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Bremer CDU-Fraktionschef: "Politik muss mit Fehlern offen umgehen"

Wie bewertet ein Vertreter der Opposition die aktuelle Corona-Situation? Der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Röwekamp äußerte sich im ausführlichen buten-un-binnen-Interview.

Video vom 30. Oktober 2020
Thomas Röwekamp im Interview mit Felix Krömer.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Der Fraktionschef der Bremer CDU hat sich im Interview mit buten un binnen für eine stärkere Überprüfung der neuen Corona-Maßnahmen ausgesprochen. Dabei kritisierte er auch die unzureichenden Kontrollen der bisherigen Corona-Maßnahmen – und bezog sich dabei klar auf Bremen. "Wir haben ein selbstverschuldetes Vollzugsdefizit, das räume ich gerne ein", so Röwekamp. Eine Vielzahl der zusätzlichen Maßnahmen habe seine Ursache auch darin, dass bisherige Maßnahmen nicht hinreichend überprüft worden seien.

Steigende Infektionszahlen und wieder schwerere Krankheitsverläufe bereiten Röwekamp Sorgen, auch im Hinblick auf die Situation in den Krankenhäusern. "Das wäre für mich die schlimmste Entscheidung, dass wir Ärztinnen und Ärzten die Entscheidung zumuten müssen, unter vielen Patienten, die behandlungsbedürftig sind, Prioritäten zu setzen." Eine Entscheidung über Leben und Tod zu treffen, sei die schwerste, die man überhaupt treffen könne, so der Politiker.

Verzicht – auch für Röwekamp

Als Privatperson und Familienmensch sei Thomas Röwekamp bisher sehr gut durch diese Krise gekommen. Innerhalb seiner Familie und des Freundeskreise habe es keine Infektionen mit dem Coronavirus gegeben, so Röwekamp. "Darüber bin ich glücklich und froh." Doch ausgefallene Feste und abgesagte Urlaube – davon sind auch Politiker wie Thomas Röwekamp nicht verschont geblieben. Eigentlich hätte er in diesem Jahr anlässlich der Silberhochzeit gerne gefeiert und eine große Reise mit seiner Frau gemacht, doch dann kam Corona.

Thomas Röwekamp im Interview mit Felix Krömer.
Im Gespräch mit buten un binnen blickte Thomas Röwekamp hoffnungsvoll in die Zukunft auch wenn die aktuelle Situation auch ihn manchmal nerve und mürbe mache. Bild: Radio Bremen

Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten getroffenen Entscheidungen findet Thomas Röwekamp richtig. Ein "Weiter so wie bisher" sei keine Alternative. "Es ist nicht die Frage, ob jetzt zusätzliche Maßnahmen kommen, es ist allenfalls die Frage, welche kommen." Für den CDU-Chef ist außerdem klar: Man müsse gesamtgesellschaftlich Solidarität zeigen, jeder müsse zu den getroffenen Maßnahmen etwas beitragen – auch wenn das für manche ungerecht sei.

Röwekamp betonte, dass die Oppositionsparteien in einer Krisenzeit, wie der aktuellen, keinesfalls nur zuschauen und abnicken. Man gebe Anregungen, Hinweise und Feedback. Gleichzeitig ist dem 54-Jährigen eine politische Debatte rund um die getroffenen Entscheidungen wichtig.

Ich nehme wahr, dass zum Beispiel die AfD eine Alternative hat. Darüber muss man reden. Die Alternative der AfD heißt einfach: Wir müssen nichts machen, das ist eben eine natürliche Auslese, die Menschen sterben. Ich finde das grundfalsch, das ist mit meinem Bild von Gesellschaft und der Menschenwürde unvereinbar. Aber ich finde, dass die Menschen einen Anspruch darauf haben, diese unterschiedlichen Positionen zu erfahren.

Bremer CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Röwekamp.
Thomas Röwekamp, CDU-Fraktionsvorsitzender

Fehler dürfen nicht wiederholt werden

Röwekamp unterstrich im Gespräch, dass in den vergangenen Monaten auch Fehler gemacht wurden. Aus heutiger Sicht sei beispielsweise der Lockdown im Frühjahr zu wuchtig gewesen. Politik müsse in diesen Zeiten mit Fehlern offen umgehen, denn gemessen werde man daran, Fehler nicht zu wiederholen.

Klar ist für Thomas Röwekamp, dass uns das Coronavirus noch eine lange Zeit beschäftigen wird. Als wichtige Projekte für die künftigen Monate nannte Röwekamp unter anderem eine klare Impfstrategie und sprach sich für eine verbindlichere Nutzung der Corona-Warn-App aus. "In dieser gegenwärtigen Situation geht für mich Gesundheit vor Datenschutz", so Röwekamp.

Vage Zukunftspläne

Hinsichtlich der Zukunft der CDU auf Bundesebene hat sich Thomas Röwekamp klar positioniert. Nicht erst seit der Coronakrise spricht er sich für das Duo Jens Spahn und Armin Laschet aus. An eine erneute Große Koalition glaubt er nicht, die Politiklandschaft stehe vielmehr vor riesigen Umbrüchen. Wie sich die Bremer CDU in Zukunft aufstellt, werde – wenn Corona es zulässt – im Frühjahr diskutiert werden.

Schon seit Mai 2020 ist klar: Thomas Röwekamp wird bei der nächsten Wahl 2023 nicht mehr kandidieren. Er äußerte sich auch darüber hinaus zurückhaltend. "Ich habe persönlich für mich keine Karrierepläne. Ich bin nicht auf Jobsuche, ich mache das, was ich jetzt mache, gerne." Ein politisches Sprungbrett brauche er nicht, um im Leben glücklich zu werden.

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Oktober 2020, 19:30 Uhr