Bovenschulte: Thüringer Lockerungspläne kein Vorbild für Bremen

In Thüringen wird über die Aufhebung landesweiter Corona-Maßnahmen debattiert. Für Bremen sind die Pläne ungeeignet, sagt der Bürgermeister. Noch sei das Virus nicht unter Kontrolle.

Je zwei Personen sitzen an Tischen vor einer Kneipe.
Café im Bremer Viertel: In der Hansestadt ist ein Ende der allgemeinen Corona-Maßnahmen nicht geplant.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) plant, die allgemeinen Corona-Beschränkungen in seinem Bundesland aufzuheben. Dieser Vorstoß stößt jedoch nicht nur in Thüringen selbst auf Kritik. So hat sich inzwischen nicht nur Ramelows Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) vom Vorhaben des Ministerpräsidenten distanziert. Auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) warnt vor den Plänen. "Noch haben wir das Virus nicht unter Kontrolle, noch müssen wir vorsichtig sein", sagte Bovenschulte auf Nachfrage von buten un binnen.

Der SPD-Politiker betonte, Bremen werde den Vorschlägen aus Thüringen nicht folgen und stattdessen "bis auf Weiteres an den Kontaktbeschränkungen festhalten". Gerade beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln bleibe die Mund-Nasen-Bedeckung deswegen in dem nördlichen Stadtstaat verpflichtend, kündigte Bovenschulte an.

Thüringens Ministerpräsident will Änderung ab 6. Juni

Auch Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) winkt ab. "Für unsere Situation sind die Überlegungen aus Thüringen in diesem Umfang nicht sinnvoll", sagt sie gegenüber buten un binnen. Bremen habe das Infektionsgeschehen gerade deshalb unter Kontrolle, weil Maßnahmen umgesetzt worden seien. "Diese Erfolge dürfen wir nicht aufs Spiel setzen und unsere Schutzmaßnahmen voreilig wieder aufgeben", so Bernhard.

Den Plänen von Thüringens Ministerpräsident zufolge würden ab dem 6. Juni landesweite Regeln zu Mindestabständen, dem Tragen von Mund-Nasen-Schutz sowie Kontaktbeschränkungen nicht mehr gelten. Anstatt dieser Vorgaben soll es dann regionale Maßnahmen abhängig vom Infektionsgeschehen vor Ort geben. Dafür ist ein Grenzwert von 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche im Gespräch.

Virologe: "Für Bremen macht das keinen Sinn"

Dass solche Lockerungsmaßnahmen derzeit für Bremen nicht geeignet sind, findet auch der Bremer Virologe Andreas Dotzauer. So könne es zwar Vorteile haben, in einem Flächenland regionale Anpassungen vorzunehmen, für einen Stadtstaat sei dies allerdings so nicht praktikabel. "Bremen hat ja praktisch schon Regionalgröße", so der Virologe von der Universität Bremen.

Das auf Bremen zu übertragen, macht keinen Sinn.

Andreas Dotzauer, Virologe an der Uni Bremen

Denkbar sei eine Regionalisierung allenfalls im Hinblick auf Bremen und Bremerhaven. Aber auch davon ist Dotzauer nicht überzeugt. Denn ein weiterer Nachteil unterschiedlicher Regelungen sei, dass die Menschen den Überblick verlören. "Statt Klein-klein brauchen die Menschen klare Orientierungspunkte", sagt der Virologe. Sonst werde es zu unübersichtlich.

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Mai 2020, 19:30 Uhr