Kommentar

Bremens Überseestadt: Straßenbahnpläne sind längst überfällig

Noch diskutieren die Planer darüber, wie das neue Wohnviertel per Straßenbahn zu erreichen sein soll. Nicht ihr einziges Versäumnis, sagt Kommentator Marcus Behrens.

Video vom 2. März 2020
Zu sehen ist eine Straßenbahn und mehrere Autos in der Überseestadt.

Schienen bis zur Hafenkante? Ja, bitte! Höchste Zeit, dass sich jemand darum kümmert. Lieber spät als nie. Vielleicht hätten die Stadt- und Verkehrsplaner in Bremen sich einmal zu Fuß auf den Weg durch die Bremer Überseestadt machen sollen, bevor diese als neues Wohnviertel erschlossen wurde, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie weitläufig und wie (un)erreichbar das alte Hafengebiet in Bremens westlicher Mitte aus anderen Teilen der Stadt ist.

Die Idee, in dem ehemaligen Hafengebiet Wohnungen zu bauen, war toll. Man hätte vielleicht dafür nicht unbedingt die Hafenbecken zuschütten müssen, aber das ist eine andere Geschichte – und längst nicht mehr zu ändern. Neue Wohnungen wurden – und werden – dringend gebraucht. Und so wächst die Bebauung der Bremer Überseestadt weiter und weiter.

Viel zu kurzsichtig

Menschen wollen mobil sein und eigentlich auch um die Ecke einkaufen. Die Infrastruktur lässt aber noch arg zu wünschen übrig. Die Verlegung der Straßenbahnlinie 3, die seit Jahren den östlichen Rand des Gebiets touchiert, war damals viel zu kurzsichtig gedacht. Was seither passiert ist, macht alles noch viel absurder: Die Planer des öffentlichen Nahverkehrs laufen der Entwicklung vor Ort hinterher. Eine direkte Straßenbahnlinie, die die Überseestadt nicht nur streift, sondern bis zur Hafenkante fährt, ist eine tolle Idee – man hätte sie nur vor 20 Jahren haben müssen.

Offenbar hat sich auch niemand so richtig Gedanken darüber gemacht, was Menschen, die Wohnungen kaufen oder mieten, gerne in ihre unmittelbaren Nähe hätten – Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kindergärten und nicht zuletzt auch Ärzte. Von grünen Flächen ganz zu schweigen. Aber solange man sich aus dem Viertel hinaus bewegen muss, um alles das zu finden und zu erledigen, was man braucht und will, wäre eine schnelle und direkte Bahn- oder Busanbindung natürlich essentiell. Denn zurzeit erreicht man die Überseestadt oder eben den Rest der Stadt nur mit Umsteigen. Und das ist ungefähr so, als würde der ICE aus München in Delmenhorst enden und man müsste für die fünf Minuten bis zum Bremer Hauptbahnhof noch in die S-Bahn umsteigen.

Aber so wichtig ist dieses Vorzeigeobjekt der Planer dann wohl doch nicht, wenn Bremen sich einmal mehr hinten anstellt, wenn es um innovative und zukunftsweisende Stadtplanung geht.

Autor

  • Marcus Behrens

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. März 2020, 8:47 Uhr