Interview

Blick hinter die Kulissen: Wenn Kanzlerin und Länderchefs telefonieren

Am Mittwoch werden die weiteren Schritte in der Corona-Krise besprochen. Aber wie läuft eine solche Telefonkonferenz genau ab? Im Bremer Rathaus haben wir nachgefragt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, telefoniert im Bundeskanzleramt in Berlin (Archivbild).
Während der Corona-Krise finden Telefonkonferenzen zwischen dem Bund und den Länderchefs regelmäßig statt. Bild: Imago | Photothek

In Corona-Zeiten sollten soziale Kontakte so weit wie möglich vermieden werden – das gilt auch für Politiker. So finden die Treffen zwischen der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Landesregierungen während der Corona-Pandemie telefonisch statt. Sitzt dann Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) in einem leeren Raum im altehrwürdigen Rathauses, umgeben von Aktenbergen, und telefoniert mit seinen Amtskollegen? Nicht unbedingt, wie der Senatssprecher, Christian Dohle, erzählt.

Herr Dohle, wie läuft eine Telefonkonferenz mit der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten ab?
Eigentlich ganz unspektakulär. Der Bürgermeister redet mit der Kanzlerin und den anderen Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten immer am Handy. Einfach, weil es praktischer ist. Er wählt sich wie alle Teilnehmer in das Konferenzsystem des Kanzleramtes ein und wenn alle da sind und die Leitung steht, dann kommt auch die Bundeskanzlerin dazu.
Moderiert dann die Kanzlerin die Telefonkonferenz?
Ja, das lässt sie sich nicht nehmen, das macht sie immer selbst. Zuerst fragt sie nach einer Einschätzung der Lage aus den jeweiligen Bundesländern – einem Bundesland nach dem anderen. Als erster ist immer Markus Söder aus Bayern dran, weil er derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist. Ansonsten gibt es aber keine feste Reihenfolge. Die Bundeskanzlerin, die Länderchefs und die an der Schalte beteiligten Bundesminister erkennen sich übrigens mittlerweile ganz gut an der Stimme.
Muss Bürgermeister Bovenschulte während der Konferenz im Büro sein?
Nein, überhaupt nicht. Meistens ruft er aus seinem Büro an, manchmal aber auch von unterwegs. Am Wochenende hat er schon mal zu Hause am Küchentisch gesessen, ein anderes Mal im Auto.
Im Auto?
Ja. Er war bei der Einweihung der Corona-Ambulanz am Klinikum Bremen-Ost und die Zeit wurde knapp, sodass er es nicht mehr rechtzeitig ins Büro geschafft hat. Also hat er sich von unterwegs in die Schalte eingewählt, während sein Fahrer ihn zum Rathaus fuhr. Dort hat er dann das Gespräch fortgesetzt.
Wie ist dann die Stimmung bei solchen Telefonschalten? Formell oder eher entspannt – vielleicht mit Kinderstimmen im Hintergrund?
Die Ministerpräsidenten kennen sich mittlerweile untereinander ganz gut, viele sind per du. Sie treffen sich ja auch regelmäßig. Man hat auf jeden Fall den Eindruck, dass das eine Runde ist, die häufiger zusammenkommt, die engagiert diskutiert und die sich auch für die Sorgen und Nöte in den anderen Ländern interessiert. Telefonschalten sind wirklich die Ausnahme, aber in Zeiten von Corona ist das natürlich sinnvoll. So eine Schalte läuft übrigens sehr diszipliniert und sehr konzentriert ab. Die Zeit ist schließlich bei allen sehr knapp und die nächsten Termine drücken schon.
Darf oder muss jemand vom Bürgermeister-Stab beim Gespräch anwesend sein?
Es muss niemand dabei sein, und es wird auch in Bremen kein Protokoll geführt. Allerdings hören natürlich oft Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Stab zu – der Staatsrat, der Bevollmächtigte, die Büroleiterin, seine persönliche Referentin oder auch ich, als sein Pressesprecher. Denn das, was besprochen wird, ist ja auch für unsere Arbeit wichtig. So eine Schalte dauert normalerweise zwischen anderthalb und zwei Stunden. Es wäre ziemlich umständlich, wenn der Bürgermeister anschließend alles noch einmal erzählen müsste.
Was ist aber dann, wenn jemand die Konferenz verpasst?
Es wird am Anfang natürlich immer nachgefragt, ob alle in der Leitung sind. Und wenn eine Verbindung abbricht, wird das im Kanzleramt sofort registriert und der verloren gegangene Gesprächsteilnehmer wieder angerufen. Aber natürlich kommt es mal vor, dass ein Ministerpräsident oder eine Ministerpräsidentin zu dem Termin partout nicht kann. Dann wird er so lange eben vertreten.

Das sagt Bremens Bürgermeister zu möglichen Corona-Lockerungen

Video vom 14. April 2020
Bürgermeister Bovenschulte im Interview.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 15. April 2020, 23:30 Uhr