Bürgerschaft im Rathaus: Warum 120 Tische neu bestellt werden mussten

Die Bürgerschaft muss saniert werden. Während der Bauarbeiten tagt das Parlament im Rathaus. Doch bei den Umzugsvorbereitungen sind jetzt unerwartete Tisch-Komplikationen aufgetreten.

Schlüsselübergabe an der Bremischen Bürgerschaft

Der Festsaal im Rathaus ist zwar nicht gerade klein, aber wenn dort das ganze Parlament mit seinen 84 Abgeordneten tagen soll, wird es eng. Zu eng, wie sich jetzt bei einer Generalprobe herausstellte. Die rund 120 Tische, die die Bürgerschaft eigens für die Sitzungen im Rathaus angeschafft hat, sind einfach zu groß.

"Wir hatten ursprünglich zwei Gänge zwischen den Tischreihen eingeplant. Jeweils ein Meter breit. Dafür haben wir die Tische in einer Größe von 80 mal 80 Zentimeter bestellt", erklärt Bürgerschaftsdirektor Hans-Joachim von Wachter und ergänzt: "Und dann ist der Wunsch der Fraktionen und des Vorstands gekommen, dass man statt zwei Gängen vier Gänge haben möchte. Sie können sich vorstellen: Dann sind die Gänge keinen Meter mehr, sondern nur noch 50 Zentimeter breit." Und das könnte für manchen Abgeordneten einfach zu eng werden.

FDP will nicht mit AfD an einem Tisch sitzen

Hintergrund des Tische- und Gänge-Tetris ist unter anderem der Wunsch der FDP-Fraktion, nicht direkt mit der AfD-Fraktion an einem Tisch zu sitzen. "Wir haben gefordert, dass da eine räumliche Trennung stattfindet", erläutert der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP Hauke Hilz.

Das Ganze war kurzzeitig eine recht unangenehme Situation für die Bürgerschaftsverwaltung. Nachdem sie den Umzug des Parlaments ins Rathaus jahrelang geplant hatte, stand sie plötzlich mit 120 fabrikneuen, aber zu groß geratenen Tischen da. Zum Glück war der Hersteller kulant und versprach die ganze Ladung wieder zurückzunehmen. Offenbar ist die Universität Osnabrück Abnehmer der rathaus-untauglichen Tische. Für die Bremer Steuerzahler ist die Sache somit womöglich glimpflich ausgegangen.

Die Bürgerschaftsverwaltung hat jetzt neue Tische bestellt. 70 mal 70 Zentimeter. Die sollen sogar noch pünktlich bis zur Senatswahl am 15. August geliefert werden. Die Abgeordneten werden mindestens eineinhalb Jahre beziehungsweise 16 Plenarsitzungen an diesen neuen Tischen verbringen. Danach, im Dezember 2020, soll die rund zehn Millionen Euro teure Sanierung der Bürgerschaft abgeschlossen sein und das Parlament wieder zurück auf die andere Seite des Marktplatzes ziehen. Was dann mit den 120 70 mal 70 Zentimeter großen Tischen passiert, ist heute noch unklar.

Bremische Bürgerschaft zieht ins Rathaus

Das provisorische Parlament im Rathaus.
  • Hauke Hirsinger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Juli 2019, 19:30 Uhr