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"Konservativer" Sozialdemokrat? Das will Mäurer nicht hören

Der "Sheriff von Bremen" wird Ulrich Mäurer schon mal genannt. Er steht für den konservativen Flügel der SPD – heißt es. So sieht der Innensenator sich selbst.

Portraitfoto von Innensenator Ulrich Mäurer
Innere Sicherheit sieht Ulrich Mäurer als zentrales Anliegen.

"Nein", sagt Ulrich Mäurer entschieden. Mit einem anderen Ressort oder gar dem Amt des Bürgermeisters habe er noch nie geliebäugelt. Er gehöre ins Innenressort. Und weil ihm seine Arbeit so viel Spaß mache, freue er sich umso mehr, dass er auch der neuen Landesregierung als Innensenator angehören werde. Seit gut elf Jahren steht Mäurer dem Bremer Innenressort vor. Damit ist der 68-Jährige nicht nur Bremens ältester, sondern auch dienstältester Senator.

Populärer Streiter für Recht und Ordnung

Fast 17.000 Wählerstimmen konnte der Jurist bei der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft im Mai gewinnen: ein herausragender Wert, gerade wenn man das miserable Gesamtergebnis der Sozialdemokraten bedenkt. Der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst glaubt, dass die Wähler mit ihren Stimmen für Mäurer insbesondere dessen "Eintreten für Recht und Ordnung im öffentlichen Raum" honoriert haben.

Beispielhaft hierfür stehen zahlreiche Überwachungskameras und das neue Polizeirevier am Bremer Hauptbahnhof: mit Bundes- und Landespolizei unter einem Dach. Doch auch Mäurers jahrelanger Streit mit der mächtigen Deutschen Fußball Liga (DFL) passt ins Bild des ordnungsliebenden, juristisch sattelfesten und in verwaltungstechnischen Fragen versierten Politikers. Zumal Mäurer als Sieger aus dem Streit hervorgegangen ist. Kürzlich hat das Bundesverwaltungsgericht Leipzig beschieden, dass es rechtens ist, wenn eine Stadt den Profi-Fußball für die Kosten der Polizeieinsätze zur Kasse bittet: ein bundesweit viel beachteter Erfolg des Bremer Innensenators.

Innere Sicherheit als "zentrales Anliegen"

Dieser arbeitet momentan daran, die Polizei und den Ordnungsdienst Bremens weiter aufzustocken. Es kränke ihn, wenn er deswegen als konservativer oder gar rechter Sozialdemokrat angesehen werde, gibt Mäurer unumwunden zu: "Innere Sicherheit ist ein zentrales Anliegen jeder Gesellschaft, die Grundvoraussetzung dafür, dass wir friedlich miteinander leben können", sagt er und stellt ferner fest: "Es ist nicht schick, wenn der Müll auf der Straße liegt."

Innere Sicherheit ist ein zentrales Anliegen jeder Gesellschaft, die Grundvoraussetzung dafür, dass wir friedlich miteinander leben können.

Ulrich Mäurer, Bremens Senator für Inneres

Auch gehe es ihm nicht darum, möglichst viele Parksünder mit Knöllchen abzustrafen, sondern dafür zu sorgen, dass die Feuerwehr und die Rettungswagen überall durchkämen. In diesem Punkt seien sich alle Fraktionen der Bremischen Bürgerschaft einig. Nicht umsonst hätten SPD, Grüne und Linke das Aufstocken der Polizei sowie des Ordnungsdienstes gemeinsam im Koalitionsvertrag verankert.

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"Ich kenne die Polizei von allen Seiten"

Mäurer sieht hierin nicht nur eine "Riesenchance in der Bekämpfung der Kriminalität". Er ist zudem überzeugt davon, dass Bremen mithilfe der Polizei, zusätzlichen Ordnungskräften und der Stadtreinigung für mehr Wohnqualität in abgehängten Stadtteilen sorgen kann. Auch deshalb hoffe er auf eine "ganz enge Zusammenarbeit" insbesondere mit dem Ressort für Umwelt und Verkehr: "Ich bin wahnsinnig gespannt auf die Arbeit mit Frau Schaefer", betont Mäurer.

Ich habe Demos gegen den herrschenden Senat organisiert.

Ulrich Mäurer, Bremens Senator für Inneres

"Ich bin 1972 wegen der linken Uni nach Bremen gekommen", blickt der Innensenator zurück. "Ich habe dann als Asta-Mitglied Demos gegen den herrschenden Senat organisiert. Natürlich war ich auch gegen den Vietnam-Krieg und gegen den Nato-Doppelbeschluss." Später habe er in Brokdorf und in Gorleben gegen Atomenergie protestiert. "Glauben Sie mir: Ich kenne die Polizei von allen Seiten", resümiert Mäurer – und lächelt.

Mit einem Klick zu den Senatoren und Senatorinnen:

Die Bremer Senatoren Andreas Bovenschulte Präsident des Senats Bürgermeister Dietmar Strehl Senator für Finanzen Ulrich Mäurer Senator für Inneres Kristina Vogt Senatorin für Wirtschaft und Arbeit Claudia Schilling Senatorin für Wissenschaft, Häfen und Justiz Claudia Bogedan Senatorin für Kinder und Bildung Maike Schaefer Senatorin für Umwelt, Bau und Verkehr Anja Stahmann Senatorin für Soziales, Jugend und Sport Claudia Bernhard Senatorin für Gesundheit und Frauen

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Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. August 2019, 19:30 Uhr