Diese Nachwuchskräfte sollen Bremerhavens SPD verjüngen

Viel Ärger gab es in Bremerhaven um die Aufstellung zur Wahl 2019: Viele Ältere sind auf hintere Plätze gerutscht. Zwei Youngster sollen Erneuerung bringen.

Plenum der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung
Auch die Bremerhavener Stadtverordneten werden 2019 neu gewählt. Die Parteien bringen sich langsam in Stellung.

In Bremerhavens SPD gab es in den letzten Monaten viel Ärger. Die Wahllisten kamen mächtig in Bewegung. Einige Altgediente landeten plötzlich auf den hinteren Plätzen, junger Nachwuchs rückte nach. Eines der beliebtesten SPD-Gesichter der Stadt warf nach vielen Jahren sogar ganz hin: Karlheinz Michen, lange Vorsitzender eines Ortsvereins, bekam nur einen äußerst wackeligen 18. Listenplatz für das Stadtparlament. Er trat von seinen Ämtern lieber ganz zurück.

Bremerhavens SPD-Chef, Wirtschaftssenator Martin Günthner, hatte einen Wandel gefordert: "Wir müssen jünger und weiblicher werden", mahnte er. Seine Stellvertreterin auf Platz zwei der Bremerhavener Liste zur Bürgerschaftswahl wurde Janina Brünjes, 22. "Ich glaube, ich bin sowohl die Verjüngung als auch die Erneuerung", sagt sie selbstbewusst. Der Platz für ihren Start als Nebenberufs-Politikerin dürfte ihr sicher sein.

Politik-Leistungskurs, Politik-Studium, Politikerin

Janina Brünjes
Janina Brünjes

Politik-Leistungskurs, Politik-Studium, Politikerin: So war bei ihr die Reihenfolge. Seit fünf Jahren ist sie in der Bremerhavener SPD aktiv, sie war Juso-Vorsitzende, ist mittlerweile Vize-Chefin des Unterbezirks. Nun geht sie in den Landtags-Wahlkampf. Wie ist so eine Blitzkarriere möglich? "In der SPD ist es wichtig, dass man für Projekte brennt, etwas bewegen möchte und auch gute Ideen hat, um die Dinge umzusetzen."

Bildung und Wissenschaft sind ihre Schwerpunktthemen, doch auch in den Niederungen der Alltagspolitik hat sie ihre Meinung. Skeptisch ist sie zum Beispiel bei Bürgerentscheiden – wie bei der Bebauung der "Neuen Aue", einem ganz heißen Thema in Bremerhaven. Die direkte Bürgerbeteiligung, sagt Janina Brünjes, werde auch in der Politikwissenschaft kritisch gesehen.

Man kann nicht alle über alles abstimmen lassen.

Janina Brünjes, Bremerhavener Kandidatin für die Wahl zur Bremischen Bürgerschaft

Zweiter Anlauf in der SPD

Bildung ist auch für Selcuk Caloglu ein wichtiges Thema. Er war schon einmal Mitglied der Sozialdemokraten. Wegen persönlicher Differenzen trat er aus, nun ist der 34-Jährige aber wieder Mitglied. "Ich war besorgt, weil die Rechten immer aktiver wurden", erklärt der Betriebswirt. Nun will er sich in die Stadtverordnetenversammlung wählen lassen. Sein Platz neun ist halbwegs sicher, SPD-Urgestein wie Uwe Parpart oder Jörn Hoffmann kandidieren hinter ihm.

Selcuk Caloglu
Selcuk Caloglu

Wie Janina Brünjes findet auch er es wichtig, auf die Menschen zuzugehen. "Das Thema Sozialbetrug hat uns Vertrauen gekostet", glaubt Caloglu. Nun, glaubt er, muss die SPD die Kommunikation mit den Bürgern noch mehr suchen. "Mehr Transparenz zeigen: Ich glaube, darauf kommt es heute an." Und natürlich auf die Themen.

Caloglu sieht Bremerhavens Zukunft im "wissensintensiven Bereich. Wir müssen bei den Forschungsinstituten nachlegen", findet er. Die Digitalisierung der Hafenwirtschaft ist für den Politik-Newcomer ein großes Thema, "vor allem auch, wie man die Beschäftigungszahl dabei stabil halten kann." Dafür will er sich in der Stadtverordnetenversammlung einbringen – in einer Fraktion, die bisher nicht für Diskurskultur und Vielstimmigkeit bekannt ist. Klar will er reden, wenn er etwas zu sagen hat:

Genau das ist mein Job.

Selcuk Caloglu, SPD-Kandidat für die Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung
  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. Oktober 2018, 19.30 Uhr