Zech plant "City Galerie" wohl größer als gedacht

  • Auch Karstadt-Sporthaus könnte abgerissen werden
  • Parteien loben Zechs Engagement
  • Bremer Senat will Projekt unterstützen
Fassade des Einkaufshauses Karstadt

Nach Plänen, die buten un binnen einsehen konnte, will der Bremer Bauunternehmer Kurt Zech größer bauen als gedacht. Wie bereits gestern berichtet, soll das Parkhaus Mitte abgerissen werden, um Neues zu schaffen. Außerdem soll nach Informationen von buten un binnen auch der Karstadt-Sport-Komplex dem neuen Bau Platz machen. Die angedachte "City Galerie Bremen" wäre damit deutlich größer als zunächst angenommen.

Seit Jahren ist das Parkhaus Mitte ein Ärgernis für Bremer Stadtplaner und Politiker. Die Parkplätze in der Innenstadt werden zwar genutzt, das Gebäude stört aber den Einzelhandel in der Innenstadt. Weil die Eigentumsverhältnisse komplex sind, galt ein Abriss lange als nicht möglich. Auch Zechs Ideen sind nur realisierbar, weil Kaufhof offenbar kooperiert.

Parteien sehen Chance

Den Um- und Neubau sehen Politiker fast aller Parteien als große Möglichkeit. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Dieter Reinken, spricht von einer Chance für die Stadt. Von einer großen Lösung, wie von Zech offenbar geplant, könnten am Ende sowohl die Kunden als auch die Händler profitieren.

Karte der Bremer Innenstadt geplanter Abriss
Neben dem Parkhaus Mitte könnte auch der Karstadt-Sport-Komplex abgerissen werden.

Der wirtschafts- und stadtentwicklungspolitische Sprecher der Grünen, Robert Bücking, spricht von einer überfälligen Operation angesichts wachsender Konkurrenz auch durch Online-Handel. Auch dass der Verkehr neu organisiert würde, gefällt den Grünen. "Da sind andere Städte längst weiter", so Bücking.

Opposition begrüßt Pläne – und kritisiert die Regierung

Ähnlich äußert sich die FDP. Fraktionschefin Lencke Steiner fordert die Bremer Landesregierung außerdem auf, Zech bei seiner Initiative "keine Steine in den Weg zu legen". Mehr noch: Wenn das Parkhaus Mitte mit mehr als 1.000 Parkplätzen wegfalle, müsse ausreichend Ersatz her. Schließlich wollten viele Menschen mit dem Auto zum Einkaufen fahren.

Karte der Bremer Innenstadt geplanter Neubau
Passagen würden später bestehende und neue Gebäude verbinden. Besonders Kaufhof würde auch innen umgestaltet.

Auch die CDU begrüßt die Pläne, die Innenstadt "modern und attraktiv zu gestalten". Heiko Strohmann, Mitglied der Baudeputation kritisiert allerdings die "rot-grüne Tatenlosigkeit". Zechs Vorhaben zeige, dass diese Tatenlosigkeit selbstgemacht sei und nicht den Potenzialen der Innenstadt entspreche. Die CDU mahnt jetzt den Bremer Senat, "eine einheitliche Klammer" um die vielen verschiedenen Innenstadt-Projekte zu bilden. Nur so könne die Innenstadt ganzheitlich entwickelt werden.

Die Linke Claudia Bernhard fordert ein attraktives, kleinteiliges Angebot – eine Innenstadt müsse mit anderen Qualitäten punkten als mit einem Einkaufszentrum. Umkrempeln sei kein Wert an sich, so Bernhard. "Was wir für die Innenstadtentwicklung brauchen, sind Augenmaß und vor allem auch bezahlbare Einzelhandelsmieten", sagt die stadtentwicklungspolitische Sprecherin.

Bremer Senat will Projekt unterstützen

Der Bremer Senat will Zechs Bauvorhaben unterstützen. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) kündigte an, die Stadt werde die Initiative konstruktiv begleiten. Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) sagte, die umfangreichen Bauarbeiten dürften Einzelhandel und Tourismus in der Innenstadt nicht auf Jahre hinaus lahmlegen. Deshalb müsse in Abschnitten gebaut werden.

Bausenator Joachim Lohse (SPD) will noch "zahlreiche Aspekte" prüfen, nämlich die städtebauliche Umsetzung, die Auswirkung auf den Verkehr und wie die wegfallenden Parkplätze ersetzt werden könnten. Er versprach für das Parkhaus Mitte ein "ordnungsgemäßes Vergabeverfahren". Laut Lohse könne das Projekt "City Galerie Bremen" der Durchbruch für die Bremer Innenstadt bedeuten.

Weitere Informationen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen um 6, 5. Juli 2017, 18 Uhr

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