Gewerkschaft: Kinder mit Sprachproblemen nicht später einschulen

  • Bremer GEW nennt Äußerungen von Linnemann "skandalös"
  • Der schlägt vor, Einschulung bei mangelnden Sprachkenntnissen zu verschieben
  • In Bremen haben 128 Kindergartenkinder schlechte oder keine Deutschkenntnisse
Grundschülerinnen sitzen im Kreis und üben Schreiben.
In Bremens Kindergärten wird mit dem Cito-Test ermittelt, wie gut Kinder Deutsch können. Für viele gibt es Förderungen. Bild: DPA | Jan Woitas

Sollten Kinder, die nicht oder schlecht Deutsch sprechen, notfalls später eingeschult werden? "Nein", sagt die Bremer Gewerkschaft GEW. Den entsprechenden Vorschlag des CDU-Politikers Carsten Linnemann wiesen Vertreter der GEW als "skandalös und nicht sinnvoll" zurück. Dies komme einem Ausschluss der betroffenen Kinder gleich. Stattdessen müsse mehr Geld in Personal, Kitas und Schulen investiert werden, um die grundlegenden Bedingungen für ein erfolgreiches Lernen zu schaffen.

128 Bremer Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse

128 Kinder verfügten 2018 im letzten Kindergartenjahr über keine oder nicht ausreichende Deutschkenntnisse. 247 waren es noch im Jahr zuvor. Ermittelt wird dies ganz regulär durch die sogenannten Cito-Tests. Sie erfassen flächendeckend, wie gut die Kindergartenkinder die Sprache beherrschen. Für viele folgend daraus besondere Förderungen. Allerdings sieht das Programm als letzte Möglichkeit auch vor, dass Kinder ein Jahr später eingeschult werden. Wie viele Kinder davon in Bremen gerade betroffen sind, ist nicht bekannt.

Insgesamt wurden in Bremen 4.574 Kinder untersucht. Bei 1.789 wurde ein Förderbedarf festgestellt. Dieser Bedarf ist aber sehr verschieden. "Die höchste Anzahl an Kindern mit Sprachförderbedarf ist in den Kitas in den Stadtteilen Gröpelingen und Osterholz vorzufinden", heißt es in einem Schreiben der Bildungsbehörde, das buten un binnen vorliegt.

Mangelnde Sprachkenntnis bleibt Hauptproblem

Geringe oder schlechte Sprachkenntnisse seien ein Hauptgrund für die Probleme in der Schule, sagte Christian Gloede von der GEW in Bremen. Deshalb müsse die Sprachförderung bereits in den Kitas für alle Kinder ausgebaut werden. Denn das Sprachproblem beschränke sich nicht nur auf Migrantenkinder: "Wir haben viele Kinder mit Sprachproblemen in den Grundschulen, deren Eltern zwar Deutsche sind, die aber dennoch über kein ausreichendes Sprachvermögen verfügen. Das ist ein soziales Problem."

Die Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordern mehr sozialpädagogische Fachkräfte für die Schulen. Um die steigende Zahl von Jugendlichen zu senken, die ohne einen Abschluss die Schule verlassen, sei "sehr viel mehr Personal in allen Schulformen unverzichtbar", sagte der Geschäftsführer der GEW Niedersachsen, Rüdiger Heitefaut.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 6. August 2019, 14 Uhr