Entschuldigungen nach Zoff zwischen Handelskammer und Senatorin

Erst teilte der scheidende Syndikus der Handelskammer Bremen gegen Senatorin Maike Schaefer (Grüne) aus – jetzt rudert er zurück. Auch die Handelskammer entschuldigt sich.

Die Bremer Handelskammer am Marktplatz
Nun doch zurückgerudert: Die Handelskammer und ihr scheidender Syndikus entschuldigten sich bei Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne). (Symbolbild) Bild: DPA | Thomas Robbin

Noch am Montag flogen die Fetzen. Da warf Andreas Otto kurz vor seinem Ruhestand der Bremer Baubehörde "alternative Fakten" vor. Er kritisierte, dass man sich mit Ideen und Vorschlägen der Kammer im Bauressort schwer tue und – so wörtlich – "es ist ja auch viel einfacher, die eigene Klientel mit alternativen Fakten zu beglücken". Auf diese Formulierung von buten un binnen angesprochen, räumte Otto ein, er hätte auch "Unwahrheiten" schreiben können, fand die Formulierung "alternative Fakten" aber "eleganter". Allein diese Argumentation brachte die Baubehörde auf den Baum. Das sei eine "seltsame Interpretation", so der Sprecher der Behörde, Jens Tittmann.

Nun die Bremsung: Otto und die Handelskammer baten bei Schaefer um Entschuldigung. Otto schriftlich, die Handelskammer in einem Telefonat von Hauptgeschäftsführer Matthias Fonger.

Das Telefonat zwischen der Senatorin und Herrn Fonger war ein langes und gutes Gespräch, in dem Herr Fonger deutlich gemacht hat, dass es sich um eine rein private Äußerung von Herrn Otto handelt.

Erklärung der Handelskammer

Die Handelskammer distanziere sich und teile Ottos Äußerung in keiner Weise. Senatorin Schaefer habe mitgeteilt, dass die Sache "damit für sie erledigt" sei. Otto habe sich zudem für seine Wortwahl entschuldigt.

Immer mal Differenzen zwischen Handelskammer und Behörde

Ottos Kritik an Senatorin Schaefer hatte es in sich. Er sagte, sie gaukele Dinge vor, die nicht stimmen. Beispiel: Innenstadtgipfel. "Maike Schaefer hat zu unserer Idee, die Straßenbahn aus der Obernstraße zu verlegen, erklärt, das ginge nicht, weil die Haltestelle dort die meist frequentierte sei", so Otto. Das stimme aber nicht: "An Domsheide, Brill und Bahnhof steigen deutlich mehr Menschen ein und aus." Die Behörde hält dagegen, es sei um die Haltestelle in der Obernstraße gegangen, wo die meisten ein- und aussteigen würden. Die Zahlen kämen vor der Bremer Straßenbahn AG (BSAG).

Otto beklagte sich, dass es früher – auch bei grünen Senatoren wir Reinhard Loske und Joachim Lohse – immer den Versuch gegeben hätte, "auf einen Nenner zu kommen". Das sei jetzt nicht mehr so zu erkennen. Zum Unverständnis von Schaefers Sprecher Tittmann, der auch schon Sprecher von Schaefers Vorgänger war: "Da wurde auch geholzt", räumt er ein. Und entsprechende Differenzen zwischen Behörde und der Handelskammer habe es immer mal gegeben. "Das ist völlig normal und das ist bei Frau Schaefer nicht anders als bei ihren Vorgängern."

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Autorin

  • Carola Schwirblat Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 28. Dezember 2020, 17:10 Uhr