Kommentar

Drei Kandidaten kämpfen um CDU-Vorsitz: Warum keine Doppelspitze?

Die Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz diskutierten auf der Regionalkonferenz in Bremen mehr als drei Stunden lang. buten un binnen-Regionalchef Frank Schulte zieht Bilanz.

Die CDU- regionalkonferenz mit vielen Zuschauern. Im Hintergrund eine Bühne mit den Politikern hinter einem Rednerpult und einer Projektionsfläche hinter ihnen. Das CDU Logo an der Wand daneben.

Wer macht denn nun das Rennen um den CDU-Vorsitz? Einer ganz bestimmt nicht, aber das dürfte Jens Spahn schon von Anfang an klar gewesen sein. Er hat die Kandidatur für Werbung in eigener Sache genutzt. Vor tausenden Mitgliedern konnte Spahn bei den Regionalkonferenzen reden und sein konservatives Profil schärfen. Diese Chance ließ er sich nicht entgehen. Seine Zeit wird noch kommen, mit 38 Jahren gilt er in der CDU als "blutjung“, wie er in Bremen selbst erzählte.

Also Kramp-Karrenbauer? Das dürfte eng werden – obwohl sie in Bremen die inhaltlich stärkste Rede der drei Kandidaten hielt. Es war klug von ihr, ausgiebig die Parteiseele zu streicheln. Mehr auf die Mitglieder hören, sie mehr einbeziehen – das war Kramp-Karrenbauers Credo. Inhalte, Inhalte, Inhalte – und bitte keinen Personenkult. Aber wird das reichen? Oder wird das vielleicht sogar eher zum Problem?

Friedrich Merz jedenfalls bediente souverän die Sehnsucht vieler Mitglieder nach dem wert-konservativen Kern der Partei. Er gab den Staatsmann alter Prägung. Inhaltlich hätte Merz diese Rede zu 80 Prozent auch vor 20 Jahren halten können. Rente, Sozialstaat, Konjunktur und Europa – Neues suchte man bei Merz zu diesen Themen vergebens. Allerdings: Auch in Bremen traf er mit dieser Reise "Zurück in die Zukunft“ bei vielen Mitgliedern einen Nerv. Immerhin mühte er sich nach Kräften, den oberlehrerhaften Gestus, das Besserwisserische, zu unterdrücken. Letztlich aber könnte Merz ausgerechnet das helfen, was alle drei Kandidaten in Bremen übereinstimmend als riesengroßes Problem beschrieben. Die CDU ist komplett überaltert und sie hat ein Problem damit, Frauen zu gewinnen und in die Partei einzubinden.

Wer die Chance auf eine wirklich spannende CDU will, der könnte mit Traditionen brechen und ein geradezu tollkühnes Experiment wagen: Eine Doppelspitze auf dem Vorsitz.

CDU-Vorsitz: Kandidaten im Portrait

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn bei einer Regionalkonferenz in Bremen.
  • Frank Schulte

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29, November 2018, 19:30 Uhr