein.

Sarah Ryglewski (SPD)
Sarah Ryglewski, SPD-Bundestagsabgeordnete

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Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Viernews, 11. April 2019, 11 Uhr