AfD-Bürgerschaftsabgeordneter demonstriert mit Neonazis

Vor einer Woche demonstrierten unter anderem Neonazis in Delmenhorst gegen die deutsche Flüchtlingspolitik. Mit dabei war auch Alexander Tassis von der Bremer AfD.

AfD-Bürgerschaftsabgeordneter Tassis bei einer Demo in Delmenhorst
Der Bürgerschaftsabgeordnete der AfD, Alexander Tassis, beim sogenannten "Frauenmarsch" in Delmenhorst.

„Kandel ist überall“ war auf einem Transparent zu lesen, das acht Frauen in der ersten Reihe des Protestzuges am vergangenen Samstag trugen. Ansonsten dominierten männliche Teilnehmer die Versammlung in Delmenhorst. Sie schwenkten Deutschlandfahnen. Mit Rufen wie „Heimatliebe ist kein Verbrechen“ oder „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“ zogen sie durch die Innenstadt. Sprechchöre, die ansonsten nur auf rechtsextremen Versammlungen zu hören sind. An der Demo nahm auch der Bremer AfD-Bürgerschaftsabgeordnete Alexander Tassis teil, zusammen mit Personen, die mit einschlägigen Symbolen ihre rechtsextreme Gesinnung präsentierten.

Neonazis beim Frauenmarsch in Delmenhorst
Ein Teilnehmer trug bei der Demo in Delmenhorst ein Shirt mit dem rechtsextremen "White Power"-Symbol.

So trug ein stark tätowierter Glatzkopf ein T-Shirt mit dem Aufdruck „White Power“ (deutsch: „Weiße Macht“) und einer weißen, gereckte Faust. Ein Symbol des rassistisch, militanten „Ku Klux Klan“ (KKK) aus den USA. Es steht für die angebliche Überlegenheit der „weißen Rasse“. Bevor sich die Demonstration in Bewegung setzte, versteckte er das politische Bekenntnis, indem er sein Shirt auf Links drehte. Doch auf seinem Unterarm war noch gut sichtbar eine „Schwarze Sonne“ tätowiert. Ein Symbol der SS, das aus drei übereinandergelegten Hakenkreuze besteht.

Offenbar Neonazis aus Vechta

Rechtsextremismusexperte Sebastian Ramnitz
Rechtsextremismusexperte Sebastian Ramnitz

Der Präventions- und Rechtsextremismus-Experte, Sebastian Ramnitz, war vor Ort und rechnet einige der Teilnehmer der organisierten Neonazi- und Hooliganszene aus Vechta zu. Sie nennen sich „Blood Brother Nation“ und „Querschläger Vechta“. Aus dieser Gruppe heraus, berichtet Ramnitz, sei er am Tag der Demonstration bedroht worden: „Die Neonazis aus Vechta haben mich gleich am Anfang entdeckt. Sie nahmen mich direkt in die Mangel.“ Ein Teilnehmer habe den Arm um seinen Hals gelegt und gesagt: „Ich komme vorbei. Hast du mich verstanden? Ich mach dich fertig.“

Tassis will nichts bemerkt haben

Von den Neonazis will Tassis in Delmenhorst nichts mitbekommen haben. Filmaufnahmen zeigen, wie er während der Demonstration in unmittelbarer Nähe der Rechtsextremen läuft. Tassis erklärt dazu: „Das ist mir überhaupt nicht aufgefallen. Soweit ich das auch von der Veranstalterin weiß, hat es wohl keine Zwischenfälle gegeben. Auch die Polizei hat nicht rückgemeldet, dass da die Herrschaften durch Alkoholismus oder durch irgendwelche Äußerungen aufgefallen sind – und mir eben auch nicht.“

AfD-Bürgerschaftsabgeordneter Alexander Tassis
AfD-Bürgerschaftsabgeordneter Alexander Tassis

In seiner Abschlussrede bei der Veranstaltung wurde Tassis dann selbst verbal umso radikaler. Er nannte die Bundesregierung ein „Merkel-Regime“. Sie betreibe eine „verbrecherische, Verderben bringende Politik“. Aus den Reihen der Protestierenden erntete der AfD-Politiker dafür Applaus.

Die Teilnehmer waren dem Aufruf einer AfD-Politikerin aus Leer gefolgt. Auf Facebook schrieben die Veranstalter: „Wir setzen gemeinsam ein Zeichen gegen diesen Einwanderungswahnsinn zu Lasten der Sicherheit und Freiheit unserer Frauen und Kinder!“

Kandel-Demos regelmäßig auch in Bremen

Auch in Bremen versammeln sich seit Ende März immer wieder Menschen auf dem Marktplatz, um an den Fall aus Kandel zu erinnern. In der rheinland-pfälzischen Kleinstadt soll im Dezember 2017 ein junger Afghane seine Ex-Freundin in einem Supermarkt erstochen haben. Der mutmaßliche Täter war als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland eingereist, um einen Antrag auf Asyl zu stellen. Der Fall sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen in den Medien. Der Ort Kandel ist seitdem zu einem Aufmarschort für Flüchtlingsgegner und Rassisten geworden.

  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Mai 2018, 19:30 Uhr